Dachbegrünung

Max Kandler,

Deutschlands größte Dachgärtnerei entsteht im Gewerbehöfequartier GoWest in Berlin

Mit dem Gewerbehöfequartier GoWest entsteht auf dem ehemaligen Reemtsma-Areal in Berlin-Schmargendorf eines der derzeit anspruchsvollsten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands. Während vielerorts Gewerbequartiere vor allem auf Büro- und Logistikflächen setzen, verfolgt GoWest einen ganzheitlichen Ansatz. Im Mittelpunkt stehen klimaresiliente Bauweisen, urbane Produktion und eine nachhaltige Infrastruktur, deren sichtbarstes Element die künftig rund 15.000 Quadratmeter große Dachgärtnerei bildet – nach derzeitiger Planung die größte ihrer Art in Deutschland.

Die Baufelder 6 und 7 des GoWest sind an der Forckenbeckstraße gelegen. Direkt dahinter, rechts im Bild, ist das Baufeld 11 zu sehen – dort wurde bereits 2025 ein Rechenzentrum fertiggestellt. © Jackon Insulation by BEWI

Die Dachflächen werden dabei nicht nur begrünt, sondern als produktiver Bestandteil des Quartiers verstanden. Damit dieses Konzept dauerhaft funktioniert, setzt das Projekt auf einen leistungsfähigen Umkehrdachaufbau mit Jackodur® KF 300 Standard Dämmplatten von Jackon Insulation by BEWI. Die Konstruktion verbindet hohe Druckfestigkeit mit dauerhaftem Feuchteschutz und schafft die technischen Voraussetzungen für intensiv genutzte Retentionsdächer.

Moderne Gewerbehöfe als Antwort auf die Anforderungen wachsender Städte

Das Gewerbehöfequartier GoWest greift die historische Typologie der Berliner Gewerbehöfe auf und interpretiert sie für heutige Anforderungen neu. Entstehen soll kein klassischer Bürostandort, sondern ein urbanes Quartier, in dem Handwerk, Produktion, Dienstleistungen, Gastronomie, Kultur und Arbeiten dauerhaft miteinander verbunden werden.

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Auf einer Bruttogrundfläche von rund 240.000 Quadratmetern verteilen sich zwölf Baufelder mit flexibel nutzbaren Gebäudestrukturen. Die charakteristischen Klinkerfassaden knüpfen an die industrielle Geschichte des Standorts an und verleihen dem Quartier gleichzeitig eine hohe gestalterische Kontinuität. Bereits in der Planungsphase wurde das Projekt mehrfach mit DGNB-Platin-Vorzertifizierungen ausgezeichnet und gilt als Beispiel für nachhaltige Quartiersentwicklung im urbanen Raum.

Dachflächen werden zu produktiven Infrastrukturen

Während Dächer in vielen Gewerbegebieten ausschließlich technische Funktionen übernehmen, entsteht im Gewerbehöfequartier GoWest eine zusätzliche Nutzungsebene. Rund 15.000 Quadratmeter Dachfläche sollen künftig professionell landwirtschaftlich bewirtschaftet werden. Geplant sind der Anbau von Obst und Gemüse sowie die Produktion von Honig für die Nutzer des Quartiers.

Ergänzt wird dieses Konzept durch aufgeständerte Photovoltaikanlagen. Die Kombination aus intensiver Begrünung und Solarenergie bietet mehrere Vorteile gleichzeitig. Die Vegetation verbessert durch Verdunstungskühlung das Mikroklima auf den Dachflächen und kann dadurch die Betriebsbedingungen der Photovoltaikanlagen positiv beeinflussen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche ökologische Ausgleichsflächen innerhalb eines dicht bebauten Stadtquartiers.

Retentionsdächer übernehmen zentrale Aufgaben der Schwammstadt

Mit zunehmenden Starkregenereignissen steigen die Anforderungen an das Regenwassermanagement in urbanen Räumen. Gleichzeitig begrenzen viele Städte die Einleitung von Niederschlagswasser in die Kanalisation. Das Gewerbehöfequartier GoWest setzt deshalb konsequent auf das Prinzip der Schwammstadt.

Die intensiv begrünten Retentionsdächer speichern Niederschlagswasser, geben es zeitverzögert ab und unterstützen gleichzeitig die natürliche Verdunstungskühlung. Ergänzend sorgen groß dimensionierte Zisternen für zusätzliche Speicherkapazitäten. Das zurückgehaltene Wasser steht unter anderem für die Bewässerung der Dachgärtnerei zur Verfügung.

Damit erfüllen die Dachflächen mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie verbessern den Wasserrückhalt, fördern die Biodiversität, reduzieren sommerliche Wärmebelastungen, unterstützen die Energiegewinnung und schaffen Flächen für urbane Landwirtschaft.

