Baukrise 2024
Prognose: Starker Einbruch im Wohnungsbau
Das Münchner Ifo-Institut rechnet damit, dass sich die Talfahrt der Branche fortsetzt. Für das Jahr 2026 prognostizieren die Experten nur noch 175.000 neu gebaute Wohnungen. Das wären über 40 Prozent weniger als die knapp 300.000 Wohnungen im Jahr 2022.
"Die Prognose ist mit Unsicherheiten behaftet, aber es ist ziemlich klar, dass wir spätestens 2026 unter die 200.000er Marke rutschen werden", erwartet Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. Das von der Berliner Koalition bei ihrem Amtsantritt 2021 ausgegebene Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr scheint damit in immer weitere Ferne zu rücken. Der Ifo-Experte rechnet in den kommenden zwei Jahren ebenso wenig mit einer grundlegenden Besserung wie die Bau- und Wohnungswirtschaft. "Insgesamt habe ich wenig Hoffnung auf die große Trendwende."
Bauen dürfte noch teurer werden
"Wie in anderen europäischen Ländern spürt der Wohnungsneubau derzeit die negativen Folgen der hohen Inflation und des Zinsanstiegs", sagte Dorffmeister. "In Deutschland sind zudem die Baukosten völlig aus dem Ruder gelaufen und verhindern eine Erholung des Marktes. Längerfristig können die Zinsen nicht als Ausrede für die schwache Bautätigkeit herhalten, da sie sich wieder auf einem normalen Niveau befinden.
In den kommenden Jahren dürfte das Bauen nach Einschätzung von Dorffmeister wieder teurer werden: "Der Baukostenindex des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass die zuvor stark gestiegenen Materialkosten nicht sinken, sondern sich eher stabilisieren, während die Arbeitskosten in großen Schritten nachziehen." Der Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe werde in den kommenden Jahren zu weiteren Kostensteigerungen führen.
Bundesregierung will gegensteuern
Die Ampel-Regierung hat sich vorgenommen, Bauen auch bei hohen Materialkosten bezahlbar zu machen. Die Idee: einfacher bauen. Also weniger Steckdosen im Wohnzimmer, keine Balkone, dünnere Decken. Justizminister Marco Buschmann (FDP) hat jetzt einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem die Vorschriften entschlackt werden sollen. Damit soll es leichter werden, bei Neubauten auf Komfortstandards zu verzichten, die für die Sicherheit des Gebäudes nicht relevant sind.
Bislang hatten Architekten über Rechtsunsicherheit geklagt, wenn sie innovative Bauweisen und Baustoffe einsetzen wollten. Im Justizministerium geht man davon aus, dass durch einfacheres Bauen bis zu 10 Prozent der Baukosten eingespart werden können.
Bauanträge brechen ein
Entscheidend für die Prognose der Neubauzahlen ist der Einbruch bei den Bauanträgen und Wohnungsbaugenehmigungen. So wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Mai nur noch 17.800 Bauanträge genehmigt, fast 44 Prozent weniger als im Mai 2022. Die Baukosten sind mittlerweile so hoch, dass viele Wohnungsbaugenossenschaften und kommunale Unternehmen neue Projekte auf Eis gelegt haben. Der Hauptgrund: Damit sich die Gebäude in der üblichen Zeit von 25 bis 30 Jahren amortisieren, müssten die Unternehmen auch jenseits der Ballungsräume sehr hohe Mieten verlangen, die in kleineren Städten kaum jemand bezahlen könnte.
Lösung Umzug aufs Land?
Bauministerin Klara Geywitz (SPD) sieht eine mögliche Lösung der Wohnungsnot im ländlichen Raum. Umzüge aus den Großstädten ins Umland und in kleinere Städte könnten helfen, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Insgesamt stünden in Deutschland knapp zwei Millionen Wohnungen leer - allerdings nicht in den Großstädten und Metropolregionen, wo viele Menschen wohnen wollen. Aber auch in Klein- und Mittelstädten gebe es Kitas, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte.
