Baustelle

Max Kandler,

Bauer Resources realisiert tiefes Sondenfeld für nachhaltiges Wohngebiet

Die Energiewende im Bauwesen beginnt längst nicht mehr erst im Gebäude, sondern bereits bei der Planung neuer Quartiere. Das Geothermie-Projekt in Lübeck zeigt, wie eine zukunftsfähige Wärmeversorgung bereits in der Erschließungsphase eines neuen Wohngebiets integriert werden kann. Mit der Umsetzung der geothermischen Infrastruktur trägt Bauer Resources maßgeblich dazu bei, dass das neue Quartier im Stadtteil St. Gertrud künftig auf eine ressourcenschonende und langfristig tragfähige Energieversorgung zurückgreifen kann.

Bauer Resources baut 135 Erdwärmesonden mit außergewöhnlicher Bohrtiefe von 170 m ein. © Bauer Gruppe

Auf einer Fläche von rund 11,5 Hektar entsteht östlich der Lübecker Altstadt moderner Wohnraum für bis zu 1.000 Menschen. Das Projekt zählt zu den bedeutenden Wohnungsbauvorhaben der Hansestadt und verbindet städtebauliche Entwicklung mit einem innovativen Energiekonzept.

Wohngebiet verbindet nachhaltige Stadtentwicklung und moderne Energieversorgung

Das neue Wohnquartier entsteht auf dem ehemaligen Teilbereich der Kleingartenanlage Lauerhof. Vorgesehen ist eine ausgewogene Bebauung aus Reihen- und Doppelhäusern sowie Mehrfamilienhäusern. Ergänzt wird das Quartier durch Verkehrsflächen, Grünbereiche, Gemeinbedarfsflächen und ein Parkhaus. Damit verfolgt die Hansestadt Lübeck einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Wohnraum, Infrastruktur und Energieversorgung von Beginn an gemeinsam geplant werden.

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Ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts ist die Nutzung oberflächennaher Geothermie. Für die technische Umsetzung der geothermischen Infrastruktur wurde der Geschäftsbereich Bauer Umwelt der Bauer Resources GmbH im Auftrag der Stadtwerke Lübeck Innovation GmbH eingebunden.

Das künftige Wohngebiet wird über kaltes Nahwärmenetz mittels Geothermie und Wärmepumpen versorgt. © Bauer Gruppe

Kaltes Nahwärmenetz nutzt die Energie des Untergrunds

Im Mittelpunkt des Energiekonzepts steht ein kaltes Nahwärmenetz, das die im Untergrund gespeicherte Wärme als regenerative Energiequelle erschließt. Hierfür wurden insgesamt 135 Erdwärmesonden installiert, die über ein wassergefülltes Leitungsnetz miteinander verbunden sind. Die gewonnene Umweltenergie wird anschließend über dezentrale Wärmepumpen in den einzelnen Gebäuden auf das erforderliche Temperaturniveau angehoben und für die Wärmeversorgung genutzt.

Dieses Versorgungssystem ermöglicht nicht nur eine effiziente Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Gleichzeitig kann während der Sommermonate überschüssige Wärme wieder in den Untergrund zurückgeführt werden. Dadurch wird das Erdreich regeneriert und eine Kühlung der Gebäude unterstützt. Das Zusammenspiel aus Geothermie, Wärmepumpentechnik und kaltem Nahwärmenetz schafft damit die Grundlage für eine energieeffiziente und CO₂-arme Wärmeversorgung des gesamten Wohngebiets.

Außergewöhnliche Bohrtiefen stellen hohe Anforderungen an die Ausführung

Die geothermischen Arbeiten begannen im November 2024 mit dem ersten von insgesamt drei Bauabschnitten. Bereits die Dimension des Sondenfeldes unterstreicht den technischen Anspruch des Projekts. Jede der 135 Erdwärmesonden wurde bis in eine Tiefe von 170 Metern eingebracht. Nach Angaben von Bauer Resources handelt es sich dabei um die bislang tiefsten Bohrungen, die der Geschäftsbereich Bauer Umwelt für Erdwärmesonden realisiert hat.

Insgesamt wurden 23.552 Bohrmeter hergestellt. Die Arbeiten erfolgten im Feinsand ohne Verrohrung unter Einsatz einer KLEMM KR 806-3GW-Bohranlage. Die geologischen Bedingungen sowie die außergewöhnlichen Bohrtiefen verlangten eine präzise Ausführung und eine sorgfältige Abstimmung der Bauabläufe.

Umfangreiche Infrastruktur ergänzt das Geothermie-Projekt

Mit der Fertigstellung der Bohrarbeiten begann der Ausbau der geothermischen Infrastruktur. Die einzelnen Erdwärmesonden wurden an das Leitungsnetz angeschlossen und über elf Verteilerschächte miteinander verbunden. Zusätzlich wurden zwei Temperaturmessstellen eingerichtet, die künftig die Entwicklung der Bodentemperaturen innerhalb des Quartiers überwachen.

Im abschließenden Bauabschnitt wurden die Erdwärmesonden mit einem Wasser-Glykol-Gemisch befüllt und für den späteren Betrieb vorbereitet. Parallel dazu übernahm das Baustellenteam umfangreiche Erdarbeiten. Insgesamt wurden 1.455 Tonnen Bohrgut sowie 700 Tonnen Boden abgefahren. Gleichzeitig erfolgte die Lieferung und der Einbau von rund 750 Tonnen Sand. Die Größenordnung dieser Arbeiten verdeutlicht den hohen logistischen und technischen Aufwand, der mit der Umsetzung eines geothermischen Energiekonzepts dieser Dimension verbunden ist.

Geothermie-Projekt in Lübeck zeigt die Zukunft nachhaltiger Quartiersversorgung

Das Geothermie-Projekt in Lübeck verdeutlicht, wie sich nachhaltige Wärmeversorgung bereits in der Erschließung neuer Wohngebiete konsequent integrieren lässt. Durch die Kombination aus tiefen Erdwärmesonden, kaltem Nahwärmenetz und dezentraler Wärmepumpentechnik entsteht eine zukunftsfähige Infrastruktur, die den langfristigen Anforderungen an klimafreundliches Bauen gerecht wird.

Für Bauer Resources markiert das Projekt zugleich einen technisch anspruchsvollen Meilenstein im Bereich der Geothermie. Die außergewöhnlichen Bohrtiefen, das großflächige Sondenfeld und die umfangreiche Infrastruktur zeigen, welche Bedeutung geothermische Systeme künftig für die nachhaltige Entwicklung neuer Wohnquartiere im Bauwesen einnehmen können.

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