Hohe Lasten verlangen leistungsfähige Dachkonstruktionen

Die Verlegung der Wärmedämmung auf Baufeld 7 ist hier bereits weit vorangeschritten. Die Dachflächen bilden die konstruktive Grundlage für die spätere landwirtschaftliche Nutzung. © Jackon Insulation by BEWI

Die intensive Nutzung der Dachflächen stellt außergewöhnlich hohe Anforderungen an die Tragkonstruktion. Grundlage bildet eine WU-Betondecke, auf der ein Umkehrdach ausgeführt wird. Dabei befindet sich die Wärmedämmung oberhalb der Abdichtung und schützt diese dauerhaft vor Temperaturschwankungen, mechanischen Belastungen sowie Witterungseinflüssen.

Der Dachaufbau erreicht eine Gesamthöhe von rund einem Meter. Davon entfallen etwa 300 Millimeter auf die Wärmedämmung und rund 700 Millimeter auf Substrat und intensive Begrünung. Daraus ergeben sich dauerhaft hohe Druckbeanspruchungen, die eine entsprechend leistungsfähige Dämmung erfordern.

Zum Einsatz kommen Jackodur® KF 300 Standard Dämmplatten von Jackon Insulation by BEWI. Die XPS-Dämmplatten zeichnen sich durch ihre hohe Druckfestigkeit sowie ihre geringe Wasseraufnahme aus und eignen sich deshalb besonders für intensiv genutzte Umkehrdächer mit Retentions- und Begrünungssystemen.

Effiziente Verarbeitung auf einer Großbaustelle

Auch die Bauausführung stellte hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Insgesamt wurden rund 8.000 Quadratmeter XPS-Dämmung auf Hauptdächern, Staffelgeschossen sowie Sockelbereichen verlegt.

Besonders anspruchsvoll war die Integration zahlreicher Stahlstützen, Anschlüsse und Einbauteile in die Dämmebene. Die Dämmplatten konnten präzise zugeschnitten und mit Heißdrahttechnik wirtschaftlich verarbeitet werden. Gleichzeitig erwies sich das vergleichsweise geringe Eigengewicht der XPS-Platten als Vorteil für die Baustellenlogistik, da Material teilweise ohne Kraneinsatz bewegt werden musste.

Umkehrdächer unterstützen langlebige und kreislauffähige Bauweisen

Neben ihrer technischen Leistungsfähigkeit bieten Umkehrdächer Vorteile für den späteren Rückbau. Da die Dämmplatten lose oberhalb der Abdichtung verlegt werden, lassen sich die einzelnen Materialien grundsätzlich einfacher voneinander trennen als bei verklebten Dachkonstruktionen. Damit verbessert sich die Voraussetzung für eine sortenreine Erfassung der Baustoffe im Sinne einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft.

Auch die projektbegleitende technische Unterstützung spielte eine wichtige Rolle. Neben der Materiallieferung umfasste die Zusammenarbeit mit Jackon Insulation by BEWI unter anderem technische Berechnungen sowie die Abstimmung logistischer Abläufe für die großflächige Dachausführung.

Nachhaltige Quartiersentwicklung beginnt auf dem Dach

Das Gewerbehöfequartier GoWest verdeutlicht, wie sich moderne Dachflächen von rein konstruktiven Bauteilen zu multifunktionalen Infrastrukturen entwickeln. Sie übernehmen Aufgaben der Regenwasserbewirtschaftung, verbessern das Mikroklima, schaffen zusätzliche Biodiversität, erzeugen erneuerbare Energie und ermöglichen gleichzeitig professionelle landwirtschaftliche Nutzung.

Die Kombination aus klimaorientierter Quartiersplanung, robusten Baukonstruktionen und dem Einsatz von Jackodur® KF 300 Standard Dämmplatten von Jackon Insulation by BEWI zeigt exemplarisch, wie nachhaltiger Gewerbebau künftig aussehen kann. Das Gewerbehöfequartier GoWest in Berlin entwickelt sich damit zu einem Referenzprojekt für urbane Quartiersentwicklung und multifunktionale Dachnutzung im deutschen Bauwesen.

Projektdaten

Das Gewerbehöfequartier GoWest entsteht auf einer Fläche von rund 7,4 Hektar und umfasst etwa 240.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Das Quartier besteht aus zwölf Baufeldern. Geplant sind rund 15.000 Quadratmeter professionell bewirtschaftete Dachgärtnerei. Für den Umkehrdachaufbau werden Jackodur® KF 300 Standard Dämmplatten in einer Dämmstoffdicke von 300 Millimetern eingesetzt. Insgesamt werden rund 8.000 Quadratmeter XPS-Dämmung verarbeitet. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für 2028 vorgesehen. Projektentwickler sind die Wohnkompanie Berlin und die Gustav Zech Stiftung. Die Planung verantwortet die CKSA GmbH, die Dacharbeiten werden von der Heinrich Dachtechnik GmbH ausgeführt.

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