Organisation

Susanne Frank,

8 Tipps für die erfolgreiche Azubisuche

Nur zu gut weiß jeder Bauunternehmer, dass geeignete Azubis schwer zu finden sind. Dies sieht man auch beim Bauunternehmen Heim aus Tuttlingen. Dort hat man eine 8-Punkte-Checkliste erstellt, die sich erfolgreich bei der Suche nach Nachwuchskräften bewährt hat. 

Hatten vor einigen Jahren die großen, namhaften Unternehmen mit einer kaum zu bewältigenden Flut an Bewerbungen zu kämpfen, hat sich das Blatt mittlerweile deutlich gewendet. Dies hängt sehr stark mit der kontinuierlich sinkenden Zahl der Schulabgänger zusammen.

Für die kleinen oder mittelgroßen Bauhandwerksbetriebe sieht die Situation noch dramatischer aus, denn die Zahl der Hauptschulabgänger sinkt deutlicher als die der Realschul- und Gymnasiumsabsolventen. Die Quote der Hauptschulabschlüsse ging in Deutschland im Zehnjahresvergleich 2002 und 2012 um 7,4 % zurück. Und Fakt ist: Leider sind für Schulabgänger von mittleren und höheren Schulen die Berufe im Handwerk und in Kleinbetrieben oft recht unattraktiv.

Aus den genannten Gründen haben wir uns beim Familienunternehmen Heim ein wenig inspirieren lassen und einen 8-Punkte-Plan zusammengetragen, der sich schon in der Praxis bewährt hat.

Es gibt sicher auch im Jahr 2015 noch Stellen, für die eine Zeitungsanzeige das richtige Mittel ist. Die Gewinnung von Nachwuchskräften gehört aber nicht dazu.

Denn die heutige Generation von Schulabgängern beherrscht Internet, Smartphone und Tablet-PC und ist somit online zu erreichen. Eine Zeitungsanzeige wird vermutlich kein 15-Jähriger lesen.

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15- bis 19-Jährige, das werden wohl weit mehr als 90 % der Einsteiger in eine gewerbliche Ausbildung ausmachen, stehen nicht wirklich auf Fachchinesisch und Geschwafel.

Verzichten Sie in der Ansprache von Jugendlichen bewusst auf Floskeln und verschönernde Attribute, warum gerade Ihr Unternehmen attraktiv ist. Sprechen Sie eine klare, verständliche Sprache mit kurzen, knackigen Hauptsätzen. Und gern können Sie die „Du“-Form verwenden, denn das ist allemal persönlicher.

Es reicht einfach nicht mehr aus, nur einen Ausbildungsplatz anzubieten. Bei der Fokussierung auf den Kunden hat sich der Begriff „Zusatznutzen“ längst etabliert. Warum sollten Sie als Ausbildungsbetrieb nicht auch für den Nachwuchs einen Zusatznutzen anbieten?

Wie kann nun dieser Zusatznutzen aussehen? Kümmern Sie sich beispielsweise um Ihren Nachwuchs, indem Sie in Ihrem Betrieb Nachhilfeunterricht anbieten. Coachen Sie Ihre Auszubildenden. Oder richten Sie einen Fahrdienst ein. Ganz gleich wie – und hierbei sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt – verbessern Sie Ihr Ausbildungsangebot. Schließlich wird ein attraktives Ausbildungsangebot gern und öfter weiterempfohlen.

Klar, Ihr Unternehmen ist überdurchschnittlich. Aber wenn man so die Anzeigen, Stellenausschreibungen und Unternehmensbroschüren durchliest, sind das irgendwie alle Unternehmen. Glauben Sie, dass Ihnen das der Empfänger der Botschaft abnimmt?

Verzichten Sie also auf relative Angaben wie „überdurchschnittliche Ausbildungsvergütung“, trauen Sie sich lieber, konkrete Zahlen zu benennen. Für Menschen, die bislang höchstens Taschengeld und ein paar Euro nebenher verdient haben, klingen z. B. 1.200 Euro im Monat doch viel ansprechender als „überdurchschnittliche Bezahlung“.

