Nachhaltiges Baukonzept
Pilotprojekt mit innovativen Holz-Beton-Verbunddecken
In Amstetten, Österreich, fand ein innovatives Pilotprojekt statt: Bei der Sanierung eines Wohnhauses in der Villenstraße kamen erstmals industriell vorgefertigte und geklebte Holz-Beton-Verbunddecken (HBV-Decken) zum Einsatz. Die Unternehmensgruppe fischer und die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) entwickelten diese neuartige Bauweise in einem gemeinsamen Forschungsprojekt, das ein innovatives Klebeverfahren einsetzt und in den kommenden Jahren getestet werden soll.
Das Ziel dieser geklebten Holz-Beton-Verbunddecken ist es, die Effizienz im Herstellungsprozess und die Nachhaltigkeit im Bauwesen zu steigern. Der leistungsstarke fischer High-Tech-Klebstoff auf Epoxidharzbasis ermöglicht es, die Fugen der Verbundelemente sauber zu trennen, was eine spätere Wiederverwertung erleichtert. Dadurch wird das Bauen kreislauffähiger und ressourcenschonender. Zudem erlaubt das System eine separate Vorfertigung der Holz- und Betonelemente, was das Risiko von Feuchteeinträgen in das Holz reduziert und die Flexibilität in der Fertigung und Lagerung erhöht.
Expertenbeteiligung und Wissenstransfer
Das Forschungsprojekt wird von Univ.-Prof. Dr. Benjamin Kromoser von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) begleitet, der sich intensiv mit ressourceneffizientem Hochbau und kreislaufgerechtem Bauen befasst. Kromoser stellte seine eigene Liegenschaft in Amstetten als Bauherr zur Verfügung, um das Konzept einer nachhaltigen Bauweise in die Praxis zu überführen. „Mit dem Ziel, ressourcenschonendes und recyclingfähiges Bauen voranzubringen, transferiere ich meine Forschung in die Praxis und experimentiere auch bei meinem privaten Sanierungsprojekt mit bauteilaktivierten, geklebten HBV-Decken“, so Kromoser. Die Möglichkeit, Forschungskonzepte in der Praxis über Jahre hinweg zu beobachten und auszuwerten, schaffe laut Kromoser wertvolle Erkenntnisse.
Das sanierte Wohnhaus mit einer Grundfläche von 10,5 x 12 Metern und insgesamt rund 280 m² Nutzfläche wurde nicht abgerissen, sondern renoviert, um die Umweltbilanz zu verbessern. Das Gebäude wird durch den Einsatz der HBV-Decken und weiterer innovativer Materialien auf ein flexibles, multifunktionales Nutzungskonzept für die kommenden 100 Jahre ausgelegt.
Vorteile der Holz-Beton-Verbunddecken
Die geklebten Holz-Beton-Verbunddecken bieten aufgrund der Materialkombination eine hohe Tragfähigkeit bei geringer Bauhöhe. „Holz trägt zur Zugfestigkeit, Beton zur Druckfestigkeit bei. Durch den Klebeverbund wird die Tragfähigkeit und Steifigkeit erhöht, was geringere Durchbiegungen ermöglicht“, erklärt Kromoser. Dies führt zu einer schlankeren Bauweise und einer effizienten Raumnutzung – ein wesentlicher Vorteil insbesondere für den mehrgeschossigen Wohnbau. Die geringere Betonmenge verringert zudem die CO₂-Bilanz, während der verstärkte Einsatz von Holz als nachwachsender Rohstoff die Umweltbilanz weiter verbessert.
Dank des Klebeverfahrens gestaltet sich der Herstellungsprozess ressourceneffizienter und besser an die Anforderungen des nachhaltigen Bauens angepasst. Die industrielle Vorfertigung und Standardisierung der Holz-Beton-Elemente gewährleistet zudem eine hohe Ausführungsqualität.
Erste prototypische Anwendung und Umsetzung
Die Holz-Beton-Verbunddecken wurden werkseitig von der MMK Holz-Beton-Fertigteile GmbH in Wöllersdorf vorgefertigt und Anfang 2024 auf der Baustelle in Amstetten installiert. Die Montage der Balkendecken auf rund 150 m² in zwei Geschossen übernahmen Zimmerer vom Lagerhaus MeisterCenter Zwettl. Zusätzlich wurde eine Bauteilaktivierung zur Kühlung und Heizung integriert. In der Garage wurde auf weiteren 45 m² eine Flachdecke aus einer durchgehenden Beton- und Brettsperrholzplatte (CLT) verbaut, die hohe Formstabilität und Tragfähigkeit bietet und sich besonders für geringe Bauhöhen eignet.
Durch unterschiedliche Montageverfahren wurden die Decken zum Teil in bestehende Wände verankert und zum Teil auf Mauerkränze gelegt. „Dass ich nachhaltiges Bauen nicht nur lehre, sondern auch selbst umsetze, ist meine Leidenschaft“, erklärt Kromoser. „Mein eigenes Objekt dient als erste praktische Anwendung unseres HBV-Systems und wird wesentlich zur Weiterentwicklung dieses Bauansatzes beitragen.“
Dieses Projekt stellt einen bedeutenden Schritt für den Forschungs- und Innovationstransfer in die Baupraxis dar und liefert wertvolle Erkenntnisse für zukunftsweisendes, nachhaltiges Bauen.











