Fassade

Max Kandler,

Keramische Vertikalfassade für den Industriebau von Leipfinger-Bader

Industriegebäude stehen zunehmend vor der Herausforderung, funktionale Anforderungen mit einer anspruchsvollen architektonischen Gestaltung zu verbinden. Besonders bei großflächigen Produktions- und Logistikgebäuden spielt die Fassade eine entscheidende Rolle: Sie schützt nicht nur die Gebäudesubstanz, sondern prägt die Wahrnehmung eines Unternehmens und integriert Neubauten in bestehende städtebauliche Strukturen.

Tonality-Keramik mit einer abwechslungsreichen Dynamik und farbigen Tiefe kennzeichnet die neue Deprag-Logistikhalle in Amberg. © heinl-foto.de

Ein Beispiel dafür ist der Erweiterungsbau der Deprag Schulz GmbH & Co. in Amberg. Die neue Produktions- und Logistikhalle erhielt eine speziell entwickelte Fassade aus Tonality-Keramik von Leipfinger-Bader. Durch vertikal strukturierte Keramikelemente, unterschiedliche Rottöne und eine ausgeprägte Reliefwirkung entsteht eine Gebäudehülle, die industrielle Funktionalität mit einer eigenständigen architektonischen Sprache verbindet.

Die überwiegend geschlossene Fassadenfläche wirkt durch die Kombination aus plastischen Oberflächen und vertikalen Gestaltungselementen abwechslungsreich und dynamisch. Gleichzeitig nimmt die Farbgestaltung Bezug auf die historische Backsteinarchitektur der Umgebung und schafft eine Verbindung zwischen Neubau und gewachsenem Stadtbild.

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Erweiterung am Standort Amberg schafft neue Kapazitäten

Mit einer Investition von fünf Millionen Euro stärkt die Deprag Schulz GmbH & Co. ihren Standort in Amberg. Der Neubau erweitert die vorhandenen Kapazitäten und schafft zusätzliche Flächen für Logistik und Produktion. Die Erweiterung reagiert auf das Wachstum des Unternehmens und ermöglicht eine effizientere Organisation der innerbetrieblichen Abläufe.

Der Neubau entstand an der Kreuzung Schlachthausstraße und Gasfabrikstraße in unmittelbarer Nähe zum historischen Werksgelände des seit 1931 in Amberg ansässigen Unternehmens. Aufgrund der Lage nahe der Altstadt bestand eine besondere planerische Aufgabe darin, ein modernes Industriegebäude zu entwickeln, das sich harmonisch in die bestehende Umgebung einfügt.

Gerade bei großformatigen Industriebauten mit langen, geschlossenen Fassadenflächen kommt der Gestaltung der Gebäudehülle eine besondere Bedeutung zu. Material, Struktur und Farbgebung entscheiden darüber, ob ein Baukörper monoton wirkt oder eine prägnante architektonische Identität entwickelt.

Historische Architektur modern interpretiert

Tonality-Keramikfassaden eignen sich für den Einsatz bei ganz unterschiedlichen Projekten: von der Logistikhalle über das Bürogebäude bis hin zum Gemeindezentrum. © heinl-foto.de

Die Gestaltung des Neubaus orientiert sich an den historischen Shedhallen und der regional geprägten Backsteinarchitektur. Ziel war es, diese charakteristischen Elemente nicht zu kopieren, sondern zeitgemäß weiterzuentwickeln.

Die Fassade übernimmt dabei eine vermittelnde Funktion zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die keramische Oberfläche greift die Farbwelt der Umgebung auf und interpretiert sie mit modernen technischen Möglichkeiten neu. Dadurch entsteht ein Industriebau, der seine Nutzung klar erkennen lässt und gleichzeitig einen hochwertigen architektonischen Anspruch erfüllt.

