Zwischen Tal, Tunnel und Tribüne:

Autodesk,

Ein Blick in ein außergewöhnliches Bauprogramm von Autodesk

Ein staatliches Infrastrukturprogramm in Norditalien bündelt fast hundert Straßen, Bahn und Sportbauprojekte rund um ein internationales Sportevent in Cortina.

Für die olympischen Spiele mussten zahlreiche Bauprojekte umgesetzt werden. © Autodesk

Statt klassischer Projektsteuerung setzt die Projektgesellschaft SIMICO auf eine gemeinsame digitale Umgebung mit Autodesk. Und kreiert eine Blaupause dafür, wie sich parallele Baustellen koordinieren lassen.

Auf dem Papier klingt vieles überschaubar: ein neuer Tunnel, eine Brücke, ein ergänzendes Straßenstück, einige Sportstätten. Die Realität im Infrastrukturbau sieht anders aus. Wenn ein ganzes Tal angebunden, eine Region auf ein internationales Sportevent vorbereitet und bestehende Verkehrsachsen ertüchtigt werden, wachsen Einzelmaßnahmen zu einem dichten Netz aus Baustellen zusammen.

Genau das passierte in Norditalien. Dort verantwortete die staatliche Gesellschaft SIMICO S.p.A. ein Infrastrukturprogramm, das es in sich hatte: fast hundert Straßen, Bahn und Sportinfrastrukturprojekte, verteilt über mehrere Regionen, mit einem Investitionsvolumen von rund 3,4 Milliarden Euro und einem Endtermin, der nicht verschiebbar war. Für die beteiligten Unternehmen bedeutet das parallellaufende Baustellen, knappe Zeitfenster und eine Öffentlichkeit, die sehr genau hinschaut.

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Wenn klassische Projektsteuerung an ihre Grenzen kommt

Die beschriebene Situation kennen viele Baunternehmen, wenn auch in kleinerem Maßstab. Mehrere Projekte laufen gleichzeitig, die Auftraggeber sind verschieden, die Margen knapp. Der Arbeitsalltag ist geprägt von Planungsständen, die per E-Mail und Messenger kursieren, ExcelListen, in denen Termine, Mengen und Nachträge geführt werden und Diskussionen über „gültige“ Zeichnungen und Rollen.

Bei einem Vorhaben wie in Norditalien bestand die Gefahr, dass ebendiese Dynamik entstehen und dann vollkommen aus dem Ruder laufen könnte, denn SIMICO musste nicht nur ein Bauwerk liefern, sondern dutzende, die funktional zusammenhängen. Klar war, wenn an einer Stelle etwas stockt, gerät schnell das gesamte Gefüge unter Druck. Deshalb haben die Verantwortlichen in Italien früh entschieden: Mit mehr Personal allein ist dieses Risiko nicht beherrschbar. Es braucht eine andere Art, Projekte zu organisieren. Mit klaren Datenflüssen und verbindlichen Spielregeln für alle Beteiligten.

Eine gemeinsame digitale Umgebung statt verteilter Inseln

Kern der Lösung ist eine zentrale, cloudbasierte Plattform, die SIMICO zusammen mit Autodesk aufgesetzt hat. Sie bildete das Rückgrat des gesamten Programms von der ersten Skizze bis zur Übergabe an den Betreiber. Forma Data Management fungiert als gemeinsame Datenumgebung für alle Projekte. Hier laufen Pläne, Modelle, Verträge, Protokolle und Berichte zusammen. Wichtig ist weniger das technische Detail der Software, sondern der

Herausfordernd war auch die Planung von Skispurngschanzen. © Autodesk

organisatorische Effekt: Jeder Plan, jedes Modell hat einen definierten Status, Versionen werden nachvollziehbar geführt. „Planstände im Umlauf“ ohne Freigabe gehören der Vergangenheit an, Freigaben und Prüfungen folgen festgelegten Workflows, die automatisch dokumentiert werden. Für Bauunternehmen minimiert sich so der Interpretationsspielraum, welche Unterlage gilt, gleichzeitig steigt die Sicherheit in der Ausführung. Auf dieser klaren Dokumentenbasis setzte SIMICO konsequent auf modellbasierte Planung.

