Tunnelbau
Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine beendet Unterquerung der Elbe
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Tunnelvortriebs unter der Elbe ist beim Netzausbauprojekt SuedLink ein bedeutender Bauabschnitt erreicht. Die von Herrenknecht entwickelte Tunnelbohrmaschine hat die rund 5,2 Kilometer lange Unterquerung der Elbe planmäßig beendet und damit den Vortrieb zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen abgeschlossen. Das Projekt zählt zu den technisch anspruchsvollsten Infrastrukturmaßnahmen Deutschlands und schafft die Voraussetzung für die sichere Verlegung der Höchstspannungs-Gleichstromleitungen (HGÜ) im Bereich der Elbquerung.
SuedLink verbindet künftig die Windenergieerzeugung im Norden Deutschlands mit den industriellen Verbrauchszentren in Bayern und Baden-Württemberg. Mit einer geplanten Übertragungskapazität von vier Gigawatt übernimmt die Trasse eine zentrale Funktion für die Energiewende und den Ausbau einer leistungsfähigen Strominfrastruktur.
Tunnelbau unter der Elbe stellt höchste Anforderungen an Technik und Bauausführung
Die Unterquerung der Elbe zählt aufgrund ihrer geologischen und hydrogeologischen Rahmenbedingungen zu den anspruchsvollsten Abschnitten des Gesamtprojekts. Bereits während der Planung war klar, dass konventionelle Bauverfahren hier an ihre Grenzen stoßen würden. Deshalb entschied sich die Arbeitsgemeinschaft Tunnel ElbX, bestehend aus PORR und Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, für den Einsatz einer speziell für dieses Projekt ausgelegten Herrenknecht Tunnelbohrmaschine.

Tunnelbohrmaschine von Herrenknecht für den Bau der 2. Stammstrecke München übergeben
Erste Tunnelbohrmaschine für die 2. Stammstrecke München übergeben: Hightech von Herrenknecht startet bald den Vortrieb unter der Stadt.
Der im Auftrag von TenneT errichtete Kabeltunnel entstand innerhalb von weniger als 18 Monaten Vortriebszeit. Der Durchbruch in den Zielschacht am 22. Juni 2026 markierte das erfolgreiche Ende der im Februar 2025 gestarteten Arbeiten. Während des Vortriebs wurden durchschnittlich 233 Tübbingringe pro Monat eingebaut, was einer monatlichen Tunnelstrecke von rund 303 Metern entspricht.
Speziell entwickelter Mixschild für wechselhafte Geologie und hohen Wasserdruck
Für das Bauvorhaben entwickelte Herrenknecht einen projektspezifischen Mixschild mit einem Außendurchmesser von 4,90 Metern. Die rund 190 Meter lange und etwa 700 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine wurde speziell auf die anspruchsvollen Bedingungen unter der Elbe ausgelegt.
Die Trasse verläuft durch unterschiedlichste Bodenschichten aus Ton, Klei, Torf, Sand, Kies sowie vereinzelten Findlingen. Hinzu kommt ein Wasserdruck von bis zu 3,8 Bar in etwa 20 Metern Tiefe unter dem Flussbett. Um insbesondere den stark haftenden Lauenburger Ton sicher abzubauen, verfügt die Maschine über eine leistungsstarke Zentrumsspülung am Schneidrad mit einer Kapazität von 500 Kubikmetern pro Stunde. Insgesamt wurden bis zu 1.200 Kubikmeter Bentonitsuspension pro Stunde durch den Förderkreislauf bewegt, um einen kontinuierlichen und störungsfreien Vortrieb sicherzustellen.
Parallel zum Aushub erfolgte der unmittelbare Ausbau des Tunnels mit vorgefertigten Betontübbingen. Nach Fertigstellung weist das Bauwerk einen Innendurchmesser von vier Metern sowie einen Außendurchmesser von 4,60 Metern auf. Ein integriertes Navigationssystem der Herrenknecht-Tochter VMT gewährleistete dabei die präzise Einhaltung des geplanten Trassenverlaufs mit Kurven, Steigungen und Gefällen.
