Großprojekt
Doka auf der Mega-Baustelle Fair
In Darmstadt entsteht mit Fair derzeit eine der weltweit größten Forschungseinrichtungen physikalischer Grundlagenforschung. Betreut wird das Projekt von Züblin und Doka.
Gegenstand der Forschung wird es sein, Materie zu erzeugen, die sonst nur im Universum entsteht. Entsprechend gigantisch ist auch die Baustelle. Mit an Bord für die Bauausführung ist das Unternehmen Züblin, das auf bewährte Schalungslösungen von Doka vertraut.
Die mittelalterlichen Alchemisten sind kläglich daran gescheitert: der Herstellung von Gold. Heute wissen wir auch warum. Derart schwere Elemente wie Gold oder Kupfer bilden sich nur unter extrem hohem Energieaufwand, etwa bei der Kollision zweier Neutronensterne. Sie sind also nicht auf der Erde entstanden, sondern im Universum – und kamen mit Meteoriten auf die noch junge Erde. Doch ein klein wenig könnte der Traum von Alchemisten nun doch noch wahrwerden. Denn Materie zu erzeugen, wie sie sonst nur im Universum entsteht, und zu erforschen, wie genau sie gebildet wird – das wird künftig Gegenstand der Forschung in der internationalen Teilchen-Beschleunigeranlage Fair (Facility for Antiproton and Ion Research in Europe) in Darmstadt sein.
So gigantisch der wissenschaftliche Anspruch, so gigantisch das Bauprojekt. Insgesamt 600.000 m3 Beton und 65.000 t Stahl werden auf einer Fläche von rund 15 Hektar verbaut. Die Gebäudestrukturen reichen zum Teil 17 Meter unter und bis zu 20 Meter über die Erde.
Im Zuge der Baumaßnahmen entstehen insgesamt 25 neue Bauwerke: Beschleuniger- und Experimentierbauten, Labore sowie Betriebs- und Versorgungsstätten. An den 1,1 Kilometer langen unterirdischen Beschleunigerringtunnel im Norden des Areals schließt sich ein komplexes System von Speicherringen und Experimentierstationen an. Mit an Bord für die Bauausführung des Anlagenbereichs Süd ist das Bauunternehmen Züblin, das wiederum auf Schalungslösungen von Doka vertraut.
Statisch abgesichert
Um den hohen Kräften standzuhalten, die bei den Experimenten auf die Bauwerke wirken, werden Decken mit bis zu vier Metern Stärke betoniert – am Stück. Es wirken also schon bei der Betonage und Bauwerkserrichtung immense Kräfte, die abgeleitet werden müssen. Entsprechend hoch war der Bedarf an Schalungsmaterial, das auch in Sachen prüffähige Statik jedem Druck standhält. Deshalb verließ sich die bauausführende Züblin auf Doka. "Da das Projekt so komplex und umfassend ist, war neben der ‚normalen‘ Unterstützung durch unsere Statik-Abteilung immer einer unserer Statiker fest für das Projekt Fair eingeteilt. Jede einzelne Decke, die wir planten, sollte und wurde in diesem Zuge gleich prüffähig aufbereitet", erklärt Niclas Bozyk, technischer Projektleiter für Fair bei Doka, und ergänzt: "Der Arbeitsaufwand – in Sachen Qualität und Quantität – ist enorm. Seit Dezember 2020 wurden bis dato fast 1.000 Pläne erstellt." Züblin habe sich unter anderem deshalb für die Zusammenarbeit mit Doka entschieden, da diesen hohen Bedarf und diese hohe Qualität sowohl an Ingenieurleistung als auch an Material nur wenige Schalungsanbieter liefern könnten, so der verantwortliche Oberbauleiter Roy Gutsche.
Sichere Unterstützung bei Planung und Ausführung
Qualität war auch in puncto Sicherheit von immenser Bedeutung. "Darmstadt und Umgebung gelten deutschlandweit als eine der anspruchsvollsten Regionen für Arbeitsschutz und Baustellensicherheit", so Doka-Projektmanager Lars Nolte. "Um sich das mal vorstellen zu können: Bei diesem Projekt sind bei manchen Größen drei Viertel unseres gesamten Europa-Bestandes an Staxo-100-Gerüstbelegen im Einsatz, um sichere Arbeitswege zu gewährleisten. Es ist eine Wahnsinnsbaustelle, die allein schon durch ihre schiere Größe imponiert." Auch Oberbauleiter Gutsche zeigt sich beeindruckt: "So ein Projekt ist schon was Besonderes. Entsprechend hoch war der Anspruch an die Schalungslösung. Einfache Wandschalungen konnten wir selbst berechnen. Für die komplexen Schalungsaufgaben haben wir auf Dokas Ingenieure vertraut. Bei der Umsetzung auf der Baustelle haben uns dann zwei Richtmeister von Doka unterstützt. Für uns war es insgesamt eine enorme Erleichterung, mit Doka zusammenzuarbeiten. Da können wir uns einfach drauf verlassen, dass es passt."
Fair schließt östlich an das bereits seit 1969 gegründete GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung an. Die Anlage gilt nach Fertigstellung als eine der weltweit größten Anlagen physikalischer Grundlagenforschung, an der rund 3.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 50 Ländern arbeiten werden.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 10_23.