Mit Autodesk BIM Collaborate Pro wurden Fachmodelle aus Tragwerksplanung, Straßen und Bahnbau, Haustechnik und weiteren Disziplinen in der Cloud zusammengeführt. Mit der Folge, dass Kollisionsprüfungen bereits im digitalen Modell durchgeführt, Änderungen für alle sichtbar im Modell hinterlegt wurden und Kommentare und Anmerkungen direkt am Modell erfolgten, nicht als handschriftlicher Randvermerk im Ausdruck. Damit verschob sich einerseits ein Teil der Konflikte nach vorn in die Planung. Für die Baustelle bedeutete dieses Vorgehen zudem weniger „Überraschungen“ bei der Ausführung und eine bessere Grundlage für Termin und Ressourcenplanung. Denn die digitale Kette endete nicht im Planungsbüro.

SIMICO band die Baustellen in Autodesk Forma ein. Bauleitungen, Poliere und Fachbauüberwachung griffen auf mobile Endgeräte zurück, um aktuelle Pläne und Modelle direkt auf der Baustelle einzusehen, Mängel, Behinderungen und Nachträge zu erfassen und Fortschritte und Qualitätsprüfungen mit Fotos und Positionen zu dokumentieren. Statt dass Informationen erst im Bautagebuch landeten und von dort mühsam in Berichtswesen und Nachtragsprüfung übertragen werden mussten, standen sie in Echtzeit im System zur Verfügung.

Gerade in Zeiten knapper personeller Ressourcen ist das ein Faktor, der Produktivität spürbar beeinflusst: Ein erfahrener Bauleiter kann mehr Projekte betreuen, wenn er sich nicht mit der Suche nach aktuellen Plänen oder mit manueller Übertragung von Notizen beschäftigen muss.

Aus Bauwerken werden Assets: Digitale Zwillinge als Brücke zum Betrieb

Neben Planung und Bauphase denkt SIMICO den späteren Betrieb als dritte Dimension mit. Für ausgewählte Projekte setzt das Unternehmen Autodesk Tandem ein und kreiert auf Basis der Planungs- und Ausführungsdaten mithilfe digitaler Zwillinge virtuelle Abbilder, die Geometrie mit Informationen zu Bauteilen, Materialien, Anlagen und Wartungsintervallen verknüpfen. Für Betreiber ergeben sich daraus transparente Lebenszyklusdaten: Welche Bauteile wurden wann verbaut? Welche Inspektionen stehen an? Welche Komponenten sind kritisch für den Betrieb?

Ein Weg für die Zukunft des Bauens

Das Infrastrukturprogramm rund um das internationale Sportevent in Cortina ist ein Sonderfall, aber die Herausforderungen sind nicht neu. Drei Punkte lassen sich direkt für vernetztes Bauen übertragen:

Neben den Sportanlagen mussten auch Unterkünfte und andere Gebäude geplant werden. © Autodesk

1. Programme im Blick behalten, auch im Mittelstand. Ob Brückenersatzprogramme, kommunale Straßensanierungen oder Ausbaustufen bei Schienenwegen: Auftragslagen

werden zunehmend in Paketen vergeben. Unternehmen, die ihre internen Prozesse so aufsetzen, dass sie mehrere Baustellen digital und einheitlich steuern können, sind im Vorteil.

2. Governance ernst nehmen, nicht nur „Software anschaffen“. Die Plattform von Autodesk liefert digitale  Werkzeuge. Den Unterschied macht, wie Auftraggeber und Ausführende sie nutzen: Klare Ablagen, definierte Freigaberegeln, saubere Rollen. Wer im Unternehmen verbindliche Standards für Planablage, Versionierung, Mängelmanagement und Nachträge setzt, reduziert Reibungsverluste und stärkt seine Position in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Auftraggebern.

3. Baustelle als Datenlieferant verstehen. Der Mehrwert entsteht erst, wenn Informationen aus der Baustelle in Form von digital erfassten Mängeln, Fortschrittsmeldungen und Dokumentationen strukturiert zurückfließen. So wird aus dem Programm nicht nur ein „Bauauftrag“, sondern eine Datenbasis, die für spätere Projekte, Kalkulationen und Angebote genutzt werden kann.

In den kommenden Jahren werden KI gestützte Auswertungen von Autodesk hinzukommen, etwa, um Fortschritt, Qualitätsdaten oder Risikomuster frühzeitig zu erkennen. Für Bauunternehmen stellt sich deshalb weniger die Frage, ob diese Entwicklung kommt, sondern wie sie sich positionieren. Das Bauprojekt in Cortina liefert hierzu wertvolle Impulse.

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