Elektromobilität

Max Kandler,

MAN Truck & Bus elektrifiziert die Lieferlogistik im Schwerlastverkehr

Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs erreicht zunehmend industrielle Lieferketten. MAN Truck & Bus treibt diesen Wandel nun auch in der eigenen Produktionslogistik voran und setzt gemeinsam mit dem Logistikpartner JS Logistics fünf vollelektrische MAN eTGX im grenzüberschreitenden Transport von Zulieferteilen ein.

V. l. n. r.: Johannes Kramer (Senior Vice President International Key Account, MAN Truck & Bus), Friedrich Baumann (Vorstand Sales & Customer Solutions, MAN Truck & Bus), Jerome Schüssler (Inhaber und Managing Director, JS Logistics), Mercedes Ansari sowie Bodo Schüssler bei der Übergabe der neuen vollelektrischen MAN Fahrzeuge. © MAN Truck & Bus

Die batterieelektrischen Lkw übernehmen erstmals Transporte zwischen Lieferantenstandorten in Ungarn und den Produktionswerken von MAN in Deutschland. Damit zeigt das Unternehmen, wie sich elektrische Antriebstechnologien nicht nur im regionalen Verteilerverkehr, sondern auch in anspruchsvollen Logistikprozessen mit festen internationalen Transportachsen integrieren lassen.

Für Bauunternehmen, Fuhrparkverantwortliche und Logistikentscheider liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse: Die Umstellung auf elektrische Nutzfahrzeuge erfordert nicht allein neue Fahrzeuge, sondern ein abgestimmtes Gesamtkonzept aus Einsatzplanung, Ladeinfrastruktur und operativen Abläufen.

MAN eTGX im täglichen Einsatz zwischen Ungarn und Deutschland

Die fünf MAN eTGX werden auf verschiedenen Transportverbindungen innerhalb der europäischen Lieferlogistik eingesetzt. Ein Schwerpunkt liegt auf der direkten Verbindung zwischen Lébény in Ungarn und München mit einer Entfernung von rund 520 Kilometern pro Strecke.

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Auf dieser Route kommt ein sogenannter Begegnungsverkehr zum Einsatz. Dabei fahren zwei Fahrzeuge aufeinander zu und tauschen unterwegs ihre Anhänger. Die Transporte erfolgen als Direktfahrten ohne zusätzliche Zwischenstopps, wodurch sich die Fahrzeuge effizient in bestehende Produktionsabläufe integrieren lassen.

Zusätzlich übernimmt ein weiterer MAN eTGX Transporte aus dem Logistikzentrum im ungarischen Győr. Dort werden Zulieferteile gebündelt und anschließend zu den deutschen Produktionsstandorten von MAN transportiert. Dieses Konzept verdeutlicht, dass Elektrifizierung auch bei komplexen Lieferketten mit mehreren Umschlagpunkten umgesetzt werden kann.

Weitere Fahrzeuge werden über das deutsche Logistikzentrum in Kirkel eingesetzt. Von dort aus werden Lieferungen aus Frankreich, Spanien, Portugal sowie Großbritannien und Irland zu den MAN-Werken transportiert. Die Fahrzeuge bedienen dabei unter anderem Strecken nach München mit etwa 400 Kilometern sowie nach Nürnberg mit rund 350 Kilometern Entfernung.

Elektrische Schwerlastlogistik als Bestandteil der Dekarbonisierung

Der Einsatz der MAN eTGX ist Teil eines langfristigen Programms zur Reduzierung von CO₂-Emissionen in der Inbound-Logistik. Seit Herbst 2024 arbeitet MAN Truck & Bus daran, batterieelektrische Lkw schrittweise in das eigene Transportnetzwerk zu integrieren.

Die Dimension der Aufgabe zeigt sich an den jährlichen Transportleistungen: Im Inbound-Verkehr von MAN legen Lkw insgesamt bis zu 165 Millionen Kilometer zurück. Die Elektrifizierung dieser Strecken ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Strategie, die Lieferketten nachhaltiger auszurichten.

Bis Mitte 2026 sollen rund 50 batterieelektrische Lkw für die MAN Lieferlogistik eingesetzt werden. Parallel dazu wird die Ladeinfrastruktur an Produktionsstandorten und Serviceniederlassungen weiterentwickelt. Mehrere europäische Transportstrecken sind bereits elektrifiziert oder befinden sich in Vorbereitung.

Unterstützung bietet dabei MAN Transport Solutions mit einer umfassenden Beratung zur Umstellung auf Elektromobilität. Dabei werden unter anderem Fahrzeuganforderungen, Streckenprofile, Ladeplanung und die Integration in bestehende Betriebsabläufe betrachtet.

JS Logistics als Praxisbeispiel für elektrische Transportkonzepte

Die Zusammenarbeit mit JS Logistics zeigt, wie die Elektrifizierung im realen Transportbetrieb umgesetzt werden kann. Die Übergabe der fünf MAN eTGX erfolgte im Juni 2026 am MAN Truck Forum in München. Anschließend wurden die Fahrzeuge in den täglichen Logistikbetrieb integriert.

JS Logistics setzt die vollelektrischen Fahrzeuge auf planbaren Transportverbindungen ein und sammelt dabei praktische Erfahrungen mit dem Einsatz batterieelektrischer Schwerlastfahrzeuge im internationalen Warenverkehr.

Gerade für Unternehmen aus dem Baugewerbe und angrenzenden Branchen ist dieses Vorgehen relevant: Elektrische Nutzfahrzeuge können besonders dort ihre Vorteile ausspielen, wo feste Routen, wiederkehrende Transportaufgaben und eine strukturierte Ladeplanung vorhanden sind. Baustofflogistik, Werksverkehre und Zuliefertransporte bieten daher zunehmend Einsatzmöglichkeiten für elektrische Lkw-Konzepte.

Zukunft der Lieferlogistik: Elektrische Lkw werden Teil industrieller Transportketten

Mit dem MAN eTGX erweitert MAN Truck & Bus die Einsatzmöglichkeiten batterieelektrischer Lkw im schweren Transportsegment. Das Projekt mit JS Logistics zeigt, dass die Elektrifizierung der Lieferlogistik nicht nur eine technologische Entwicklung ist, sondern eine organisatorische Aufgabe für gesamte Wertschöpfungsketten.

Für Unternehmen im Bauwesen bedeutet diese Entwicklung, dass nachhaltige Transportkonzepte künftig stärker in Beschaffung, Projektlogistik und Fuhrparkplanung einfließen werden. Entscheidend ist dabei eine ganzheitliche Betrachtung: vom Fahrzeug über die Ladeinfrastruktur bis zur täglichen Einsatzplanung.

Die Erfahrungen aus industriellen Anwendungen wie dem MAN Liefernetzwerk schaffen wichtige Grundlagen dafür, elektrische Schwerlastmobilität auch in weiteren Branchen wirtschaftlich und zuverlässig einzusetzen.

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