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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe-Magazin Online-Exklusiv

Ingrid Wutz,

S&B Strategy: Die Bauplanung der Zukunft

Baugewerbe (BGW):Vor welchen Herausforderungen stehen Planende im Bau genau und wie gehen sie damit um?

Fabio Meggle Senior Associate von S&B Strategy © S&B Strategy

Ähnlich wie die Bauausführung, sieht sich auch die vorgelagerte Planungsbranche massiven Herausforderungen ausgesetzt. Drei Kernthemen sind dabei die Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie zunehmender Konsolidierungsdruck. Die Digitalisierung umfasst sowohl interne Prozesse als auch die Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern. Nachhaltigkeit bedeutet vor allem das Nutzen neuer Technologien und Materialien zur Erfüllung der steigenden Anforderungen an Klimaneutralität. Konsolidierungsdruck, also den Trend zu weniger, größeren Marktteilnehmern, ergibt sich aus der zunehmenden Komplexität der Projekte, z.B. aufgrund neuer Regularien und steigender Projektgrößen. Um all diesen Herausforderungen zu begegnen und um langfristig am Markt teilnehmen zu können, müssen sich Planungsbüros professionalisieren.

BGW: Die Baubranche befindet sich aktuell in einer tiefen Krise. Welche Auswirkungen hat das auf die Planungsbüros?

Tatsächlich erleben wir derzeit einen deutlichen Dämpfer in vielen Segmenten der Bauindustrie und als wesentlicher Teil der Wertschöpfungskette sind auch Planungsbüros von diesen Entwicklungen nicht ausgenommen. Aus unserer Sicht lohnt sich jedoch ein differenzierter Blick, denn es gibt nach wie vor einige Segment, die sowohl volumen- als auch preisseitig eine stabile oder wachsende Entwicklung zeigen. Während wir im Wohnungsbau, vor allem im Ein- und Zweifamilienhausbau, einen deutlichen Rückgang erleben, der politisch auch forciert wird, sieht die Lage im komplexeren Mehrgeschossbau, im Nichtwohnbau oder beispielweise auch im Tief- und Infrastrukturbau deutlich positiver aus. Grundsätzlich ist die Stimmung in der Branche zwar gedämpft, jedoch bei weitem nicht so negativ, wir es in den Medien oft postuliert wird. Übergeordnete Treiber, wie beispielsweise die energetische Gebäudesanierung, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen oder massive Investitionsrückstaus für marode Infrastruktur sorgen mittel- bis langfristig für eine steigende Nachfrage. In Verbindung mit den angebotsseitigen Unterkapazitäten (vor allem getrieben durch Personalknappheit) führt das zu einer weiterhin positiven Projektlage in vielen Segmenten. Dies spiegelt sich auch in unserem vierteljährlichen Panel mit Planungsbüros wider, bei dem ca. die Hälfte der Befragten immer noch über einen Auftragsbestand von >6 Monaten verfügt

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BGW: Welche Schritte empfehlen Sie den Planungsbüros, um der Krise zu begegnen?

Je nach Auftrags- und Ertragslage, sollten sich Planungsbüros kurzfristig darauf konzentrieren, ihre Auslastung auch bei ggf. unvorteilhafteren Preisniveaus hochzuhalten, um sicher durch diese temporäre Flaute zu manövrieren. Dabei hat das Halten der Mitarbeiter oberste Priorität, da gute Planer ein rares Gut sind und ein Abwandern zur Konkurrenz um jeden Preis vermieden werden sollte. Mittel- bis langfristig müssen die Unternehmen daran arbeiten, sich weiter zu professionalisieren und sich auf die wirklich attraktiven Projekte in ihrem Segment zu fokussieren. Unserer Erfahrung nach wird gerade bei kleineren Unternehmen in diesem Zusammenhang viel Umsatz- und Margenpotential liegen gelassen. Das Szenario ist aber klar: Es wird eine weitere Differenzierung in Spezialisten und große Büros geben. Die kleineren Büros, welche sich weniger durch Spezialisierung des Leistungsangebotes positionieren können, werden einem erhöhten Preis- und Professionalisierungsdruck ausgesetzt sein.

