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Max Kandler,

Rückblick VFF-Fachtagung „Normung und Technik“

Die Modernisierung bestehender Gebäude gewinnt für die Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Ressourcenschonung und nachhaltiges Bauen verändern die Rahmenbedingungen für Bauunternehmen, Planer und Hersteller. Die Fenster-, Türen- und Fassadenbranche nimmt dabei eine wichtige Rolle ein, da die Gebäudehülle maßgeblich zur energetischen Qualität und zur Nutzungsqualität von Immobilien beiträgt.

Auf der VFF-Fachtagung Normung & Technik am 17. Juni 2026 in Göttingen: Moderator Christian Anders (links) und Detlef Timm, der in seinem Vortrag zeigte, wie man historische Fenster so ertüchtigt, dass sie technisch auf den neuesten Stand gebracht werden und zugleich die Anforderungen des Denkmalschutzes erfüllen. © VFF

Mit diesem Schwerpunkt beschäftigte sich die VFF-Fachtagung „Normung und Technik“ des Verbands Fenster + Fassade (VFF) am 17. Juni 2026 in der Göttinger Lokhalle. Die Veranstaltung fand am Vortag des VFF-Jahreskongresses statt und brachte mehr als 40 Fachteilnehmer zusammen, um aktuelle technische, regulatorische und praktische Fragestellungen rund um die Sanierung und das Bauen im Bestand zu diskutieren.

Neue Anforderungen durch Normung und Bauproduktenverordnung

Zum Auftakt der Fachveranstaltung stellte Frank Koos, Geschäftsführer für Normung, Technik und internationale Aktivitäten des Verbands Fenster + Fassade (VFF) sowie Generalsekretär der europäischen Branchenvertretung EuroWindoor, die Auswirkungen der neuen europäischen Bauproduktenverordnung auf die Fensterbranche vor.

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Im Mittelpunkt standen die wachsenden Anforderungen an Hersteller und ausführende Unternehmen. Insbesondere zusätzliche Deklarationspflichten und der damit verbundene organisatorische Aufwand stellen die Branche vor neue Herausforderungen. Für Unternehmen bedeutet dies, technische Prozesse, Dokumentationen und Nachweise frühzeitig an die veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen anzupassen.

Gerade beim Bauen im Bestand spielen diese Anforderungen eine wichtige Rolle. Projekte unterscheiden sich häufig stark voneinander und erfordern individuelle Lösungen, die technische Machbarkeit, gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Aspekte miteinander verbinden.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit als Entscheidungsfaktoren bei der Gebäudemodernisierung

Die Frage, welchen Beitrag moderne Fenster zur nachhaltigen Gebäudesanierung leisten können, stand im Mittelpunkt der folgenden Fachvorträge. Norbert Sack vom Rosenheimer Institut für Fenstertechnik widmete sich dem Thema „Neue Fenster lohnen sich: Graue Energie und Emissionen vs. Energieeinsparung“.

Dabei wurde deutlich, dass bei Modernisierungsentscheidungen nicht ausschließlich die kurzfristigen Investitionskosten betrachtet werden sollten. Entscheidend ist eine ganzheitliche Bewertung über den Lebenszyklus eines Bauteils hinweg. Energieeinsparungen, Materialeinsatz und langfristige Nutzungsperspektiven müssen gemeinsam betrachtet werden, um nachhaltige Lösungen für Gebäude zu entwickeln.

Dr.-Ing. Stephan Schlitzberger vom Kasseler Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser ergänzte diese Perspektive mit seinem Vortrag zur wirtschaftlichen Betrachtung der Sanierung der Gebäudehülle im Vergleich zum Austausch des Wärmeerzeugers sowie zu den Auswirkungen des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG).

Für Bauunternehmen und Projektverantwortliche wird damit zunehmend wichtig, Sanierungsmaßnahmen strategisch zu planen und die Gebäudehülle als wesentlichen Bestandteil eines effizienten Modernisierungskonzepts einzubeziehen.

