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Baustoffindustrie korrigiert Prognose für 2026 – BBS fordert schnelleres Reformtempo
Die Erwartungen an eine wirtschaftliche Erholung der Baustoffindustrie haben sich erneut eingetrübt. Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) geht für das Jahr 2026 inzwischen von einer stagnierenden Produktion aus und nimmt damit die zu Jahresbeginn veröffentlichte Prognose zurück. Auf der Jahrestagung des Verbandes wurde deutlich, dass sich die Branche weiterhin mit einer Kombination aus konjunkturellen, politischen und strukturellen Herausforderungen konfrontiert sieht.
Hoffnung auf Erholung weicht nüchterner Einschätzung
Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche hatte die Baustoffindustrie zunächst auf eine moderate Erholung gesetzt. Diese Einschätzung musste der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) jedoch revidieren. Statt eines Produktionswachstums erwartet der Verband nun für 2026 lediglich eine stagnierende Produktion.
Als Ursachen nennt der Verband unter anderem einen langen Winter, anhaltende geopolitische Unsicherheiten sowie fehlende Reformfortschritte entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft. Aus Sicht der Branche verhindert insbesondere die Kombination aus zurückhaltenden Investitionen und langwierigen politischen Entscheidungsprozessen eine nachhaltige Marktbelebung.
Hoher Investitionsbedarf trifft auf schwache Marktdynamik
Die aktuelle Marktentwicklung steht im deutlichen Gegensatz zum tatsächlichen Investitionsbedarf in Deutschland. Der Modernisierungsbedarf der Verkehrsinfrastruktur bleibt hoch, der Wohnungsbau befindet sich weiterhin auf niedrigem Niveau und auch bei der energetischen Sanierung von Gebäuden besteht erheblicher Nachholbedarf.

bbs warnt vor Haftungsrisiken durch EU-Verpackungsverordnung
Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (bbs) weist auf erhebliche Rechtsunsicherheiten hin, die sich aus der neuen EU-Verpackungsverordnung (EU 2025/40 – Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) für Unternehmen der Baustoffindustrie ergeben könnten.
Für Bauunternehmen und Baustoffhersteller bedeutet diese Situation eine schwierige Ausgangslage. Während der Bedarf an Bauleistungen langfristig vorhanden ist, sorgen fehlende Projektstarts und verzögerte Investitionsentscheidungen für eine geringe Auslastung vieler Unternehmen. Die Entwicklung zeigt einmal mehr, dass vorhandene Nachfrage allein keine wirtschaftliche Erholung auslöst, solange Genehmigungen, Finanzierung und politische Rahmenbedingungen nicht gleichermaßen vorankommen.
Reformen bleiben aus Sicht der Branche der entscheidende Hebel
Auf der Jahrestagung machte der BBS deutlich, dass zwar politische Initiativen erkennbar seien, deren Umsetzung jedoch häufig deutlich länger dauere als von der Wirtschaft benötigt. Als Beispiele nennt der Verband unter anderem verzögerte Infrastrukturgesetze sowie den langwierigen Aufbau des Rechtsrahmens für die CO₂-Speicherung.
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Baustoffindustrie auf das Sondervermögen Infrastruktur. Nach Auffassung des Verbandes kann dieses Investitionsprogramm seine wirtschaftliche Wirkung nur dann vollständig entfalten, wenn es gleichzeitig von umfassenden Strukturreformen begleitet wird. Ohne beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren drohe ein erheblicher Teil der Investitionen hinter den Erwartungen zurückzubleiben.
Positiv bewertet der BBS dagegen die zügige Umsetzung energiepolitischer Entlastungen durch die Bundesregierung. Gleichzeitig warnt der Verband vor möglichen Folgen des geplanten Gesetzes zur natürlichen Infrastruktur. Aus Sicht der Baustoffindustrie könnten zusätzliche Flächenkonkurrenzen die Genehmigung neuer Rohstoffgewinnungsflächen erschweren und damit langfristig die Versorgung der Bauwirtschaft mit mineralischen Rohstoffen beeinträchtigen.
Wettbewerbsfähigkeit bleibt Schlüsselthema der Bauwirtschaft
Die Diskussionen auf der Jahrestagung machten deutlich, dass sich die Herausforderungen der Branche längst nicht mehr auf kurzfristige Konjunkturschwankungen beschränken. Wettbewerbsfähigkeit, Investitionssicherheit, Rohstoffversorgung und verlässliche politische Rahmenbedingungen entwickeln sich zunehmend zu den entscheidenden Standortfaktoren für die deutsche Bau- und Baustoffindustrie.
Im Rahmen des anschließenden Parlamentarischen Abends diskutierten Vertreter des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) gemeinsam mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages über die Zukunft des Industriestandortes Deutschland, die Umsetzung des Sondervermögens Infrastruktur sowie die Anforderungen an eine erfolgreiche industrielle Transformation.
Einordnung für die Baupraxis
Für Bauunternehmen, Projektentwickler und Investoren liefert die aktualisierte Prognose ein wichtiges Signal. Die Erwartung einer stagnierenden Produktion verdeutlicht, dass sich die Bauwirtschaft auch 2026 auf ein anspruchsvolles Marktumfeld einstellen muss. Gleichzeitig unterstreicht die Entwicklung den hohen Stellenwert politischer Reformen. Erst wenn Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigt sowie Investitionshemmnisse konsequent abgebaut werden, können Infrastrukturmaßnahmen, Wohnungsbau und energetische Modernisierung ihre wirtschaftliche Wirkung vollständig entfalten.









