Interview

Christina Lainer,

Wenn die Anbindung zum Risiko wird

Die Leistungsfähigkeit eines Logistikstandorts entscheidet sich nicht mehr nur im Gebäude selbst. Gesperrte Brücken, überlastete Verkehrsachsen oder witterungsbedingte Ausfälle zeigen, wie stark Bauprojekte von ihrer Anbindung abhängen.

Der Erfolg von Bauprojekten hängt stark von einem effizienten Materialfluss ab. © Bockermann Fritze plan4buildING

Während Gebäude immer effizienter geplant werden, rückt die Stabilität der Infrastruktur zunehmend in den Fokus, und das nicht nur wegen der maroden Brücken in Deutschland. Immerhin ist eine funktionierende Infrastruktur eine der wichtigsten Stellschrauben für eine erfolgreiche Projektabwicklung. Digitale Modelle und die Auswertung von Verkehrs- und Infrastrukturdaten ermöglichen es heute, Zusammenhänge besser zu verstehen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Sie unterstützen die Planung, ersetzen sie aber nicht. Entscheidend bleibt die stichhaltige fachliche Bewertung. Über diese Entwicklung und die Auswirkungen auf die Planungspraxis hat Autorin Christina Lainer mit Martin Pollpeter, Geschäftsführer bei Bockermann Fritze plan4buildING, gesprochen. Mit einem gut eingespielten Team aus über 85 Köpfen legt er frühzeitig den Fokus auf die ganzheitliche Betreuung von Projekten – angefangen bei der Standortsuche und -analyse bis hin zur vollständigen und integralen Planungsleistung. Sein Tätigkeitsfeld erstreckt sich von der Gebiets- und Standortentwicklung mit allen Fachplanungen bis zur Generalplanung sowie dem umfassenden Projektmanagement. Dabei konzentriert er sich auf die erfolgreiche Realisierung von Gewerbe- und Logistikprojekten für Projektentwickler, Gewerbetreibende und Investoren im Bauwesen sowie für öffentliche Bauaufgaben.

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Christina Lainer: Herr Pollpeter, warum wird die Verkehrsinfrastruktur rund um einen Standort für Bau- und Logistikprojekte immer wichtiger?

Martin Pollpeter: In vielen Projekten wird der Fokus noch stark auf das Gebäude selbst gelegt. Für Logistik- und Gewerbestandorte entscheidet jedoch häufig die Anbindung darüber, ob ein Standort im Betrieb funktioniert. Wenn zentrale Verkehrsachsen ausfallen oder Zufahrten dauerhaft überlastet sind, entstehen sofort operative Probleme. Deshalb betrachten wir heute nicht mehr nur das Grundstück, sondern das gesamte Umfeld, in das ein Standort eingebunden ist.

Lainer: Sie sprechen von einem digitalen Zwilling der Lieferinfrastruktur. Wie funktioniert dieses Konzept in der Praxis?

Pollpeter: Der digitale Zwilling bildet die reale Infrastruktur rund um einen Standort ab. Mithilfe von Geoinformationssystemen werden Daten über Straßen, Verkehrsdichten, Brückenbauwerke oder topografische Gegebenheiten zusammengeführt. Diese Daten werden strukturiert ausgewertet, um ein realistisches Bild der Verkehrsstrukturen zu erhalten und Abhängigkeiten sichtbar zu machen.

Lainer: Welche Rolle spielt dabei der Einsatz von Daten und digitalen Werkzeugen?

Pollpeter: Die Datenbasis ist entscheidend. Verkehrsmessdaten, Zustandsinformationen von Infrastruktur oder regionale Entwicklungen liefern wichtige Hinweise. Digitale Werkzeuge helfen dabei, diese Daten zusammenzuführen und auszuwerten. Die Bewertung selbst bleibt jedoch eine planerische Aufgabe. Es geht darum, die richtigen Schlüsse aus den Daten zu ziehen und diese in die Standortentscheidung zu integrieren.

Martin Pollpeter, Geschäftsführer bei Bockermann Fritze plan4buildING © Bockermann Fritze plan4buildING

Lainer: Welche Risiken lassen sich mit solchen Analysen konkret erkennen?

Pollpeter: Typische Risiken sind Engstellen im Straßennetz, überlastete Verkehrsknotenpunkte oder infrastrukturelle Schwachstellen wie sanierungsbedürftige Brücken. Auch die Auswirkungen von Wetterereignissen lassen sich besser einschätzen. Viele dieser Risiken sind nicht sofort sichtbar, werden aber im Betrieb sehr schnell relevant.

Lainer: Welche Vorteile ergeben sich daraus für Bauherren und Projektentwickler?

Pollpeter: Der größte Vorteil liegt in der frühzeitigen Transparenz über mögliche Risiken. Wenn Planer bereits in einer frühen Projektphase erkennen, wo kritische Punkte liegen, können Projekte entsprechend angepasst werden. Das kann die Planung von Zufahrten betreffen, alternative Verkehrsführungen oder auch die grundsätzliche Standortwahl.

Lainer: Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für Generalplaner und Bauplaner?

Pollpeter: Die Rolle der Planung verändert sich. Generalplaner betrachten heute nicht mehr nur das Gebäude und das Grundstück, sondern das gesamte System, in dem ein Projekt später funktioniert. Digitale Modelle unterstützen diese Sichtweise, ersetzen aber nicht die planerische Bewertung. Entscheidend bleibt die fachliche Einordnung.

Lainer: Wird die datenbasierte Analyse von Infrastruktur künftig ein Standardinstrument der Standortplanung werden?

Pollpeter: Die Anforderungen an Planungssicherheit steigen kontinuierlich. Gleichzeitig wird die Infrastruktur vielerorts komplexer und stärker belastet. Die strukturierte Auswertung von Daten hilft dabei, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und fundierte Entscheidungen zu treffen. In Kombination mit planerischer Erfahrung wird dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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