Wärmedämmung

Max Kandler,

Schöck Isokorb T S im Berliner Modulbau

Der Wohnungsmarkt in Berlin steht seit Jahren unter hohem Druck. Um dringend benötigten Wohnraum wirtschaftlich und in kurzer Zeit zu schaffen, gewinnen serielle Baukonzepte und die Modulbauweise zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Neubauprojekt am Dröpkeweg 13 und 15 im Berliner Bezirk Neukölln. Das achtgeschossige Gebäude verbindet hohe Vorfertigung mit einem konsequent auf Effizienz ausgelegten Bauablauf.

Seniorenwohnen Dröpkeweg Berlin: Bautenstand September 2025. © Schöck Bauteile GmbH

Das Projekt umfasst insgesamt 147 Wohnungen, von denen 133 mit einem frei auskragenden Balkon ausgestattet wurden. Besonders bemerkenswert ist dabei die technische Lösung für den nachträglichen Balkonanschluss. Mit dem Schöck Isokorb T S kam ein tragendes Wärmedämmelement zum Einsatz, das speziell auf die Anforderungen der Modulbauweise abgestimmt wurde und den Montageprozess erheblich beschleunigte.

Hoher Vorfertigungsgrad reduziert Bauzeit auf der Baustelle

Die Bauherrin, die landeseigene berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH, setzte bei dem Projekt konsequent auf industrielle Vorfertigung. Den Auftrag für die Umsetzung erhielt die Deutsche Modulhaus Fabrik, ein Unternehmen der Lechner Group. Produziert wurden die Stahlbetonmodule im Werk des H + L Beton Baustoffwerks im fränkischen Uehlfeld.

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Das Besondere an der Bauweise: Sämtliche Raummodule wurden bereits im Werk nahezu vollständig ausgebaut. Neben Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallationen waren auch Innenausbaukomponenten bereits integriert. Durch diesen hohen Vorfertigungsgrad von mehr als 90 Prozent verlagerte sich ein Großteil der Bauleistung aus der klassischen Baustellenfertigung in industrielle Produktionsprozesse.

Auf der Baustelle in Berlin mussten die Module anschließend lediglich per Kran versetzt und miteinander verbunden werden. Gerade im urbanen Wohnungsbau zeigt die Modulbauweise damit ihre Stärken: kürzere Bauzeiten, geringere Störungen im Umfeld und eine deutlich höhere Planbarkeit.

Balkonanschluss wird zur technischen Schlüsselstelle

Mit der industriellen Vorfertigung steigen jedoch auch die Anforderungen an konstruktive Details. Eine besondere Herausforderung stellte der Anschluss der Balkone dar. Die frei auskragenden Stahlbalkone sollten nachträglich montiert werden und gleichzeitig hohe Anforderungen an Tragfähigkeit, Wärmeschutz und Montagegeschwindigkeit erfüllen.

Hinzu kam die spezielle Konstruktion der Module. Die Bodenplatten der Raummodule waren lediglich zwölf Zentimeter stark ausgeführt. Klassische Anschlusslösungen für einen Balkon benötigen in der Regel deutlich größere Bauteilstärken. Zusätzlich erschwerte die zweilagige Bewehrung innerhalb der Modulböden die konstruktive Integration.

Ein Balkon wird vom Kran an die Fassade gehoben. Die Montage konnte schnell und aufgrund der hohen Wiederholungsrate sehr zeiteffizient erfolgen. © Schöck Bauteile GmbH

An dieser Stelle zeigte sich die Flexibilität des Schöck Isokorb T S. Das tragende Wärmedämmelement wurde so angepasst, dass die Kräfte zwischen Balkonkonstruktion und Gebäudestruktur sicher übertragen werden konnten, ohne das modulare Gesamtkonzept zu beeinträchtigen.

Schöck Isokorb T S ermöglicht flexible Anpassung im Modulbau

Der Schöck Isokorb T S wurde speziell für frei auskragende Stahlkonstruktionen entwickelt und eignet sich insbesondere für nachträgliche Balkonanschlüsse. Für das Berliner Projekt entstand gemeinsam mit den Anwendungstechnikern von Schöck, dem Stahlbauer sowie den Verantwortlichen im Fertigteilwerk eine projektspezifische Lösung.

Entscheidend war dabei der modulare Aufbau des Systems. Die einzelnen Komponenten des Schöck Isokorb T S übernehmen unterschiedliche Lastabtragungen für Querkräfte und Normalkräfte. Dadurch ließ sich die Konstruktion exakt auf die Anforderungen der Modulbauweise abstimmen.

Im Projekt Dröpkeweg entstand zusätzlich eine besondere geometrische Situation durch die übereinandergestapelten Raummodule. Die Fassadenkonstruktion erforderte unterschiedliche Ebenen zwischen Boden- und Deckenplatten. Um diese Distanz konstruktiv zu überbrücken, wurde ein spezielles Adapterstück entwickelt. Dadurch konnte die gesamte verfügbare Bauteilstärke optimal genutzt werden.

Diese Anpassung ermöglichte es, die Zugkräfte kontrolliert in die obere Bodenplatte einzuleiten, während Druck- und Querkräfte über die darunterliegende Deckenplatte aufgenommen wurden. Für das Fertigteilwerk bedeutete dies lediglich geringfügige Anpassungen an der Bewehrung.

Schnelle Balkonmontage reduziert Stillstandzeiten

Die eigentliche Stärke der Lösung zeigte sich während der Montagephase auf der Baustelle in Berlin. Die Balkonkonstruktionen wurden vom Metallbauunternehmen Steffen Junker gefertigt und mit vorbereiteten Stirnplatten geliefert. Dadurch konnte der Anschluss an den Schöck Isokorb T S direkt vor Ort erfolgen.

Die Montage verlief außergewöhnlich effizient. Nach einer kurzen technischen Einweisung konnten drei Monteure insgesamt 66 Balkone innerhalb von nur zwei Tagen montieren. Gerade im seriellen Wohnungsbau sind solche Zeitvorteile von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Wiederkehrende Prozesse, standardisierte Anschlüsse und eine hohe Vorfertigung minimieren Montagezeiten und reduzieren gleichzeitig Fehlerquellen.

Ein weiterer Vorteil zeigte sich in der Lieferung der Verbindungselemente als Einzelkomponenten. Dadurch konnten unvermeidbare Rohbautoleranzen direkt auf der Baustelle ausgeglichen werden, ohne den Montageablauf zu verzögern.

Modulbauweise entwickelt sich zur Antwort auf urbane Wohnraumknappheit

Das Berliner Projekt verdeutlicht, wie sich moderne Modulbauweise und innovative Verbindungstechnik gegenseitig ergänzen. Gerade bei innerstädtischen Nachverdichtungen gewinnt die Kombination aus serieller Fertigung, kurzen Bauzeiten und technisch optimierten Details zunehmend an Bedeutung.

Der Schöck Isokorb T S zeigt dabei, wie sich auch anspruchsvolle Balkonanschlüsse in industrielle Bauprozesse integrieren lassen. Für Bauunternehmen, Projektentwickler und Wohnungsbaugesellschaften entsteht daraus ein wichtiger Vorteil: schnellere Realisierung, hohe Ausführungsqualität und wirtschaftlich optimierte Abläufe.

Mit Projekten wie dem Dröpkeweg in Berlin wird deutlich, dass die Modulbauweise längst über temporäre oder einfache Baukonzepte hinausgeht. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Wohnungsbaustrategien — insbesondere dort, wo Zeit, Effizienz und präzise Planung entscheidende Faktoren sind.

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