Geywitz will bis Ende des Jahres eine Strategie gegen den Leerstand vorlegen, die auch neue Möglichkeiten durch Homeoffice und Digitalisierung einbezieht. In der Ampelkoalition sieht man diese Ideen allerdings bereits kritisch. "Die Empfehlung von Frau Geywitz, die Menschen sollten einfach aus den Großstädten wegziehen, grenzt an Hohn", sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai der Funke Mediengruppe. Viele müssten wegen Arbeit, Ausbildung oder Familie in der Stadt leben. Um das Problem an der Wurzel zu packen, müssten bürokratische Hürden radikal abgebaut werden.
"Trauerspiel" im Wohnungsbau
Der Wohnungswirtschaftsverband GdW beklagte kürzlich ein "Trauerspiel ohne Ende" im Wohnungsbau. "Von politischer Seite passiert viel zu wenig, um dem entgegenzuwirken", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Der Verband vertritt vor allem die Interessen von Wohnungsgenossenschaften und kommunalen Unternehmen, die ihre Wohnungen meist günstiger vermieten als private Gesellschaften. Laut einer aktuellen GdW-Umfrage unter diesen Mitgliedsunternehmen wollen oder können zwei Drittel in diesem Jahr keine neuen Wohnungen bauen.
Auch der DGB forderte mehr öffentliche Investitionen in bezahlbaren Wohnraum. Der Markt allein regele das Problem offensichtlich nicht.
Problematisch für Mieter
Die voraussichtliche Entwicklung der Mieten ist nicht Teil der Ifo-Prognose, aber die Zahlen verheißen für Wohnungssuchende nichts Erfreuliches. In Großstädten wie München ist schon seit längerem das merkwürdige Phänomen zu beobachten, dass die Kaufpreise für Immobilien sinken, die Mieten wegen der Wohnungsknappheit aber weiter steigen.
Auch das arbeitgebernahe Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln sieht einen deutlich höheren Bedarf an Wohnungen als absehbar gebaut werden. Bis 2025 schätzt das Institut den jährlichen Neubaubedarf auf 372.000 Wohnungen, in den Folgejahren bis 2030 auf 302.000 pro Jahr. Wer als Mieter in den nächsten Jahren in den Ballungsräumen umziehen will oder muss, muss sich auf eine anstrengende Suche und hohe Kosten einstellen.
Verbände fordern mehr
Mit Blick auf den Bau der Batteriefabrik durch das schwedische Unternehmen Northvolt fordern die Verbände der Wohnungswirtschaft, die Region Dithmarschen beim Bau bezahlbarer Wohnungen nicht allein zu lassen. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) betonen, dass der Bund die Kommunen vor Ort pragmatisch und finanziell unterstützen muss.
"Die größte Industrieansiedlung der letzten 50 Jahre in Norddeutschland wird erhebliche wohnungswirtschaftliche Folgen haben, und wir haben bisher nicht den Eindruck, dass die politisch Verantwortlichen in Kiel, Berlin oder Brüssel die Dimension der Herausforderung verstanden haben", erklärten Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes GdW, und Andreas Breitner, Direktor des VNW.
Herausforderung Wohnungsbau bleibt
Eine Fabrik in zwei Jahren hochzuziehen, sei möglich, betonte Breitner weiter. Anders sehe es bei Wohnungen aus: "Um sie schlüsselfertig übergeben zu können, braucht man zwei, eher drei Jahre Vorlauf. Wenn der erste Spatenstich für Wohngebäude erst zur Fabrikeröffnung erfolgt, ist das zu spät", so der VNW-Direktor.
Verbandschef: Nur Neubau hilft
Breitner zeigte sich besorgt, dass vor allem Menschen mit mittlerem und niedrigem Einkommen künftig keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden und stattdessen von gut verdienenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus der Batteriefabrik verdrängt werden. "Hier hilft nur ausreichender Neubau", sagte er. Trotz knapper Kassen müsse das Land kurzfristig ein Sonderförderprogramm für den Bau bezahlbarer Wohnungen im Kreis Dithmarschen auflegen.
Großprojekt Northvolt
Das Unternehmen Northvolt will in Heide künftig Batteriezellen für bis zu einer Million Elektroautos pro Jahr bauen. Den Startschuss für den Bau des 4,5-Milliarden-Euro-Projekts gaben Ende März unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). In der Fabrik sollen 3000 Arbeitsplätze entstehen. Bund und Land fördern die Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Bürgschaften über weitere 202 Millionen Euro, die noch bewilligt werden müssen.