Kreislaufwirtschaft und Recyclingfähigkeit gewinnen an Bedeutung

Nach der Mittagspause rückten Fragen der Materialverwertung und Nachhaltigkeit in den Fokus. Erik Poppe von myclimate Deutschland aus Berlin informierte über Materialtrennung, Recyclingfähigkeit und die Erwartungen an eine zirkuläre Zukunft sowie die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR).

Die Entwicklung hin zu einer stärkeren Kreislaufwirtschaft verändert auch die Anforderungen an Bauprodukte. Für Unternehmen der Fenster- und Fassadenbranche bedeutet dies, bereits bei Planung, Herstellung und Montage stärker auf Demontagefähigkeit, Materialtrennung und Wiederverwertbarkeit zu achten.

Gerade bei Sanierungsprojekten im Bestand entstehen dadurch neue Anforderungen an die Bewertung vorhandener Bauteile und die Auswahl geeigneter Modernisierungslösungen.

Historische Fenster zwischen Denkmalschutz und moderner Bauphysik

Ein weiterer Schwerpunkt der VFF-Fachtagung lag auf der fachgerechten Ertüchtigung historischer Fenster. Detlef Timm von Hans Timm Fensterbau aus Berlin zeigte anhand des Themas „Ertüchtigung historischer Fenster unter Beachtung von Denkmalschutz, Bauphysik und Ausführung“, welche besonderen Anforderungen bei der Sanierung bestehender Fensterkonstruktionen entstehen.

Grundlage bildeten dabei unter anderem die Vorgaben des VFF-Leitfadens HO.09 zur „Runderneuerung von Kastenfenstern aus Holz“. Die Verbindung von historischem Erhalt, energetischer Verbesserung und bauphysikalischer Sicherheit stellt Planer und ausführende Betriebe vor komplexe Aufgaben.

Die Praxis zeigt, dass nachhaltige Sanierung nicht automatisch den Austausch aller Bauteile bedeutet. Häufig können bestehende Konstruktionen durch gezielte Maßnahmen weiter genutzt und gleichzeitig technisch verbessert werden.

Fenstertausch im laufenden Betrieb: Projektmanagement entscheidet

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein praxisorientierter Beitrag von Christian Anders, Technischer Leiter bei Hilzinger Metallbau und Obmann des Technischen Ausschusses des VFF. Unter dem Titel „Projektmanagement zum Fenstertausch im laufenden Betrieb – Praxisbeispiele“ zeigte er, welche organisatorischen Herausforderungen bei Modernisierungsprojekten unter laufender Nutzung entstehen.

Besonders bei öffentlichen Gebäuden, Gewerbeimmobilien oder bewohnten Objekten müssen technische Umsetzung, Terminplanung und Nutzeranforderungen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Eine strukturierte Projektorganisation wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor bei Sanierungsmaßnahmen.

Fazit: Bestandssanierung erfordert technische Kompetenz und strategische Planung

Der Rückblick auf die VFF-Fachtagung „Normung und Technik“ zeigt: Sanieren und Bauen im Bestand bieten der Fenster- und Fassadenbranche zahlreiche Möglichkeiten, stellen Unternehmen aber gleichzeitig vor neue technische und regulatorische Aufgaben.

Nachhaltigkeitsanforderungen, veränderte Normen und die neue europäische Bauproduktenverordnung werden die Branche langfristig prägen. Für Bauunternehmen, Geschäftsführer und Projektleiter bedeutet dies, Entwicklungen frühzeitig zu berücksichtigen und Sanierungsprojekte ganzheitlich zu planen.

Die Veranstaltung des Verbands Fenster + Fassade (VFF) machte deutlich, dass erfolgreiche Bestandssanierung nur durch das Zusammenspiel von technischem Know-how, nachhaltigen Konzepten und praxisnaher Umsetzung gelingt.

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