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Artikel und Hintergründe zum Thema

Wirtschaft & Verbände

Susanne Frank,

Langfristige Unternehmensziele ins Auge fassen

Welche Ziele wollen Sie in den kommenden Jahren mit Ihrem Baubetrieb erreichen? Nur wenn Sie diese Frage konkret beantworten können, sind Sie in der Lage, Ihre Marschroute festzulegen und diese umzusetzen. Unser Beitrag zeigt auf, wie Sie realistische Ziele und Strategien entwickeln und dadurch Ihren zukünftigen Unternehmenserfolg sichern können.

Kennen Sie das wissenschaftliche Experiment mit der Labormaus, deren Labor-Wohnumfeld aus einem „Garten“ und 4 nebeneinanderliegenden Röhren bestand (Kanal-4-Syndrom)? In einer dieser Röhren lag jeden Tag ein Stück Käse, jedoch abwechselnd in einem anderen Kanal. So war es die Maus gewohnt, alle Kanäle so lange abzusuchen, bis sie den Käse fand.

Dann legten die Forscher auf einmal den Käse nur noch in Kanal 4. Am ersten und zweiten Tag suchte die Maus noch alle Kanäle ab, doch schon am dritten Tag ging sie zielgerichtet direkt zu Kanal 4, aß ihren Käse und war glücklich. 19 Tage lang lag der Käse dort, am 20. Tag legten die Forscher den Käse in einen anderen Kanal. Die Labormaus raste in Kanal 4, fand den Käse nicht und geriet in Panik! Sie hatte vergessen, dass es weitere Kanäle gab und sie eventuell dort nach dem Käse suchen könnte.

Was lernen wir daraus? Der Erfolg der Vergangenheit ist der Misserfolg der Zukunft! Es ist wichtig, nicht bequem zu werden und darauf zu hoffen, dass alles wie gewohnt weiterläuft. Es ist wichtig, immer mal wieder querzudenken. Es ist wichtig, sich möglichst jährlich kritische Gedanken zu seinen Zielen und Strategien zu machen.

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Strategien sind mittel- bis langfristig wirkende Grundsatzentscheidungen zur Erreichung der formulierten Ziele in einer vorgegebenen Umwelt. Ihr Ziel kann z. B. sein, das größte Bauunternehmen im Umkreis von 100 km zu werden. Um das zu erreichen, gibt es mehrere Strategien bzw. Wege.

Beispielsweise können Sie auf eigenes Wachstum setzen oder Wettbewerber aufkaufen. Je nachdem welche Strategie Sie wählen, hat das unterschiedliche Auswirkungen auf die 4 Perspektiven der Strategieentwicklung (siehe Abbildung 1 „Strategie-Entwicklung“).

Stellen Sie sich ein mittelständisches Bauunternehmen mit einem sehr breiten Leistungsspektrum vom Tiefbau bis zum Hochbau vor, das nach Sparten organisiert ist. Seit über 30 Jahren ist man erfolgreich am Markt tätig. Beim Straßenbau ist die Hauptzielgruppe die öffentliche Hand. Der zuständige Spartenleiter wünscht sich schon länger eine Veränderung: ein Ende der Abhängigkeit von der Öffentlichen Hand hin zu neuen Zielgruppen. Weg von der überwiegend preisorientierten Vergabepraxis hin zum Qualitätswettbewerb!

Deshalb stellt er sich vorab folgende Fragen:

- In welche Richtung wollen wir uns in den kommenden 10 Jahren hinbewegen?

- Mit welchen Dienstleistungen?

- Bei welchen Zielgruppen?

- Wie können wir noch erfolgreicher werden?

Bei der Beantwortung dieser wichtigen Fragen sind alle gefordert. Gemeinsam mit den Mitarbeitern und Führungskräften sollte ein roter Faden gefunden werden. Zwar kann vieles in Eigenregie durchgeführt werden, jedoch bringt eine externe Unterstützung (z. B. durch einen Strategieberater) eine zusätzliche Dynamik und bewahrt vor „Betriebsblindheit“.

Workshops mit den Führungskräften sind die Lösung. Betroffene zu Beteiligten machen ist das Prinzip! Und so wird gemeinsam die Zukunft gestaltet. In Workshops sollten dann folgende Themen bearbeitet bzw. Fragen beantwortet werden:

- Wie sieht unsere gemeinsame Vision für das Jahr x plus 10 aus?

- Welches sind unsere konkreten daraus abgeleiteten Ziele?

- Herausarbeiten der Stärken und Schwächen, z. B. mithilfe einer Stärken-Schwächen-Analyse

- Definition und Analyse der Ist­geschäftsfelder z. B. mithilfe einer Portfolieanalyse

- Definition und Analyse der Soll­geschäftsfelder

- Ermittlung der Ist- und Sollzielgruppen für die Geschäftsfelder

- Welches sind die brennendsten Probleme unserer Zielgruppen?

- Was unterscheidet uns vom Wett­bewerb?

- Wie machen wir unsere Stärken für Kunden sichtbar?

Mit großen Schritten geht es dann auf die Umsetzung zu. Denn spätestens in dieser Phase ist klar, wohin die Reise gehen soll, mit welchen Geschäftsfeldern und bei welchen Zielgruppen aktiv akquiriert wird. Gleichzeitig ist auch klar, welche Geschäftsfelder zurückgefahren werden und in welchen die Zukunft liegt!

Eine gute Hilfestellung für die Strategieentwicklung bilden dabei die 7 Schritte der EKS-Strategie (siehe Abbildung 2: „Engpasskonzentrierte Strategie“). Vertiefende Informationen hierzu sind beim Autor erhältlich.

Die zunächst am Markt orientierte und auf den Absatz ausgerichtete Strategie hat logischerweise Folgen für die anderen 3 in Abbildung 2 dargestellten Perspektiven.

„Wesentlich bei der Strategie ist zu wissen, was man nicht tun sollte“, schreibt Michael Porter, einer der führenden Denker der Unternehmensstrategie. Dies könnte z. B. wie folgt lauten: Wir arbeiten nicht für Bauträger! Wir arbeiten nicht als Nachunternehmer für Baukonzerne! Wir nehmen keine Aufträge kleiner 10.000 Euro und größer 10 Mio. Euro an. Wir bauen keine Einfamilienhäuser. Schreiben Sie diese Aussagen auf und halten Sie sich daran! Das spart viel Energie und Kraft.

Beziehen Sie auf jeden Fall Ihre Führungskräfte mit ein, denn diese müssen anschließend die Strategie umsetzen! Schließlich setzt man viel lieber Inhalte und Maßnahmen um, an denen man selbst mitgearbeitet hat. Von oben angewiesene Maßnahmen werden da eher schlecht in die Tat umgesetzt.

 Sich positiv vom Wettbewerb abheben

Das Ziel eines Unternehmens muss sein, sich positiv vom Wettbewerb abzuheben. Das kann durch eine spürbare Kunden­orientierung oder durch einen erkennbaren Know-how-Vorsprung sein. Sie sollte stets daran arbeiten, in Geschäftsfelder oder Sparten (z. B. SF-Industriebau oder Straßenbau) die Einzigartigkeit Ihres Unternehmens herauszuarbeiten.

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