Für die Planung zeichnete das Architekturbüro evh_architekten gmbh aus Amberg verantwortlich. Gemeinsam mit Tonality wurde eine vorgehängte hinterlüftete Keramikfassade entwickelt, die sowohl konstruktive Anforderungen als auch gestalterische Ziele erfüllt.

Vertikale Keramikelemente erzeugen Tiefe und Bewegung

Die besondere Wirkung der Fassade entsteht durch das Zusammenspiel zweier Keramikelemente: individuell profilierte Keramikplatten und vertikal angeordnete Baguettes, auch Squares genannt.

Die profilierten Keramikplatten mit einer Größe von 443 mal 38 Millimetern wurden auf einer Fläche von rund 770 Quadratmetern eingesetzt. Ihre Oberfläche ist durch regelmäßig angeordnete Erhebungen und Vertiefungen geprägt. Je nach Tageszeit und Sonnenstand entstehen dadurch unterschiedliche Licht- und Schatteneffekte, die der großen Fassadenfläche eine lebendige Struktur verleihen.

Zusätzlich setzen vertikal montierte Baguettes mit einem Format von 60 mal 60 Millimetern gezielte Akzente. Die Elemente ragen 22 Millimeter über die Oberfläche der Keramikplatten hinaus und verstärken die plastische Wirkung der Gebäudehülle. Durch unterschiedliche Farbtöne und eine unregelmäßige Anordnung entsteht ein Fassadenbild mit mehreren Tiefenebenen.

Insgesamt fertigte Tonality 790 laufende Meter Baguettes für das Projekt. Die vertikalen Elemente übernehmen dabei nicht nur eine gestalterische Funktion, sondern unterstützen auch die rhythmische Gliederung der großflächigen Fassade.

Leistungsfähige Keramik für langlebige Gebäudehüllen

Neben der architektonischen Qualität überzeugt die Tonality-Keramik durch ihre materialtechnischen Eigenschaften. Die Herstellung basiert auf einem speziellen Vakuum-Extrudierverfahren, bei dem die Keramikelemente unter hohem Druck geformt werden.

Die intensive Aufbereitung von Ton und Schamotte sowie der anschließende Brennvorgang bei Temperaturen von bis zu 1.200 Grad Celsius führen zu einer besonders dichten Materialstruktur. Während des Brennprozesses werden die Rohstoffe dauerhaft miteinander verbunden und die Oberfläche erhält ihre hohe Widerstandsfähigkeit.

Für Industriebauten ist diese Robustheit ein entscheidender Faktor. Die keramische Fassade ist unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie Witterung, Verkehrsbelastungen oder mechanischen Beanspruchungen im Umfeld industrieller Nutzung. Gleichzeitig bleibt die Farbgebung dauerhaft erhalten.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Wartungsfreundlichkeit: Die Oberfläche verfügt über einen werkseitig integrierten Graffitischutz, der nicht regelmäßig erneuert werden muss. Sollte es dennoch zu Beschädigungen einzelner Elemente kommen, können diese dank des Einhängesystems gezielt und zerstörungsfrei ausgetauscht werden.

Tonality-Keramik als Lösung für anspruchsvolle Industriearchitektur

Das Projekt in Amberg zeigt, welchen Stellenwert die Fassade bei modernen Industriebauten einnimmt. Sie ist nicht nur funktionaler Bestandteil der Gebäudehülle, sondern auch Ausdruck der Unternehmensidentität und ein wichtiger Faktor für die langfristige Qualität eines Bauwerks.

Mit der Kombination aus vertikaler Struktur, keramischer Materialität und objektspezifischer Farbgestaltung zeigt die Fassade aus Tonality-Keramik von Leipfinger-Bader, wie sich großflächige Industriegebäude nachhaltig, robust und architektonisch anspruchsvoll realisieren lassen.

Für Bauherren und Planer wird damit deutlich: Auch funktionale Zweckbauten können durch eine durchdachte Fassadengestaltung dauerhaft Wert schaffen – technisch ebenso wie gestalterisch.

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