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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachhaltigkeit

Max Kandler,

Continental beendet den Einsatz von Kohle und Schweröl in der Reifenproduktion

Der Reifenhersteller Continental hat einen zentralen Schritt seiner globalen Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt: Seit Anfang 2026 verzichtet das Unternehmen vollständig auf Kohle und Schweröl als Energiequellen in der Reifenproduktion. Damit markiert der Konzern einen strukturellen Wandel in energieintensiven industriellen Prozessen, die lange Zeit stark von fossilen Brennstoffen geprägt waren.

Die Umstellung auf alternative Energieträger ist ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsbemühungen von Continental. © Pixabay

Für die Branche besitzt dieser Schritt eine besondere Relevanz. Die Reifenherstellung zählt zu den industriellen Produktionsverfahren mit hohem Wärmebedarf. Ein wesentlicher Teil der Energie wird für thermische Prozesse benötigt, etwa bei der Vulkanisation. Erst durch die gezielte Kombination neuer Energiequellen in der Reifenproduktion und die zunehmende Elektrifizierung dieser Prozesse lassen sich Produktionsabläufe grundlegend verändern.

Der Verzicht auf Kohle und Schweröl ist daher nicht nur ein symbolischer Schritt, sondern Teil einer umfassenden Transformation der industriellen Energieversorgung.

Energiebedarf in der Reifenherstellung

Die Herstellung moderner Reifen basiert auf mehreren temperaturintensiven Verarbeitungsschritten. Besonders die Vulkanisation spielt dabei eine zentrale Rolle. In diesem Prozess erhält der Kautschuk seine elastischen Eigenschaften und die notwendige strukturelle Stabilität. Für diese thermische Behandlung wird kontinuierlich Dampf benötigt, der über viele Jahrzehnte hinweg überwiegend durch fossile Energieträger erzeugt wurde.

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Historisch galt Kohle in zahlreichen Produktionsregionen als besonders verlässliche Energiequelle. Auch Schweröl wurde in vielen Industriebetrieben eingesetzt, da beide Energieträger eine konstante Wärmeleistung gewährleisten konnten – insbesondere in Regionen mit begrenzter Gas- oder Strominfrastruktur.

Der technologische Fortschritt eröffnet inzwischen neue Möglichkeiten. Elektrische Wärmetechnologien sowie moderne Anlagen zur Dampferzeugung ermöglichen eine flexiblere und energieeffizientere Gestaltung der Produktionsprozesse. Diese Entwicklung schafft die Grundlage dafür, traditionelle Energieträger schrittweise zu ersetzen.

Neue Energiequellen in der Reifenproduktion

Der aktuelle Energiemix in den Produktionsstätten von Continental basiert auf unterschiedlichen alternativen Energieträgern. Neben Biomasse und Biogas kommen Strom aus erneuerbaren Quellen sowie konventionelle Energieträger mit geringerer CO₂-Intensität wie Flüssiggas (LPG) oder Erdgas zum Einsatz. Dieser Mix sorgt für Versorgungssicherheit und ermöglicht gleichzeitig eine deutliche Reduzierung der Emissionen.

Bereits seit 2020 bezieht Continental ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen. Parallel dazu baut das Unternehmen die eigene Erzeugung regenerativer Energie kontinuierlich aus. Durch diese Maßnahmen konnte die Treibhausgasintensität der Produktion bis 2025 deutlich reduziert werden. Im Vergleich zum Vorjahr sank sie um mehr als zehn Prozent, gegenüber dem Referenzjahr 2019 sogar um rund siebzig Prozent. Gleichzeitig wurden in den vergangenen vier Jahren rund 180.000 Tonnen CO₂ in der Reifenproduktion eingespart.

Diese Zahlen verdeutlichen, welche Rolle die Umstellung der Energiequellen in der Reifenproduktion für die industrielle Dekarbonisierung spielt.

Globale Produktionsstandorte im Wandel

Die Transformation der Energieversorgung zeigt sich besonders deutlich an einzelnen Produktionsstandorten. Während einige Werke bereits frühzeitig auf alternative Energieträger umgestellt wurden, erfolgte der Wandel in anderen Regionen schrittweise – abhängig von Infrastruktur, lokalen Ressourcen und Energiemärkten.

Am Standort Gqeberha in Südafrika wurde die Dampferzeugung früher überwiegend durch Kohle betrieben. Heute nutzt das Werk Biomasse, während der verbleibende Energiebedarf durch Flüssiggas gedeckt wird. Eine ähnliche Entwicklung hat das Reifenwerk im sri-lankischen Kalutara durchlaufen. Dort ermöglicht der Einsatz moderner Biomassekessel inzwischen eine vollständige Dampferzeugung auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

Auch in Europa verändern sich die Strukturen der Energieversorgung. Im tschechischen Otrokovice arbeitet Continental eng mit dem regionalen Energieversorger zusammen. Das örtliche Kraftwerk hat seinen Brennstoffmix schrittweise von Kohle auf Biomasse und Erdgas umgestellt. Dadurch kann das Reifenwerk heute überwiegend mit Dampf aus Biomasse versorgt werden. Gleichzeitig profitieren auch umliegende Gemeinden, die Fernwärme aus einem emissionsärmeren Energiemix beziehen.

Diese Beispiele zeigen, dass der Verzicht auf Kohle und Schweröl nicht allein eine unternehmensinterne Maßnahme ist, sondern häufig auch Veränderungen in regionalen Energiesystemen auslöst.

Bedeutung für Industrie und Bauwirtschaft

Die Umstellung der Energiequellen in der Reifenproduktion verdeutlicht, wie energieintensive Industrien ihre Produktionsprozesse an neue klimabezogene Rahmenbedingungen anpassen. Für Unternehmen im Bau- und Infrastruktursektor ist diese Entwicklung ebenfalls relevant. Produktionsanlagen, Energieinfrastruktur und industrielle Gebäude müssen zunehmend auf neue Technologien und alternative Energieträger ausgelegt werden.

Investitionen in Elektrifizierung, Wärmetechnologien und flexible Energieversorgungssysteme gewinnen damit auch im industriellen Bau an Bedeutung. Projekte zur Modernisierung von Produktionsstandorten erfordern häufig umfassende Anpassungen an Energieanlagen, Versorgungsnetzen und Gebäudetechnik.

Der vollständige Verzicht auf Kohle und Schweröl bei Continental markiert daher nicht nur einen Fortschritt im Klimaschutz, sondern zeigt auch, wie sich industrielle Produktionsstandorte technisch und infrastrukturell weiterentwickeln. Für Entscheider im Baugewerbe bietet dieser Wandel wichtige Einblicke in zukünftige Anforderungen an industrielle Bauprojekte und Energieinfrastruktur.

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