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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe EXKLUSIV

Dr. Martina Schneller,

Eine Assistenz namens KaI

Das Handwerk hat alle Hände voll zu tun, und so trifft der  Arbeitskräftemangel Handwerksbetriebe im Besonderen. Und das, wo genau das Handwerk auf freie Hände angewiesen ist. Welche Lösungen es gibt, erklärt Dr. Martina Schneller vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk:

Wie wäre es, wenn die Assistenz die Kundenanfragen entgegennimmt, typische Fragen beantwortet und dafür sorgt, dass Sie bei Ihrer Rückmeldung schon alle notwendigen Informationen vorliegen haben und sich auf das Beratungsgespräch konzentrieren können © Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk

Wenn diese jedoch am Telefon, bei der Erstellung von Angeboten, auf der Suche nach Arbeitskräften, Materialien beziehungsweise Werkzeugen oder in andere zeitintensiven (Routine-)Aufgaben gebunden sind, dann fehlen diese Hände für das tatsächliche Handwerk. Eine Assistenz wäre da schon schön, oder?

So einen Assistenten oder eine Assistentin, wie Alexa oder Siri, mit deren Hilfe Informationen abgerufen, Anrufe getätigt oder einfach nur Musik abgespielt werden kann. Wie die Navigation im Auto, um die schnellste oder kürzeste Strecke ohne Staus zu fahren. Oder wie eine Smartwatch bzw. ein Fitnesstracker, der unsere Gesundheit überwacht, uns motiviert, die gesetzten Ziele zu erreichen. Oder ein Übersetzungsprogramm, das uns bei der Verständigung im Ausland hilft und den deutschen Text in die jeweilige Sprache übersetzt. Assistenten, die wir in unserem Alltag teilweise täglich nutzen. Wie schaut es aber im dienstlichen Alltag aus?

Wie wäre es, wenn die Assistenz die Kundenanfragen entgegennimmt, typische Fragen beantwortet und dafür sorgt, dass Sie bei Ihrer Rückmeldung schon alle notwendigen Informationen vorliegen haben und sich auf das Beratungsgespräch konzentrieren können. Oder präzise Kostenvoranschläge erstellt und so den Angebotsprozess beschleunigt. Oder den Material-Lagerbestand überwacht und auf Basis der Aufträge vorhersagt, wann bestimmte Teile aufgebraucht sein könnten, um frühzeitig eine Bestellung auslösen zu können. Oder den Energieverbrauch in elektrischen Systemen und Gebäuden optimiert. Klingt gut, oder?

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Nennen wir diese Assistenz mal KaI, das macht es einfacher. Und schauen mal, welche Kompetenzen vorhanden sind. KaI kann zählen, sprechen, schreiben und lesen. KaI spricht unterschiedliche Sprachen – natürlich nicht als Muttersprachler – und kann diese auch verarbeiten. KaI kann Daten analysieren, ordnen und Ausreißer erkennen. KaI kann malen und zeichnen, aber auch Bilder analysieren. KaI lernt aus Erfahrungen, erkennt Muster, trifft Entscheidungen und löst Probleme. Dafür benötigt KaI entsprechende Daten als Grundlage und hinterlegte Denkmuster. KaI ist also gut im logischen Denken.

Wenn Sie sich nun gewundert haben, warum KaI so komisch geschrieben wird. Das können wir aufklären: Genau wie unser Navigationssystem ist KaI keine reale Person. KaI steht für künstliche Intelligenz oder, wie sie im Englischen genannt wird, für artificial intelligence. Künstliche Intelligenz agiert auf Basis von algorithmischen Methoden, also auf Berechnungsverfahren. Diese sind nicht neu – der Taschenrechner ist das beste Beispiel. Ein Algorithmus war ein vorgegebenes Verfahren, um mit Zahlen zu arbeiten. Heute wird der Begriff etwas allgemeiner formuliert: Ein Algorithmus ist eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung einer gegebenen Aufgabe – man kann es sich vorstellen wie eine Art Checkliste. Die Intelligenz von KaI basiert also auf einer Reihe von Anweisungen, wie eine bestimmte Aufgabe ausgeführt werden soll. Der entscheidende Unterschied von früher zu heute liegt in der Fähigkeit, dass KaI "lernen" kann und sich so selbstständig verbessert. Während der herkömmliche Algorithmus unverändert bleibt und immer exakt gleich arbeitet, verbessert ein KI-Algorithmus seine Leistung, indem er aus Erfahrungen, Daten oder der Interaktion mit seiner Umgebung (uns) sich kontinuierlich optimiert.

Populär geworden ist künstliche Intelligenz Ende 2022 als ChatGPT die Welt eroberte. Gegeben hat es diese schon vor über 70 Jahren. Allerdings wurde sie nur von Forschenden genutzt oder in der Welt der Spiele eingesetzt. ChatGPT ist aber nur eine KI-Anwendung. Es handelt sich hier um einen Chatbot, der trainiert wurde, menschenähnliche Dialoge zu führen und Wissen aus einer Vielzahl von Bereichen bereitzustellen.

Populär geworden ist künstliche Intelligenz Ende 2022 als ChatGPT die Welt eroberte. © Pelemedia (Symbolbild)

Wie kann KaI Ihnen als Assistent nun zur Seite stehen? Oftmals sind es spezifische Aufgaben, eine Routine oder Kleinigkeiten, die jede Menge Kapazität binden, die in wichtigeren Aufgaben gebraucht werden. Aber gerade spezifische, klar definierbare Regelwerke lassen sich algorithmisch zerlegen und in KI-Systemen – wie unserem Assistenten KaI – umsetzen.

Ein Beispiel für eine dieser zeitfressenden Kleinigkeiten ist das Telefon, das garantiert immer dann klingelt, wenn man es nicht gebrauchen kann. Ein KI-gestützter Anrufbeantworter kann eine Erreichbarkeit rund um die Uhr ermöglichen und im Gegensatz zu den blechernen alten Systemen auch in natürlicher Sprache mit der Kundschaft kommunizieren. Die üblichen Fragen zu Produkten, Terminvereinbarungen, Rückmeldungen auf eine Nachricht – all das kann automatisiert werden. Inhalte werden von der KI übersichtlich zusammengefasst, sodass keine Informationen verloren gehen und Dinge abgearbeitet werden können, wenn die Hände wieder frei sind.

Welche anderen Aufgaben KaI noch so erledigen kann, schauen wir uns in den kommenden Ausgaben an. Und wenn es Ihnen bis dahin zu lange dauert, dann melden Sie sich einfach bei uns – dem Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk.

Etwas möchte ich Ihnen noch mitgeben: Genau wie unser Taschenrechner nicht das richtige Ergebnis auswirft, wenn er falsch gefüttert wurde, so macht KaI Fehler, wenn nicht die richtigen Daten verarbeitet wurden oder aus der Interaktion mit dem Menschen oder Daten etwas gelernt hat, was nicht der Realität entspricht. Deshalb müssen wir zum einen verstehen, wie KI arbeitet, um die Ergebnisse nachvollziehen zu können. Und dürfen sie nur als Assistenz betrachten, deren Ergebnisse überprüft werden müssen. KI ist nur ein Algorithmus – KI ist nicht wirklich intelligent.

Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in Ausgabe 10_2024.

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