Steildach

Jessica Stütz | Jessica Stütz,

Schilfei für Ornithologen

TIJ: Das ist die Übersetzung des deutschen Wortes Tide ins Niederländische. Schnell ausgesprochen wird daraus „Ei“ – was dasselbe bedeutet wie unser deutsches Ei. Womit wiederum das neue Vogelobservatorium im Haringvliet aufs Genaueste bezeichnet ist: Ein gebautes Ei aus Holz und Reet in einer Landschaft, die von der Tide geprägt ist und deren Auswirkungen das Leben darin bestimmen.Der ovale Baukörper aus Holz und Schilf verdankt seine Entstehung dem sogenannten Dream-Fund-Projekt. Dieses hat sich nicht nur dem Ziel verschrieben, den Naturreichtum des niederländischen Binnensees Haringvliet zu erweitern. Die Verantwortlichen möchten das Ergebnis auch sichtbar und zudem allen Menschen zugänglich machen.

Vogelobservatorium 'T IJ ontwerp RO&AD architecten en RAU met houten Zollinger-constructie

Daher haben sie das aus einem Deich mit großen Schilfgebieten und einer Reihe von Inseln bestehende Naturschutzgebiet Scheelhoek nach einem Landschaftsplan von HNS Landscape Architects zu einem Observatorium umgestaltet. In mehreren Vogelbeobachtungsstellen können Besucher zum Beispiel die Flussseeschwalbe, die Große Seeschwalbe oder andere Küstenvögel beobachten. Besonders geeignet dafür ist das TIJ getaufte neue Vogelbeobachtungszentrum in Eiform, inmitten eines landschaftlich passend gestalteten Nests aus Schilf, Kastanienholzstangen und Sand. Wer es erreichen will, passiert auf dem Weg dahin zunächst verschiedene Biotope für Vögel (Schwalben, Watvögel usw.) und kann sich diesen durch einen Tunnel aus gebrauchten Spundwänden sogar unsichtbar nähern. Eine Deckschicht aus Sand lässt diese Spundwände mit der Natur verschmelzen und bietet sich den Vögeln gleichzeitig als Nahrungsreservoir an.

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Von Finnland nach Holland

Den Endpunkt der Route markiert der von der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft inspirierte Baukörper von Rau Architekten in Zusammenarbeit mit RO+AD Architekten. Es handelt sich um eine vollständig zerlegbare, eiförmige Zollinger-Konstruktion aus Holz, die parametrisch geplant und in 402 Teilen in Finnland CNC-gesteuert gefertigt wurde. Die Einzelteile wurden mit dem Schiff geliefert und vor Ort montiert. Sie bestehen aus Kiefernholz, wobei die der Flut ausgesetzten unteren Bauteile durch Acetylierung resistenter gegen Wasser und Salze gemacht wurden. Von einem hybriden Holzbetonboden aus können Vogelkundige nun die Brutinseln, den Haringvlietdam und die Umgebung sehen. Geschützt werden sie dabei von einer Hülle aus Reet.

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