Auch solche Standardsätze wie „motiviertes Team“ und dergleichen mehr werden sicher keine Massen von Bewerbern anlocken. Nennen Sie sich lieber unterdurchschnittlich, das bringt Ihnen mehr Bewerber und Interessenten ein!

Ein zentraler Punkt, um für junge Menschen – die Sie ja als Nachwuchskräfte ansprechen wollen – zu erreichen, ist, dass Sie sich mit dieser Generation beschäftigen.

Lassen Sie sich darauf ein. Denken Sie nicht: „Früher hätte man sich nicht so verhalten“ oder so ähnlich. Natürlich haben Sie Recht. Früher galten andere Maßstäbe und Wertvorstellungen. Aber die Zeiten ändern sich. Verhaltensweisen und -muster ändern sich. Das war schon immer so und wird auch so bleiben.

Bringen Sie der jungen Generation Wertschätzung entgegen. Zum einen weil sie es verdient. Und zum anderen weil sie es Ihnen danken wird. Denjenigen, die sich am besten darauf einstellen und den Betrieb dafür öffnen, winkt eine goldene Zukunft. Denn auch die „Generation iPhone“ steht auf Wertschätzung.

Kooperieren, nicht kopieren. Und zwar mit anderen Betrieben aus ähnlichen Gewerken und Branchen. Tauschen Sie die Auszubildenden mit Kollegen. Oder bilden Sie gemeinschaftlich aus.

Das erhöht die Motivation und die Identifikation mit dem Betrieb. Denn Sie vermitteln dadurch, dass es Ihnen um die Ausbildung eines jungen Menschen geht und nicht um eine billige Arbeitskraft für die Handlangertätigkeiten.

Ganz wichtig für eine gute Ausbildung und gute Auszubildende ist auch ein guter Draht zu den Berufsschulen und Ausbildungszentren. Wenn die dortigen Ansprechpartner überzeugt sind von Ihrem Betrieb und von Ihrer Eignung als Ausbilder, werden sie Sie auch empfehlen.

Und die Schulen und Ausbildungszentren werden immer öfter gefragt nach Ausbildungsplätzen, unser Bauverband beispielsweise kommt mit seinem BauBus (www.bau-dein-ding.de/angebote/­angebote_fuer_schulen/baubus) an viele Schulen und auf fast alle Jobmessen. Da bietet es sich geradezu an, sich dort mit einzuklinken und den Verband oder die jeweilige Schule als Multiplikator einzusetzen.

Wenn Sie nicht wissen, was nun junge Menschen anspricht und was nicht – fragen Sie sie einfach. Sprechen Sie mit Ihrer Zielgruppe – das war schon immer der einfachste und direkteste Weg. Nehmen Sie Ihre Auszubildenden mit ins Boot, oder auch Ihre Kinder.

Verjüngen Sie Ihre komplette Kommunikation, verwenden Sie eine jugendliche Sprache. Kommunizieren Sie auf den Kanälen, auf denen junge Menschen verstärkt unterwegs sind. Klar, es sollte zum Unternehmen passen und authentisch sein. Verbiegen ist keine Option.

Aber probieren Sie es einfach mal mit jugendlich-frischen Gestaltungen, mit ein wenig Jugendsprache, mit einer Facebook-Seite oder einem Instagram-Account.

Machen Sie sich attraktiv für die junge Zielgruppe. Wie heißt es so treffend: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

Es kann und muss noch einiges getan werden, um den heutigen und zukünftigen Schulabgängern den Eintritt in das Arbeitsleben am Bau schmackhaft zu machen. Trauen Sie sich, verlassen Sie ausgetretene Pfade und ziehen Sie dadurch potenzielle Azubis magisch an.

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