Mehr Wohnraum durch gezielte Förderung

Kai Ingmar Link,

BV Baustoffe: Neue Studie fordert Kurswechsel

Die Wohnungsbaukrise verschärft sich. Eine neue Studie von IW und BBS zeigt, wie eine gezielte Förderpolitik den Wohnungsbau wieder ankurbeln könnte.

Der Wohnungsbau steckt weiterhin tief in einer schweren Krise © Xella Deutschland

Wohnungsbau in der Krise: Studie fordert grundlegende Neuausrichtung der Förderpolitik

Die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Trotz eines jährlichen Bedarfs von deutlich mehr als 300.000 neuen Wohnungen dürfte die tatsächliche Bautätigkeit kurzfristig auf lediglich gut 200.000 Wohnungen sinken. Damit wächst die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot weiter.

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS) kommt zu dem Schluss, dass eine zielgerichtetere und einfacher strukturierte Förderpolitik notwendig ist, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln und den Druck auf den Wohnungsmärkten zu reduzieren.

Wohnungsbaukrise droht sich zu verfestigen

Nach Einschätzung des BBS handelt es sich längst nicht mehr um eine kurzfristige Schwächephase. „Die Krise im Wohnungsbau dürfte sich angesichts der aktuellen geopolitischen Situation weiter fortsetzen und droht, sich strukturell zu verfestigen“, warnt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS).

Die sozialen Auswirkungen seien bereits vielerorts spürbar. Deshalb müsse die öffentliche Förderung künftig deutlich zielgerichteter ausgestaltet werden.

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Mit der Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ soll ein Beitrag zur im Koalitionsvertrag angekündigten Vereinfachung der Wohnungsbauförderung geleistet werden. Auch Studienautor Prof. Michael Voigtländer vom IW Köln plädiert für einen grundlegenden Strategiewechsel:

„Staatliche Förderung ja – aber nur gezielt, temporär und marktkonform. Statt eines fragmentierten Förderdschungels braucht es eine transparente strategische Architektur entlang von klar definierten Kriterien.“

Frei finanzierter Wohnungsbau soll in Krisenzeiten stabilisiert werden

Ein Schwerpunkt der vorgeschlagenen Förderpolitik liegt auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungsbaus.

Zwar wurde mit der zeitlich befristeten EH55-Förderung bereits ein entsprechendes Instrument geschaffen. Nach Einschätzung des BBS blieb dessen Wirkung jedoch hinter den Erwartungen zurück, weil die Förderbedingungen zu restriktiv ausgestaltet seien.

Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS © BV Baustoffe

Der Verband fordert deshalb, das Programm mindestens bis Ende 2026 zu verlängern und die Förderbedingungen praxisgerechter auszugestalten. „Ziel sollte es sein, die eingeplanten Mittel bis Jahresende vollständig auszugeben“, sagt Frederichs.

Als mögliche Stellschrauben nennt der Verband unter anderem die Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro je Wohnung sowie praktikablere Regelungen beim definierten Vorhabenbeginn.

Wohneigentum wieder erleichtern

Ein weiteres zentrales Handlungsfeld sieht die Studie in der Förderung von Wohneigentum. Hohe Eigenkapitalanforderungen erschweren vielen Haushalten den Erwerb einer Immobilie. Deshalb empfiehlt die Studie KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Kredite zur Finanzierung der Grunderwerbsteuer.

Damit soll der Zugang zum Wohneigentum erleichtert und zusätzliche Nachfrage im Wohnungsbau geschaffen werden.

Nachhaltigkeit bleibt Bestandteil der Förderpolitik

Auch energetische Sanierungen bleiben nach Einschätzung der Studienautoren ein zentraler Bestandteil staatlicher Förderung.

Künftig sollte sich die Förderung jedoch stärker auf Gebäude mit besonders schlechter Energieeffizienz konzentrieren. „Die größten Klimaschutzeffekte erzielen wir dort, wo Gebäude energetisch am schlechtesten dastehen. Gerade für diese Gebäude braucht es aufgrund der hohen Sanierungskosten zusätzliche Förderanreize.“, erklärt Frederichs.

Der BBS schlägt hierfür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor.Darüber hinaus empfiehlt die Studie Förderprogramme für Technologievorhaben, die zur Steigerung der Produktivität beitragen, beispielsweise durch Produktinnovationen.

Einfachere Förderstruktur und schnellere Genehmigungen

Neben einzelnen Förderinstrumenten sieht die Studie vor allem strukturellen Reformbedarf. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einer übersichtlicheren Förderarchitektur. Gleichzeitig verweist die Untersuchung auf weitere Maßnahmen, die einfacheres, schnelleres und kostengünstigeres Bauen ermöglichen sollen.

„Die Überführung des Förder-Wirrwarrs in ein transparentes Zwei-Säulen-Modell bietet gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie dem Gebäudetyp E, der Reform des Bauplanungsrechts und dem bereits existierenden Bau-Turbo die Chance, dem Wohnungsbau neuen Schwung zu verleihen. Angesichts der schwierigen Lage auf den Wohnungsmärkten muss die Bundesregierung hier nun dringend liefern”, so Frederichs.

Die Studie von IW und BBS macht deutlich, dass die Wohnungsbaukrise nach Einschätzung der Autoren zunehmend strukturelle Ursachen aufweist. Im Mittelpunkt steht deshalb weniger die Forderung nach zusätzlichen Förderprogrammen als vielmehr nach einer klareren, zielgerichteten Förderarchitektur. Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungsbaus, erleichterte Wohneigentumsbildung, gezielte Unterstützung energetischer Sanierungen sowie strukturelle Reformen sollen gemeinsam dazu beitragen, den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. Ob diese Vorschläge Eingang in die künftige Förderpolitik finden, dürfte angesichts der anhaltend angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt zu den zentralen wohnungspolitischen Fragen der kommenden Jahre gehören.

Neue Wege aus der Baukrise

Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.

Chancen für die Bauwirtschaft

Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.

Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen

Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.

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