Verbände
Jahresmitgliederversammlung des Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie e. V.
Die Jahresmitgliederversammlung 2026 des Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie e. V. (FVSB) stand ganz im Zeichen der aktuellen Herausforderungen für Hersteller und Zulieferer der Bau- und Beschlagindustrie. Rund 50 Vertreter der Mitgliedsunternehmen kamen Ende Juni im Verbandshaus zusammen, um sich über wirtschaftliche Entwicklungen, neue gesetzliche Anforderungen und digitale Zukunftsthemen auszutauschen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Branche trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen konsequent an ihrer Zukunftsfähigkeit arbeitet.
Bauwirtschaft zwischen Erholung und anhaltenden Herausforderungen
Zum Auftakt der Versammlung richtete der Vorstandsvorsitzende des Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie e. V. den Blick auf die wirtschaftliche Situation der Bauwirtschaft. Zwar entwickeln sich die Rahmenbedingungen in einzelnen Segmenten wieder etwas positiver, dennoch bleibt insbesondere der Wohnungsbau deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück.
Gleichzeitig eröffnen steigende Baugenehmigungen auf weiterhin niedrigem Niveau sowie Investitionen im öffentlichen Hochbau neue Perspektiven. Besonders Bildungsbauten und weitere öffentliche Bauprojekte gelten derzeit als wichtige Impulsgeber. Auch zusätzliche Investitionen in sicherheitsrelevante Infrastruktur können künftig einzelne Marktbereiche stärken.
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rückte vor allem der wachsende regulatorische Aufwand in den Mittelpunkt. Für viele Unternehmen entwickelt sich die Vielzahl neuer europäischer Vorgaben zunehmend zu einer strategischen Herausforderung. Genau hier sieht der FVSB seine zentrale Aufgabe: Mitgliedsunternehmen bei der Einordnung komplexer Regelwerke zu unterstützen, Informationen aufzubereiten und fachliche Orientierung zu geben.
Cyber Resilience Act verändert Anforderungen an Hersteller
Ein Schwerpunkt der Jahresmitgliederversammlung 2026 war der europäische Cyber Resilience Act (CRA). Die Verordnung betrifft sämtliche Produkte mit digitalen Komponenten oder Datenschnittstellen und verfolgt das Ziel, die Cybersicherheit bereits während der Produktentwicklung und über den gesamten Lebenszyklus hinweg verbindlich zu berücksichtigen.
Für Hersteller ergeben sich daraus umfangreiche Anforderungen. Neben einer sicheren Produktentwicklung gehören Risikobewertungen, technische Dokumentationen, ein strukturiertes Schwachstellenmanagement sowie Sicherheitsupdates über die vorgesehene Nutzungsdauer zu den zentralen Pflichten. Hinzu kommen Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken und schwerwiegende Vorfälle. Je nach Produkt ist zudem ein Konformitätsbewertungsverfahren einschließlich EU-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung erforderlich.
Der Cyber Resilience Act ist bereits seit Dezember 2024 in Kraft. Die Meldepflichten greifen ab dem 11. September 2026, bevor die Verordnung ab dem 11. Dezember 2027 vollständig für betroffene Hersteller gilt. Das große Interesse der Teilnehmer zeigte, wie hoch der Informationsbedarf in der Branche weiterhin ist.
Künstliche Intelligenz verändert auch die Messewelt
Neben regulatorischen Themen rückte auch die Digitalisierung in den Fokus. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig im Messewesen spielen wird.
Aktuelle Erkenntnisse aus der Messewirtschaft zeigen, dass zahlreiche Unternehmen den Einsatz von KI planen, die praktische Umsetzung jedoch vielfach noch am Anfang steht. Bereits heute wird KI unter anderem zur Texterstellung, für Chatbots, Datenanalysen, Besucherkommunikation sowie Marketingprozesse eingesetzt. Gleichzeitig erwarten Messebesucher künftig schnellere Informationsbereitstellung, bessere Vernetzung sowie eine effizientere Planung ihres Messebesuchs.
Für Unternehmen der Bauzulieferindustrie bedeutet dies, dass digitale Strategien zunehmend auch Bestandteil erfolgreicher Messeauftritte werden.
Saubere Produktdaten werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Bedeutung belastbarer Produktdaten. Der Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie e. V. wird seinen Mitgliedern künftig ein LCA-Tool zur Verfügung stellen, das die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPD) wirtschaftlicher ermöglicht.
Durch die Übernahme der Anschaffungskosten durch den Verband reduziert sich der finanzielle Aufwand für die Mitgliedsunternehmen erheblich. Damit können produktbezogene CO₂-Fußabdrücke effizient ermittelt und bei Bedarf kurzfristig Umweltproduktdeklarationen erstellt werden. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnt diese Datengrundlage zunehmend an Bedeutung.
Europäische Vorgaben treiben Digitalisierung von Produktinformationen voran
Auch die europäische Perspektive spielte während der Jahresmitgliederversammlung 2026 eine wichtige Rolle. Vertreter des europäischen Schloss- und Beschlagverbandes berichteten über die zunehmende Bedeutung europäischer Regelwerke.
Neben dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) gehört insbesondere die überarbeitete Construction Products Regulation (CPR) zu den zentralen Themen. Im Zuge dieser Entwicklung wird langfristig auch der Digitale Produktpass (DPP) an Bedeutung gewinnen. Nach aktueller Einschätzung ist eine verpflichtende Einführung für CE-gekennzeichnete Schlösser und Baubeschläge jedoch frühestens ab 2030 beziehungsweise 2031 zu erwarten.
Unabhängig vom konkreten Zeitplan wird deutlich, dass Unternehmen bereits heute ihre Datenqualität verbessern müssen. Produktnormen, Umweltproduktdeklarationen sowie BIM-Daten bilden künftig die Grundlage digitaler Produktinformationen und des Digitalen Produktpasses. Eine strukturierte Datenerfassung entwickelt sich damit zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor.
Verband begleitet Branche durch den Wandel
Neben den Fachvorträgen informierte die Geschäftsführung des FVSB über die aktuelle Verbandsarbeit und die wirtschaftliche Entwicklung der Branche. Geopolitische Unsicherheiten sowie internationale Marktveränderungen beeinflussen die Unternehmen weiterhin spürbar. Gleichzeitig zeigt sich die Produktion von Baubeschlägen insgesamt vergleichsweise stabil, auch wenn einzelne Marktsegmente unterschiedliche Entwicklungen aufweisen.
Mit mehr als acht Jahrzehnten Verbandsgeschichte und zahlreichen traditionsreichen Mitgliedsunternehmen verfügt der Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie e. V. über umfangreiche Erfahrung im Umgang mit wirtschaftlichen Umbrüchen. Die Jahresmitgliederversammlung 2026 machte deutlich, dass die Branche den aktuellen Transformationsprozess aktiv gestaltet. Digitalisierung, Cybersicherheit, Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen werden die Entwicklung der Bau- und Beschlagindustrie in den kommenden Jahren maßgeblich bestimmen. Für Bauunternehmen, Projektverantwortliche und Entscheider im Bauwesen lohnt es sich deshalb, diese Entwicklungen frühzeitig in die eigene Unternehmensstrategie einzubeziehen.













