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Artikel und Hintergründe zum Thema

Gebäudehülle

Jessica Stütz,

20. Deutscher Fassadentag des FVHF rückt Gebäudehülle der Zukunft in den Fokus

20. Deutscher Fassadentag am ILEK Stuttgart – unter dem Dach von Frei Otto diskutierten Experten über die Zukunft der Gebäudehülle. Das Leichtbau-Gebäude, ein Vorläufer des Expo-Pavillons von 1967 in Montreal, gilt als Meilenstein der Architekturgeschichte. © FVHF/Dennis Neuschaefer-Rube

Unter dem Motto „VHF – Wegbereiter der Klimawende“ lud der Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden e.V. (FVHF) am 25. September 2025 zum 20. Deutschen Fassadentag in das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart ein. Der Veranstaltungsort hätte passender nicht sein können: Der ikonische Pavillon von Frei Otto steht exemplarisch für gestalterische Innovation und materialbewusstes Bauen – und bildete den idealen Rahmen, um den Blick in die Zukunft zu richten. Über 140 Gäste aus Architektur, Forschung und Industrie kamen zusammen, um zukunftsweisende Technologien weiterzudenken und die Rolle der Gebäudehülle in der Klimawende neu zu definieren.

Geschäftsführer Wolfgang Häußler eröffnete die Jubiläumsveranstaltung mit einem Appell an die Verantwortung der Baubranche für die Klimawende. Die vorgehängt hinterlüftete Fassade (VHF) vereine Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Gestaltungsfreiheit und Kreislaufwirtschaft – und sei damit weit mehr als ein konstruktives Fassadensystem. Mit dem 20. Deutschen Fassadentag wolle der Verband ein Zeichen für Innovation, Wissenstransfer und eine zukunftsfähige Baukultur setzen.

Bauen weiterdenken – vom Labor in die Praxis

Im Anschluss an die Eröffnung knüpfte Prof. Dr.-Ing. Lucio Blandini, Leiter des ILEK, an den Appell zur gemeinsamen Verantwortung für den Bauwandel an – und rief zur engeren Verzahnung von Forschung, Planung und Industrie auf: Innovationen müssten schneller in reale Anwendungen überführt werden. „Es reicht nicht mehr, Innovationen für Fachpublikationen zu entwickeln – wir müssen sie gemeinsam mit Partnern umsetzen, testen und weiterentwickeln. Die Herausforderungen der Gegenwart brauchen Antworten, die in der Praxis bestehen können“, so Blandini.

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Anhand des adaptiven Demonstratorhochhauses D1244 – einem modularen Forschungsturm mit rückbaubaren Fassaden-Mock-ups – zeigte er, wie sich Hüllen als Testfelder nutzen lassen. Die Systeme reichen von faserbasierten Leichtbaufassaden über kinetische Sonnenlenksysteme bis hin zu Doppelfassaden. Bereits am Vormittag hatten die Gäste das Gebäude bei einer exklusiven Führung besichtigt.

Textile Hülle für Klimaresilienz

Im Anschluss stellte Prof.‘in Dr.-Ing. Christina Eisenbarth (TU Darmstadt) das Forschungsprojekt HydroSKIN vor, das im Rahmen ihrer Promotion am ILEK entwickelt wurde. In ihrer Präsentation zeigte sie eindrucksvoll, wie textilbasierte Fassadensysteme zur urbanen Klimaanpassung beitragen könnten. Die mehrlagige Leichtstruktur nimmt Regenwasser direkt an der Fassade auf, filtert es und führt es – je nach Bedarf – der Gebäudeversorgung oder der natürlichen Verdunstungskühlung zu. Neben der Reduktion von Trinkwasserverbrauch und Energiebedarf bietet das System auch in heißen Städten einen potenziell wirksamen Schutz vor Überhitzung. Besonders im Gebäudebestand könne HydroSKIN durch sein geringes Flächengewicht und die modulare Bauweise neue Lösungswege eröffnen.

Vertikale Begrünung mit System

Felix Mollenhauer (Bundesverband GebäudeGrün e.V.) stellte die breite Wirkungspalette der Fassadenbegrünung vor – von Temperaturregulierung und Luftreinigung über Schallschutz bis hin zur Förderung von Biodiversität im Stadtraum. VHF böten dafür ideale Voraussetzungen, etwa durch modulare Nachrüstung und konstruktiven Schutz. „Fassadenbegrünung ist kein Allheilmittel – aber ein wirkungsvoller Baustein zur klimaresilienten Stadt“, fasste Mollenhauer zusammen. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden bieten dabei gleich mehrere Vorteile: Sie ermöglichen eine klare Trennung von Tragschicht und Bekleidung, erlauben einfache Nachrüstungen und schützen die Baukonstruktion – ideale Voraussetzungen für eine reversible Begrünung. Gemeinsam mit dem FVHF und dem VFF wurde dazu ein Merkblatt entwickelt, das technische und gestalterische Möglichkeiten aufzeigt.

Energie an der Fassade sichtbar machen

Fabian Flade (Allianz Bauwerkintegrierte Photovoltaik e. V.) zeigte internationale Best-Practice-Beispiele für solare Fassaden © FVHF/Dennis Neuschaefer-Rube

Fabian Flade (Allianz Bauwerkintegrierte Photovoltaik e. V.), plädierte für eine stärkere Nutzung von Fassaden zur Stromgewinnung – insbesondere im urbanen Raum. Anhand preisgekrönter Beispiele aus dem In- und Ausland zeigte er, dass Energiegewinnung und Architektur keine Gegensätze sein müssen. „Photovoltaik muss raus aus der Nische – sie gehört dorthin, wo Fläche ist: an die Gebäudehülle. Je früher wir anfangen, einfache wie anspruchsvolle Lösungen zu realisieren, desto größer unser Beitrag zur Energiewende“, so Flade.

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