Heizung
Pilotprojekt für nachhaltigen Wohnungsbau mit PVT-Technologie
Der nachhaltige Wohnungsbau steht zunehmend vor der Herausforderung, Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und serielle Bauprozesse miteinander zu verbinden. Genau an diesem Punkt setzt ein aktuelles Pilotprojekt in Hameln an. Dort realisierte die Grübbel Generalunternehmer GmbH eine Wohnanlage mit innovativer Energieversorgung, die Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PVT), Wärmepumpentechnik und serielle Holzbauweise kombiniert. Begleitet wird das Projekt durch das Forschungsinstitut ISFH, das die Energieströme und die Systemeffizienz wissenschaftlich überwacht.
Wohnanlage in Hameln als Praxisbeispiel für integrierte Gebäudetechnik
Die in serieller Holzbauweise errichtete Wohnanlage in Hameln umfasst 18 Wohneinheiten und wurde als Effizienzhaus 40 EE gemäß GEG 2023 umgesetzt. Ziel des Projekts ist es, ein energetisches Gesamtsystem zu etablieren, das einen deutlich reduzierten Primärenergiebedarf mit hoher Betriebseffizienz verbindet.
Im Zentrum der technischen Konzeption steht die Kombination aus Sole-Wasser-Wärmepumpe, bivalenter Quellenanbindung und Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PVT) der TWL-Technologie GmbH. Während klassische Photovoltaikanlagen ausschließlich Strom erzeugen, liefern PVT-Systeme gleichzeitig elektrische und thermische Energie. Dadurch entsteht ein hybrides Versorgungssystem, das mehrere energetische Funktionen innerhalb eines Gebäudes bündelt.
Für Bauunternehmen und Projektentwickler ist dieser Ansatz besonders relevant, weil er zeigt, wie sich regenerative Energietechnik in standardisierte und serielle Bauprozesse integrieren lässt. Genau darin liegt ein wesentlicher Hebel für die Skalierung nachhaltiger Wohnkonzepte im mehrgeschossigen Wohnungsbau.
Forschungsinstitut ISFH analysiert reale Betriebsdaten bis 2027
Das Forschungsinstitut ISFH begleitet das Projekt wissenschaftlich im Rahmen der Initiative integraTE-XL. Ziel der Untersuchung ist es, reale Betriebsdaten aus Demonstrationsanlagen mit PVT-Technologie und Wärmepumpensystemen zu erfassen und auszuwerten.
Im Fokus stehen dabei die Energieeffizienz, die CO₂-Einsparpotenziale sowie die Wärmegestehungskosten der eingesetzten Systeme. Für die Baupraxis besitzt diese Datenerhebung hohe Relevanz, weil belastbare Erkenntnisse aus dem laufenden Betrieb häufig fehlen. Gerade bei innovativen Versorgungskonzepten entscheiden jedoch reale Verbrauchs- und Effizienzdaten über die spätere Marktdurchdringung.
Die wissenschaftliche Begleitung durch das Forschungsinstitut ISFH soll deshalb nicht nur technische Kennzahlen liefern, sondern auch bestehende Markthemmnisse identifizieren und Optimierungspotenziale für zukünftige Wohnanlagen aufzeigen.
PVT-Kollektoren reduzieren Erdarbeiten und Flächenbedarf
Zum Einsatz kommen 48 Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PVT) vom Typ PRISMA®PVT HORIZON 4.0 der TWL-Technologie GmbH. Die Anlagen erzeugen Strom für den Betrieb der Wärmepumpe und führen gleichzeitig thermische Energie dem Erdreich zu. Diese sogenannte Regeneration verbessert die Leistungsfähigkeit des Erdreichwärmetauschers.
Ein entscheidender Vorteil zeigte sich bereits in der Planungsphase der Wohnanlage in Hameln: Durch die zusätzliche Regeneration konnte die benötigte Fläche des Erdwärmetauschers um rund 25 Prozent reduziert werden. Für Bauunternehmen bedeutet das nicht nur geringere Erdarbeiten und reduzierte Investitionskosten, sondern auch mehr Flexibilität bei begrenzten Grundstücksflächen.
Im konkreten Projekt konnten dadurch sogar bestehende Baumbestände erhalten bleiben. Das Beispiel verdeutlicht, wie technische Gebäudeausrüstung zunehmend Einfluss auf Flächenmanagement, Genehmigungsprozesse und Nachhaltigkeitsanforderungen nimmt.
Hydraulisches Konzept steigert Effizienz im laufenden Betrieb
Auch das hydraulische Anlagenkonzept wurde auf eine hohe Betriebseffizienz ausgelegt. Vor der Wärmepumpe installierte die Grübbel Generalunternehmer GmbH einen mit Sole gefüllten Kaltspeicher als hydraulische Weiche. Dadurch lassen sich die Volumenströme der Erdquelle und der PVT-Anlage voneinander entkoppeln und stabil regeln.
Zusätzlich erfolgt die Versorgung der Wohnungsstationen über ein 4-Leiter-System, bei dem Heizung und Trinkwarmwasser getrennt geführt werden. Die Trennung der unterschiedlichen Temperaturniveaus reduziert Energieverluste und verbessert die Effizienz der gesamten Wärmeversorgung.
Gerade für Projektleiter und technische Entscheider im Bauwesen zeigt dieses Beispiel, dass moderne Gebäudetechnik heute nicht mehr nur aus Einzelkomponenten besteht. Entscheidend ist vielmehr die intelligente Systemintegration aller Gewerke.
TWL-Technologie GmbH positioniert PVT-Systeme im Wohnungsbau
Mit dem Projekt in Hameln rückt die TWL-Technologie GmbH die Einsatzmöglichkeiten von Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PVT) verstärkt in den Fokus des mehrgeschossigen Wohnungsbaus. Besonders interessant für die Branche ist dabei die Verbindung aus serieller Bauweise, Wärmepumpentechnik und wissenschaftlich begleiteter Betriebsanalyse.
Sollten die bis Ende 2027 erhobenen Daten die angestrebten Effizienzwerte bestätigen, könnte das Modell künftig als skalierbare Lösung für weitere Wohnanlagen dienen. Für das Baugewerbe entstehen daraus neue Perspektiven bei der Umsetzung energieeffizienter Quartiere und nachhaltiger Wohnkonzepte.
Die Ergebnisse des Projekts dürften deshalb nicht nur für Planer und Generalunternehmer relevant sein, sondern auch für Investoren, Wohnungsbaugesellschaften und kommunale Entscheider, die nach wirtschaftlich tragfähigen Lösungen für klimafreundlichen Wohnungsbau suchen.