Absatz von Wärmepumpen bricht ein - Wärmewende in Gefahr?
Der Absatz von Wärmepumpen in Deutschland ist stark rückläufig und gefährdet damit die Ziele der Bundesregierung zur Wärmewende. Trotz des neuen Wärmegesetzes, das seit Anfang des Jahres in Kraft ist, reiche das Modernisierungstempo nicht aus, um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen, so der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).
Gesamtmarkt für Wärmepumpen rückläufig
Der Gesamtmarkt verzeichnete im ersten Halbjahr einen deutlichen Rückgang. Nach Angaben des BDH wurden 43 Prozent weniger Wärmeerzeuger verkauft als im Vorjahreszeitraum. 2023 war mit 356.000 verkauften Geräten ein Rekordjahr für Wärmepumpen, getrieben von steigenden Gaspreisen nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Im ersten Halbjahr 2024 ging der Absatz von Wärmepumpen um 54 Prozent auf 90.000 Geräte zurück. Bis Ende des Jahres wird mit maximal 200.000 verkauften Wärmepumpen gerechnet, während die Bundesregierung ab 2024 jährlich 500.000 installierte Wärmepumpen als Ziel formuliert hat.
Unklare Planung auf kommunaler Ebene
Laut BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt herrscht bei den Bürgern Unsicherheit über die kommunale Wärmeplanung, was zu Zurückhaltung bei der Heizungsmodernisierung führe. Das neue Wärmegesetz sieht vor, dass ab 2024 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Allerdings gilt diese Regelung zunächst nur für Neubauten in Neubaugebieten. Für den Gebäudebestand wird die kommunale Wärmeplanung ab Mitte 2026 in Großstädten und ab Mitte 2028 in anderen Kommunen relevant.
Hoffnung auf staatliche Förderung
Positive Impulse erhofft sich der BDH von der Ausweitung der staatlichen Förderung. Laut KfW können ab Ende August 2024 auch Eigentümer von vermieteten Einfamilienhäusern und Wohnungseigentümergemeinschaften staatliche Zuschüsse für die Umstellung auf eine klimafreundlichere Heizung beantragen. Gefördert werden maximal 70 Prozent der Investitionskosten, die bei einem Einfamilienhaus bei 30.000 Euro liegen. Ein Beschleunigungsbonus und ein Einkommensbonus ergänzen die Basisförderung.
Kommunikation ist der Schlüssel
Der BDH und der Bundesverband Wärmepumpe betonen die Notwendigkeit einer intensiveren Kommunikation der Fördermöglichkeiten. "Die Menschen wollen weg von der fossilen Gasheizung, dann ist die Wärmepumpe die Technologie der Wahl", so Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe. Die positive Entwicklung der KfW-Förderung zeige, dass sich diese Anstrengungen lohnen.
Planungssicherheit erforderlich
Auch Markus Staudt forderte Planungssicherheit bei der Förderung. Für die Gebäudesanierung und den Heizungstausch stehen in diesem Jahr rund 17 Milliarden Euro aus dem Klima- und Energiefonds zur Verfügung. Eine Sprecherin von Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sagte, die Förderung werde voraussichtlich fortgesetzt, betonte aber, dies stehe unter Vorbehalt, da nach der Sommerpause die Haushaltsberatungen im Bundestag beginnen.
Die Herausforderungen der Bauindustrie: Eine Analyse der aktuellen Baukrise
Das Baugewerbe sieht sich gegenwärtig mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die als "Baukrise" bezeichnet werden müssen. Diese Krise hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der Baubranche, angefangen bei der Materialbeschaffung bis hin zur Fertigstellung von Bauprojekten. In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf die Ursachen, Auswirkungen und potenziellen Lösungsansätze für die aktuelle Baukrise.
Ein Zeichen in der Baukrise: die Aktion BauZukunft
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Alternative Antriebe für Baumaschinen: Ein Weg in die Zukunft
Alternative Antriebe von Baumaschinen sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.















