Verbände

Max Kandler,

VFF-Jahreskongress 2026 in Göttingen

Der Jahreskongress des Verband Fenster + Fassade (VFF) fand am 18. und 19. Juni 2026 in der Göttingen statt und setzte unter dem Leitmotiv „Fensterbau der Zukunft – Resilient. Nachhaltig. Innovativ“ ein deutliches Signal für eine Branche im Umbruch. Mit rund 430 Teilnehmern erreichte der Jahreskongress eine neue Dimension der Beteiligung und unterstrich die hohe Relevanz der Themen für Bauunternehmen, Projektentwickler und Entscheider im Bauwesen.

Die rund 430 Teilnehmer des VFF-Jahreskongresses 2026 in der Göttinger LOKHALLE © VFF

Die LOKHALLE als Veranstaltungsort verstärkte dabei die inhaltliche Wirkung: Die Verbindung aus historischer Industriearchitektur und moderner Gebäudetechnik spiegelte den Wandel der Branche zwischen Tradition und technologischer Transformation wider. Genau hier entstand der Rahmen für Diskussionen, die weit über den klassischen Fachkongress hinausgingen.

Politische Zeitenwende und strukturelle Herausforderungen im Bau

Einen prägnanten politischen Impuls setzte der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mit seiner Analyse der „Dimension der Zeitenwende“. Im Zentrum standen globale Unsicherheiten, geopolitische Verschiebungen, die Rolle Europas sowie die zunehmende Komplexität regulatorischer Rahmenbedingungen.

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Für die Bauwirtschaft besonders relevant war seine Kritik an der Normen- und Regelungsdichte, die sich exemplarisch in tausenden Baunormen widerspiegelt und Planungsprozesse zunehmend verlangsamt. Gleichzeitig stellte Steinbrück klar, dass die Zukunftsfähigkeit Deutschlands nicht infrage steht, sondern in einer konsequenten Reformfähigkeit liegt.

Ein zentraler Diskussionspunkt mit hoher Praxisrelevanz für den VFF-Jahreskongress 2026 war die Forderung nach einer Vereinheitlichung der Landesbauordnungen. Für die Fenster- und Fassadenbranche würde dies vor allem mehr Planungssicherheit, weniger Bürokratie und effizientere Projektabläufe bedeuten.

Markt, Konjunktur und Strukturwandel im Fensterbau

Im Anschluss wurde die Lage der Bau- und insbesondere der Fenster- und Fassadenbranche im Kontext von Markt- und Konjunkturentwicklungen vertieft. Moderiert von VFF-Geschäftsführer Frank Lange wurden unterschiedliche Perspektiven aus Marktanalyse, Industrie und Finanzierung zusammengeführt.

Dabei zeigte sich deutlich, dass der Strukturwandel im Baugewerbe nicht nur technologische, sondern auch unternehmerische Dimensionen hat. Besonders die hohe technische Kompetenz im Bereich der transparenten Gebäudehülle wurde als Stärke hervorgehoben, während gleichzeitig Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge und Branchenfragmentierung sichtbar wurden.

Für Entscheider im Bauwesen ergibt sich daraus ein klares Bild: Der Wandel betrifft nicht nur Produkte und Materialien, sondern zunehmend auch Geschäftsmodelle, Kapitalstrukturen und strategische Partnerschaften.

Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und neue Bauprozesse

Peer Steinbrück stellte eindrücklich das Ausmaß an „Reformbedarf in Deutschland“ dar © VFF

Ein weiterer Schwerpunkt des VFF-Jahreskongresses 2026 lag auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie sich lineare Bauprozesse in zirkuläre Wertschöpfungssysteme überführen lassen.

Die Perspektive der Transformation wurde insbesondere durch Beiträge aus Forschung und Praxis geschärft. Dabei wurde deutlich, dass Kreislaufwirtschaft im Bau nicht allein eine technische Herausforderung ist, sondern tief in Unternehmenskultur, Datenmanagement und Planungsprozesse eingreift.

Für die Fenster- und Fassadenbranche bedeutet dies einen Perspektivwechsel: Weg vom reinen Produktdenken hin zu einer systemischen Betrachtung von Materialströmen und Gebäudelebenszyklen. Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zu einem integralen Bestandteil von Planung, Ausführung und Rückbau.

Internationale Perspektiven und Klimawandel als Realitätsfaktor

Mit einem eindrücklichen Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels in extremen Regionen wurde die globale Dimension der Transformation verdeutlicht. Die Botschaft war klar: Die Bauwirtschaft steht nicht isoliert, sondern ist Teil eines umfassenden ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesses.

Diese Perspektive verankerte die zuvor diskutierten Themen – von Regulierung über Nachhaltigkeit bis Innovation – in einem größeren Kontext und unterstrich die Verantwortung der Branche für zukünftige Generationen.

Führungswechsel und Ausblick auf kommende Impulse

Zum Abschluss des Kongresses stand der Wechsel in der Präsidentschaft des Verband Fenster + Fassade (VFF) im Mittelpunkt. Die Übergabe markiert einen wichtigen organisatorischen Schritt und gleichzeitig die Kontinuität in der strategischen Ausrichtung des Verbandes.

Der Ausblick auf den kommenden VFF-Jahreskongress 2027 in Berlin verdeutlicht, dass der eingeschlagene Dialog über Strukturwandel, Nachhaltigkeit und politische Rahmenbedingungen weiter an Bedeutung gewinnen wird.

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