BGW: Wie kann der Fachkräftemangel der Branche gelöst werden?

Diese Frage würde ich gern in zwei Teilen beantworten. Zunächst die Frage, wie das Fachkräfteangebot erhöht werden kann. Um dies zu erreichen, gilt es, den Beruf des Planers attraktiver zu gestalten. Hierbei spielt z.B. das Thema „New Work" eine große Rolle, was vor allem für die jüngere Generation einen hohen Stellenwert hat. Auch das Thema Nachhaltigkeit treibt heutige Studienanfänger um, weshalb der Hebel, der im Bau und damit auch in der Bauplanung liegt, stärker vermarktet werden sollte. Wer wirklich einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten will, ist in der Bauindustrie genau richtig. Die zweite Frage ist in meinen Augen, was Unternehmen tun können, um an möglichst viele der Fachkräfte im Markt heranzukommen, um organisches Wachstum zu realisieren. Dabei ist es entscheidend, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und ein modernes Arbeitsklima zu schaffen. Um die besten Nachwuchskräfte zu gewinnen und frühzeitig Talente an sich zu binden, ist zudem ein enger Kontakt zu Hochschulen empfehlenswert. Übrigens: Auch das Thema der Unternehmensnachfolge ist ein großes Problem der Branche. In unseren Augen macht es Sinn, sich als Eigentümer frühzeitig mit der Frage zu befassen, ob die Nachfolge intern geregelt werden kann und, falls diese Frage mit Nein zu beantworten ist, einen Berater ins Haus zu holen, der dabei hilft, einen geeigneten Nachfolger zu finden und das Lebenswerk nachhaltig zu sichern. Ist diese Nachfolge bei Betrieben nicht gelöst, kann dies für die Wettbewerber auch eine Quelle für neues Personal sein.

BGW: Welche Schritte empfehlen Sie der Politik, um die Baukrise zu beenden?

Entgegen der zunehmend planwirtschaftlichen Tendenzen der Bundesregierung sollte sich die Politik eher als Rahmensetzer verstehen. Es bedarf verlässlicher Regulatorik und Rahmenbedingungen, um Handlungsspielraum zu schaffen und Vertrauen in langfristige Investitionen zu ermöglichen. Ein abrupter Stopp der KfW-Förderanträge, wie wir ihn letztes Jahr erlebt haben und derzeit erneut im Rahmen der Haushaltssperre sehen, ist natürlich nicht gerade förderlich. Daher ist ein klares und vor allem langfristig ausgerichtetes, verbindliches Förderregime unabdingbar, was vor allem bei den stark von Subventionen abhängigen Segmenten, wie z.B. dem Wohnungsbau, eine große Rolle spielt. Diese Klarheit, gepaart mit dem von uns im nächsten Jahr erwarteten sinkenden Zinsniveau wird aus unserer Perspektive spätestens 2025 zu einem erneuten Aufschwung der Branche führen.

BGW: Die Planungsbranche ist laut Studie noch stark fragmentiert. Es gibt aber einen Trend zu mehr Kooperation. Wie sieht also das Planungsbüro der Zukunft aus?