Komplexe Maschinentechnik auf engstem Raum
Die kompakte Baugröße stellte die Konstrukteure vor besondere Herausforderungen. Sämtliche technischen Komponenten – darunter Hydraulik, Elektrik, Lüftung, Fördertechnik sowie Transporteinrichtungen für die Tübbinge – mussten innerhalb eines vergleichsweise kleinen Maschinendurchmessers integriert werden. Zusätzliche Versorgungseinrichtungen wurden deshalb auf insgesamt zwölf Nachläufer verteilt, die den kontinuierlichen Betrieb der Anlage während des gesamten Vortriebs sicherstellten.
Gerade bei Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung zeigt sich, dass moderne Tunnelbohrmaschinen heute weit mehr leisten als den reinen Vortrieb. Sie bilden ein hochkomplexes Gesamtsystem, das Vortrieb, Ausbau, Materialtransport, Navigation und Sicherheit in einer durchgängigen Prozesskette miteinander verbindet.
Separations- und Wasseraufbereitung sichern einen kontinuierlichen Vortrieb
Neben der eigentlichen Tunnelbohrmaschine spielte auch die Aufbereitung der Fördermedien eine entscheidende Rolle für den Projekterfolg. Herrenknecht Separations lieferte eine projektspezifische Separationsanlage einschließlich Kammerfilterpressen sowie Wasseraufbereitungsanlagen an Start- und Zielschacht.
Die Anlagen gewährleisteten den kontinuierlichen Slurry-Kreislauf während des Tunnelvortriebs und sorgten gleichzeitig für eine effiziente Entwässerung feinster Bodenbestandteile. Dadurch konnten sowohl der Entsorgungsaufwand als auch die erforderlichen Transportmengen reduziert werden. Gleichzeitig stellten die Wasseraufbereitungsanlagen die ressourcenschonende Nutzung des Prozesswassers sowie dessen sichere Reinigung vor der Rückführung in die Elbe unter Einhaltung der geltenden Umweltauflagen sicher.
Präzise Schalungstechnik für dauerhaft hochwertige Tunnelbauwerke
Für den Ausbau des Tunnels wurden rund 24.000 Betontübbinge produziert. Sie bilden etwa 4.000 Tübbingringe mit einer Breite von jeweils 1,30 Metern und bestehen aus jeweils sechs Segmenten.
Die von Herrenknecht Formwork gelieferten Schalungssysteme einschließlich 3D-Vermessung gewährleisteten die erforderliche Maßhaltigkeit aller Betonfertigteile. Gerade bei langen Tunnelbauwerken ist die exakte Fertigung der Tübbinge entscheidend, damit sich sämtliche Elemente passgenau zusammensetzen lassen und dauerhaft die geforderten statischen und geometrischen Eigenschaften erfüllen.
Elbquerung verdeutlicht die Bedeutung moderner Tunnelbautechnik für den Netzausbau
Mit der erfolgreich beendeten Unterquerung der Elbe unterstreicht das Projekt ElbX die zunehmende Bedeutung spezialisierter Tunnelbautechnik für den Ausbau kritischer Infrastruktur. Unterirdische Querungen ermöglichen den Bau von Energie- und Versorgungsleitungen dort, wo Flüsse, Verkehrswege oder dicht besiedelte Räume alternative Bauverfahren erheblich erschweren würden.
Für den weiteren Ausbau der deutschen Energieinfrastruktur werden in den kommenden Jahren zahlreiche vergleichbare Querungen erforderlich sein. Moderne Tunnelbohrmaschinen, leistungsfähige Separationssysteme sowie hochpräzise Fertigungstechnologien bilden dabei eine wesentliche Grundlage für die wirtschaftliche und technisch sichere Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte. Die erfolgreich abgeschlossene Unterquerung der Elbe zeigt exemplarisch, welche Rolle integrierte Tunnelbautechnologien künftig beim Ausbau der Stromnetze und anderer unterirdischer Leitungsinfrastrukturen übernehmen werden.










