Ziegel

Max Kandler,

Leipfinger-Bader erreicht wichtigen Meilenstein für kreislauffähiges Bauen

Die Transformation der Bauwirtschaft hin zu mehr Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft stellt Hersteller, Planer und Bauunternehmen gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Baustoffen, die ökologische Anforderungen erfüllen und sich dennoch problemlos in bestehende Planungs- und Genehmigungsprozesse integrieren lassen. Mit der nun erteilten Bauaufsichtlichen Zulassung für den Kaltziegel hat Leipfinger-Bader einen wichtigen Schritt erreicht, der weit über das einzelne Produkt hinaus Bedeutung für die gesamte Branche besitzt.

Mit der Entwicklung und bauaufsichtlichen Zulassung des Kaltziegels hat Leipfinger-Bader die notwendigen technischen und rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um diese Produktkategorie in den konventionellen Hochbau zu integrieren. © Thomas Straub

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat dem innovativen Recyclingziegel die Zulassung Z-17.13-1328 erteilt. Damit steht erstmals ein vollständig aus recyceltem Ziegelmaterial hergestellter Mauerstein mit offiziell bestätigter Verwendbarkeit für baurechtlich geregelte Anwendungen zur Verfügung. Die Zulassung dokumentiert zugleich die technische Reife des Systems und schafft Planungssicherheit für Bauherren, Projektentwickler und ausführende Unternehmen.

Vom Produktionsrest zum zugelassenen Baustoff

Der Kaltziegel basiert auf einem Ansatz, der die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konsequent in den Mauerwerksbau überträgt. Ausgangsmaterial sind recycelte Ziegelreste aus der Produktion sowie mineralische Bau- und Abbruchmaterialien. Durch ein spezielles Herstellungsverfahren entstehen daraus neue Mauersteine, ohne dass ein energieintensiver Brennprozess erforderlich ist.

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Damit unterscheidet sich der Kaltziegel grundlegend von klassischen Ziegelprodukten. Während konventionelle Mauerziegel hohe Brenntemperaturen benötigen, erfolgt die Herstellung durch Kaltpressung und anschließende Lufttrocknung. Dieser Prozess reduziert den Energiebedarf deutlich und ermöglicht die Wiederverwendung mineralischer Stoffströme innerhalb eines geschlossenen Materialkreislaufs.

Für die Baupraxis besonders relevant ist die nun bestätigte Normkonformität des Baustoffs. Die Zuordnung erfolgt gemäß EN 771-3. Grundlage hierfür ist das spezielle kalte Herstellungsverfahren und nicht ein Betoncharakter des Materials. Damit wird die technische Einordnung des Produkts eindeutig geregelt und die Anwendungssicherheit erhöht.

Technische Eigenschaften für tragende Konstruktionen und Brandschutz

Bei einem Projekt in Tirschenreuth kam der Kaltziegel bereits als tragende Innenwand zum Einsatz. © Leipfinger-Bader

Mit der erteilten Zulassung kann der Kaltziegel als Planvollstein und Planvollblock in den Druckfestigkeitsklassen 6 bis 12 eingesetzt werden. Die nachgewiesenen fk-Werte von 3,0 bis 4,8 MN/m² ermöglichen den Einsatz in tragenden und raumabschließenden Wandkonstruktionen.

Auch hinsichtlich des Brandschutzes erfüllt der Recyclingziegel wesentliche Anforderungen moderner Bauprojekte. Die zugelassenen Rohdichteklassen von 1,60 und 1,80 kg/dm³ bilden die Grundlage für die Einstufung in die Feuerwiderstandsklassen F 30-A, F 60-A und F 90-A. Dadurch eignet sich der Baustoff auch für Brandwände mit einer Mindestwanddicke von 240 Millimetern.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte in der Fachwelt die Zulassung für unverputzte Brandwände erhalten. Diese eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für die architektonische Gestaltung und bietet Planern mehr Flexibilität bei der Umsetzung anspruchsvoller Mauerwerkskonzepte.

Bedeutung für die Baupraxis wächst

Die Erteilung der Bauaufsichtlichen Zulassung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bauwirtschaft verstärkt nach Lösungen sucht, um Materialkreisläufe zu schließen und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Für Bauunternehmen und Projektverantwortliche gewinnt dabei die Frage an Bedeutung, ob innovative Baustoffe nicht nur ökologisch überzeugen, sondern auch die erforderlichen technischen und rechtlichen Nachweise erfüllen.

Genau an diesem Punkt setzt die Zulassung des Kaltziegels an. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Recyclingmaterialien in einem regulierten Marktumfeld auf Augenhöhe mit etablierten Baustoffen eingesetzt werden können. Die bestätigte Normkonformität erleichtert die Integration in Ausschreibungen, Genehmigungsverfahren und Planungsprozesse und reduziert gleichzeitig mögliche Unsicherheiten bei der Projektabwicklung.

Relevanz für nachhaltige und zertifizierte Gebäude

Neben den technischen Eigenschaften rückt zunehmend die Umweltbilanz von Baustoffen in den Fokus institutioneller Investoren, Wohnungsbaugesellschaften und öffentlicher Auftraggeber. Der Kaltziegel erfüllt zentrale Anforderungen an Ressourcenschonung, Kreislauffähigkeit und energieeffiziente Herstellung.

Dadurch ergeben sich zusätzliche Einsatzmöglichkeiten in Projekten, die Nachhaltigkeitskriterien oder Zertifizierungssysteme berücksichtigen. Nach Angaben von Leipfinger-Bader kann der Recyclingziegel auch als Baustein für Gebäude mit QNG-Zertifizierung eingesetzt werden. Das ausgewiesene Treibhauspotenzial einer 24 Zentimeter starken Wand liegt bei 21 Kilogramm CO₂-Äquivalenten pro Quadratmeter.

Für die Branche ist dies ein Hinweis darauf, dass kreislauffähige Baustoffe zunehmend den Übergang von Pilotprojekten in den regulären Markt schaffen. Mit der offiziellen Zulassung steht nun ein Recyclingprodukt zur Verfügung, das die Anforderungen an technische Leistungsfähigkeit und baurechtliche Verwendbarkeit gleichermaßen erfüllt.

Signalwirkung für die Zukunft des Mauerwerksbaus

Die Entwicklung des Kaltziegels zeigt exemplarisch, wie sich Innovationen im Bauwesen durch technische Nachweise und regulatorische Anerkennung etablieren können. Die nun bestätigte Bauaufsichtliche Zulassung dokumentiert nicht nur die Leistungsfähigkeit des Produkts, sondern unterstreicht auch die wachsende Bedeutung von Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz im Mauerwerksbau.

Für Bauunternehmen, Planer und Investoren entsteht dadurch eine zusätzliche Option, Nachhaltigkeitsziele mit den Anforderungen an Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und technische Qualität zu verbinden. Die von Leipfinger-Bader erreichte Normkonformität könnte damit als wichtiger Impuls für die weitere Entwicklung kreislauffähiger Baustoffe im deutschen Bauwesen wirken.

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