Der bereits angesprochene Trend steigender Komplexität innerhalb der Bauprojekte und deren Planung führt zu einer zunehmenden Konsolidierung unter Planungsbüros. Dabei kommt es aus unserer Bewertung heraus vor allem zu drei Bewegungen in der Anbieterlandschaft: Kleinere Büros werden zunehmend aus dem Markt ausscheiden oder zu Übernahmekandidaten werden, weil sie die steigende Komplexität ressourcenseitig häufig nicht mehr abbilden können. Mittelgroße Büros werden sich zunehmend auf ihre Kernkompetenzen und ihr Fachgebiet spezialisieren, weiter professionalisieren und versuchen, an Größe zu gewinnen. Große Büros werden sich dagegen eher ganzheitlich und integriert aufstellen und versuchen, über anorganisches Wachstum an Marktanteilen zu gewinnen. In Zukunft wird der Markt also primär von sehr großen Büros und spezialisierten Büros, die sich auf ein Segment und innerhalb des Segmentes ggf. auf bestimmte Dienstleistungen oder HOAI-Leistungsphasen spezialisiert haben, dominiert.

BGW: Ist die Planungsbranche für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet? An welchen Stellen herrscht dringender Handlungsbedarf?

-Von den eingangs genannten drei großen Herausforderungen stellt die Digitalisierung die wohl größte Hürde, aber gleichzeitig auch die größte Chance dar. Neben der bekannten Konkurrenz bekommen Planungsbüros nämlich zunehmend Wettbewerbsdruck durch Technologieunternehmen und Start-ups. Trends, wie z.B. Software, die es ermöglicht, bestimmte Leistungen, wie bspw. die Vorplanung, zu automatisieren, die Vorkonfektionierung und damit das Modelling für Händler, Hersteller oder Installateure zu integrieren oder digitalisierte Baustellenüberwachung mittels Sensoren, Drohnen und Kameras zu gewährleisten, sind auf dem Vormarsch und werden von KI zusätzlich beschleunigt. Daher ist es unerlässlich, sich mit diesen Themen zu beschäftigen und Aspekte, wie z.B. BIM, Robotermontage oder 3D-Druck näher zu durchdringen. Was den Handlungsbedarf angeht, sehen wir, dass die Planungsbranche auch für Finanzinvestoren immer interessanter wird und sich zahlreiche Private-Equity-Häuser mit Assets in diesem Markt beschäftigen. Daher ist perspektivisch auch mit dem zunehmenden Aufbau von Plattformen zu rechnen, welche die Branchenentwicklung mit neuen Ideen und vor allem reichlich Kapital weiter vorantreiben.

BGW: Die Digitalisierung ist in aller Munde. Arbeiten die Planungsbüros schon digital genug; an welchen Stellen herrscht Nachholbedarf?

Grundsätzlich ist die Bauindustrie eine der am wenigsten digitalisierten Branchen in Deutschland. Zwar ist man in der Planung schon etwas weiter als in der Ausführung, aber auch hier gibt es enormen Nachholbedarf. Der Modus Operandi der meisten Planungsbüros ist nach wie vor weitestgehend analog geprägt. Das war in der Vergangenheit auch meist kein Problem, wird sich allerdings in Zukunft aufgrund der bevorstehenden Umbrüche der Bauindustrie ändern. Büros müssen ihre Positionierung in der Branche neu denken, um nicht verdrängt zu werden. Besonders BIM wird in Zukunft einen zentralen Prozess- und Datenpool darstellen, weshalb die entsprechenden Kompetenzen hier aufgebaut werden müssen. Nichtsdestotrotz sehen wir trotz des hohen Handlungsbedarfes einige positive Bewegungen, die die Digitalisierung treiben. Als Beispiele lassen sich hier der Generationenwechsel in der Führungsebene, zunehmende Vorgaben im digitalen Bereich sowie eine wachsende Anzahl an Softwareanbietern, und damit verbunden wachsendes Bewusstsein für entsprechende Lösungen bei den Planungsbüros, nennen.

Die Herausforderungen der Bauindustrie: Eine Analyse der aktuellen Baukrise
Die Bauindustrie sieht sich gegenwärtig mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die als "Baukrise" bezeichnet werden müssen. Diese Krise hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der Baubranche, angefangen bei der Materialbeschaffung bis hin zur Fertigstellung von Bauprojekten.

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