Spezialtiefbau
Uretek: Endfestigkeit in 15 Minuten
Was, wenn kein Platz ist, um ein Fundament aufzureißen? Michael Hermann und Jens Gnauck von Uretek wissen es:
Baugewerbe:
Welche Services bietet Uretek seinen Kunden genau?
Michael Hermann:
Wir sind ein Spezialtiefbauunternehmen und im Bereich der minimalinvasiven Baugrundverstärkung tätig. Veränderungen im Baugrund können auf natürlichem Weg entstehen oder sind vom Menschen beeinflusst. Starkregenereignisse können zu Ausspülungen führen, lange Trockenperioden bei schrumpfempfindlichen Böden problematisch sein, zum Beispiel bei Ton- und Lehmböden. Auflasterhöhungen von Gebäuden oder Betonboden können auch für Schwächungen im Baugrund sorgen und die Statik bedrohen Ein Baugrund kann aber auch geschwächt sein, wenn er zum Beispiel einen hohen Wasseranteil oder einen hohen Anteil organischer Stoffe hat. Gerade im Bestand sind dann Bauverfahren gefragt, die möglichst wenig Eingriff in die Bausubstanz mit sich bringen.
BGW:
Uretek setzt auf minimalinvasive Injektionen, in welchen Bereichen sind Sie dabei tätig?
Hermann:
Wir stabilisieren und heben Gebäude und Betonböden ausschließlich im Bestand. Hier wird es mit konventionellen Methoden oft schwierig. Sprich: Gebäude aufgraben, das Fundament unterfangen – das ist nicht überall möglich. Bei Maschinen und Anlagen wäre es viel zu aufwendig und langwierig, die Anlage abzubauen und nach getaner Arbeit wieder aufzubauen. Mit unserem minimalinvasiven Verfahren geht das merklich schneller. Wir verpressen mit unseren Lanzen zielgerichtet ein Polyurethan-Harz in die Schwächezonen des Baugrunds.
Jens Gnauck:
Man kann sich das Ganze in drei Schritten vorstellen. Wir bohren zunächst die Löcher. Je nach Verfahren 12 bis 16 mm groß. Danach bauen wir die Injektionslanzen ein, bringen das Material über einen Schlauch an die Injektionsstelle und verpressen das Harz mit geringem Druck. Das Harz dehnt sich im Untergrund aus und verstärkt den Baugrund.
Wie kürzlich bei einem Pflegeheim. Hier musste aufgrund von großflächigen Hohlräumen durch Ausspülungen die Sicherung schnell erfolgen. Das Problem war, dass die Schadensquelle nicht sofort gefunden werden konnte, der Betreiber aber eine Evakuierung der Bewohner verhindern wollte. Nach der provisorischen Sicherung des Heims konnten wir schließlich den Hohlraum unter der Bodenplatte mit dem PU-Harz verpressen und das Gebäude stand wieder kraftschlüssig.
Hermann:
Der Einsatz von Zementinjektionen kam wegen der deutlich verzögerten Erstarrung und dem Einsatz großer Maschinen nicht in Frage. Schon in 15 Minuten hat das injizierte Uretek-Expansionsharz annähernd die Endfestigkeit erreicht. Das Polyurethanharz besteht aus zwei Komponenten, die in der Injektionspistole vermischt werden. Es wirkt quasi beim Austreten aus der Lanze und an der richtigen Stelle.
Sie setzen ein Zweikomponenten-Expansionsharz ein; welche Anforderungen stellt das an Mensch und Maschine?
Gnauck:
Die Mitarbeiter werden in Sachen Diisocyanaten geschult, die Einhaltung der Arbeitssicherheit, also beispielsweise das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung ist oberstes Gebot. Dazu kommt die regelmäßige Wartung der Maschinen. Als Einsatzfahrzeug dient ein 26-t-Lkw. Auf diesem sind zwei Polyurethanpumpen installiert. Dazu zwei Arbeitscontainer für die beiden Materialkomponenten. Diese werden in die Pumpe geführt und dann durch einen 70 m langen Schlauch zur Injektionsstelle transportiert. In der Injektionspistole wird das Material vermischt und in den Baugrund injiziert. Wir bauen bei jedem Einsatz Rotationslaser auf. Dazu Laserempfänger, die wir am Bauwerk befestigen oder aufstellen. Dadurch, dass das Material so schnell reagiert, erhalten wir ein unmittelbares Ergebnis. Sprich, wir warten eine Hebungsreaktion ab. Diese zeigt an, dass kein Hohlraum mehr vorhanden ist, weil offensichtlich ein Kraftschluss erfolgt ist.
