Verbände

Max Kandler,

EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen: VFF warnt vor Bürokratie- und Kostenschub

Der aktuelle Entwurf zum EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen im Rahmen der neuen EU-Bauproduktenverordnung 2024/3110 sorgt in der Branche für erhebliche Diskussionen. Der Verband Fenster + Fassade (VFF) spricht in diesem Zusammenhang eine deutliche Warnung aus: Nach Einschätzung des Verbands könnte der vorliegende Entwurf einen spürbaren Bürokratie- und Kostenschub auslösen und die Praxis im Bauwesen erheblich verändern.

VFF warnt vor Bürokratie- und Kostenschub durch geplanten EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen. © VFF

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die technische Weiterentwicklung der Normung, sondern insbesondere die Frage, wie viel regulatorische Komplexität für stark variantenreiche Bauprodukte wie Fenster und Türen künftig tatsächlich erforderlich ist.

Entwurf der EU-Bauproduktenverordnung: Mehr Nachweise, mehr Dokumentation

Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem sogenannten Standardisation Request für Fenster und Türen. Dieser Normungsauftrag definiert, welche Leistungsmerkmale Hersteller künftig nachweisen und dokumentieren müssen.

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Aus Sicht des VFF liegt die zentrale Herausforderung in der konkreten Ausgestaltung des Entwurfs. Fenster- und Türelemente sind in der Praxis keine standardisierten Massenprodukte, sondern hochgradig konfigurierte Bauelemente. Bereits kleine Änderungen an Profilen, Verglasungen oder Beschlägen führen zu neuen Produktkombinationen.

Der aktuelle Entwurf sieht jedoch eine deutliche Ausweitung von Nachweis- und Dokumentationspflichten vor. Damit steigt die Komplexität für Hersteller erheblich, insbesondere im Hinblick auf Prüfverfahren, Emissionsangaben und digitale Produktinformationen.

Bürokratie- und Kostenschub als Risiko für die Bauwirtschaft

Der VFF sieht in dieser Entwicklung einen möglichen Bürokratie- und Kostenschub, der sich nicht nur auf Hersteller auswirken würde, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Bauwesen spürbar wäre. Besonders mittelständische Unternehmen könnten durch zusätzliche Prüfanforderungen und Zertifizierungsprozesse stark belastet werden.

In der Praxis würde sich dieser Aufwand voraussichtlich in höheren Produkt- und Projektkosten niederschlagen. Für Bauunternehmer, Projektentwickler und Investoren bedeutet dies potenziell steigende Gesamtkosten bei gleichzeitig zunehmender regulatorischer Unsicherheit.

Gerade in einem Marktumfeld, in dem über Baukostensenkung, Effizienzsteigerung und Bürokratieabbau diskutiert wird, bewertet der VFF den Entwurf daher als kontraproduktiv für die Baukonjunktur.

Praxisbezug: Wenn Normung auf Projektrealität trifft

Ein typisches Bauprojekt zeigt bereits heute, wie komplex die Abstimmung von Fenster- und Fassadenelementen ist. Unterschiedliche Anforderungen an Energieeffizienz, Schallschutz und Design führen zu individuellen Lösungen je Gebäude.

Würde der EU-Normungsauftrag in seiner aktuellen Entwurfsform umgesetzt, könnten zusätzliche Dokumentations- und Nachweispflichten entstehen, die bereits in frühen Planungsphasen berücksichtigt werden müssten. Für Projektleiter und ausführende Unternehmen würde dies eine stärkere Vorverlagerung administrativer Prozesse bedeuten.

Der VFF sieht hier die Gefahr, dass die Balance zwischen technischer Sicherheit und praktischer Umsetzbarkeit verloren geht.

Politische Einordnung und laufende Abstimmungen

Der Verband Fenster + Fassade hat auf nationaler und europäischer Ebene Gespräche aufgenommen, um auf die aus seiner Sicht kritischen Punkte des Entwurfs hinzuweisen. Dabei wurde insbesondere das zuständige Bundeswirtschaftsressort adressiert.

Ziel dieser Aktivitäten ist es, den Abstimmungsprozess im zuständigen Committee on Standards zu beeinflussen und eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs zu erreichen. Auch auf europäischer Ebene wird das Thema in politischen Strukturen aufgegriffen.

Zentrale Kritiklinie: Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen

Im Kern richtet sich die Kritik des VFF gegen die aus seiner Sicht überproportionale Ausweitung regulatorischer Anforderungen. Besonders im Fokus stehen zusätzliche technische Nachweise, umfangreichere Dokumentationspflichten sowie offene Fragen zur praktischen Umsetzung des digitalen Produktpasses.

Die Diskussion zeigt deutlich, dass die Balance zwischen europäischer Harmonisierung und realer Umsetzbarkeit im Bauwesen zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Genau hier sieht der Verband die Notwendigkeit einer Nachjustierung im vorliegenden Entwurf.

Forderung: Praxisgerechte Anpassung statt zusätzlicher Regulierung

Der VFF fordert eine grundlegende Überarbeitung des EU-Normungsauftrags für Fenster und Türen. Im Zentrum steht die Reduzierung auf das regulatorisch notwendige Maß sowie die stärkere Berücksichtigung mittelständischer Strukturen im Baugewerbe.

Darüber hinaus betont der Verband die Bedeutung bewährter Bewertungsmethoden und praxisnaher digitaler Lösungen, die ohne zusätzlichen Bürokratieaufwand umsetzbar sind. Ziel ist ein Regelwerk, das sowohl europäische Klimaziele als auch wirtschaftliche Realitäten im Bauwesen berücksichtigt.

Fazit: Weichenstellung mit Folgen für das gesamte Baugewerbe

Der Entwurf zum EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen entwickelt sich zu einem zentralen Thema der europäischen Baupolitik. Die vom Verband Fenster + Fassade formulierte Warnung vor einem Bürokratie- und Kostenschub unterstreicht die Bedeutung der aktuellen Verhandlungen.

Für die Bauwirtschaft ist entscheidend, ob es gelingt, technische Normung, wirtschaftliche Machbarkeit und digitale Anforderungen in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Fachportale wie buildingnet.de sowie das Baugewerbe Magazin werden diesen Prozess weiterhin als zentrale Informations- und Einordnungsquellen begleiten und damit die fachliche Diskussion im Markt maßgeblich prägen.

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