Hermann:
Wir haben unterschiedliche Harzrezepturen, die wir entsprechend einsetzen. Wenn wir heben wollen, etwa unter Fundamenten von Gebäuden, verwenden wir ein stark quellendes Material. Unter Betonböden wiederum – etwa in der Industrie oder Logistik – und wenn wir etwas in den Plattenrandbereichen egalisieren müssen, setzen wir Material ein, das zeitverzögert reagiert. Dieses Harz kann erst einmal in entstandene Hohlräume fließen, bevor es quillt. Außerdem quillt es weniger stark, damit der Effekt nicht über das festgelegte Maß hinausgeht.
BGW:
Uretek hat sich auch dem Umweltschutz verschrieben. Wie genau setzen Sie diesen Anspruch um?
Hermann:
Wir helfen Gebäude zu erhalten und verhindern damit in manchen Fällen den Abriss. Auch leisten wir einen Beitrag zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum auf bestehenden Gebäuden, wenn wir bei Lastüberschreitungen die bestehenden Fundamente ertüchtigen. So könnten Millionen von Wohneinheiten entstehen ohne weitere Flächenversiegelungen. Und das kostengünstig, ohne Platzproblem und nachhaltig.
Gnauck:
Wir verpressen einen Kunststoff in den Boden. Da stellen sich Fragen nach der Verträglichkeit für Menschen, Tiere und Pflanzen. Das Verfahren wurde unter anderem vom Deutschen Institut für Bautechnik untersucht. Die Umweltverträglichkeit, also etwa die Beeinflussung von Bakterien und Pflanzen, kann sicher ausgeschlossen werden.
Hermann:
Wir dürfen direkt ins Grundwasser injizieren. Sogar in Heilwasserschutzgebieten. Auch die Entsorgung ist kein Problem. Das Material ist kein Sondermüll und kann als Baumischabfall entsorgt werden.
BGW:
Gibt es Einschränkungen für das Verfahren?
Gnauck:
Ja, bei organischem Untergrund, also Torf oder aufgeweichten, bindigen Böden, die über 30 cm Schichtdicke haben. Bei 2 Metern Torf beispielsweise ist die Tiefeninjektionsmethode nicht geeignet. Dann müssen andere Lösungen Abhilfe schaffen. Etwa nachträgliches Einsetzen von Pfählen, eventuell durch unsere HybridInjection-Methode.
Hermann:
Unsere eigene Forschungsabteilung hat ein Verfahren entwickelt, auch dann zu injizieren. Wir können das Material in vorkonfektionierte Gewebeschläuche füllen. Diese werden durch ein schmales Bohrloch in den Boden eingeführt und die organischen Schichten überbrückt. In diesen sogenannten Bodenverbesserungssäulen wird die Injektionslanze während des Verpressens langsam nach oben gezogen. Durch die schnelle Aushärtung und die radiale Verdrängung erzeugen wir eine Bodenverbesserung und tragen zur Lastabtragung bei.
BGW:
Worauf dürfen wir uns noch freuen?
Hermann:
Wir werden unseren "Baukasten" an Methoden zur Baugrundverstärkung neben dem minimalinvasiven Ansatz erweitern und uns Böden zuwenden, in denen keine Injektion möglich ist. Mit Presspfählen wollen wir für möglichst alle Bodenverhältnisse eine Lösung anbieten. Die 50 cm hohen Stahlrohre mit einem Durchmesser von circa 25 cm werden Stück für Stück eingepresst, bis tragfähiger Boden erreicht ist. So können wir ebenfalls stabilisieren und heben.
Dieses Interview erschien zuerst in Ausgabe 03_2024.












