Arbeitssicherheit
BG Bau: Rund 7.000 Unfälle mit Leitern pro Jahr
Leitern gehören auf Baustellen seit Jahrzehnten zur Standardausrüstung. Dennoch zählen sie weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfälle im Baugewerbe. Nach Angaben der BG Bau ereignen sich jedes Jahr rund 7.000 Unfälle mit Leitern in der Bauwirtschaft und in baunahen Dienstleistungen. Die Zahlen verdeutlichen, dass selbst scheinbar einfache Tätigkeiten in geringer Höhe erhebliche Risiken bergen können.
Vor diesem Hintergrund rückt die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) das Thema Absturzprävention erneut in den Fokus. Im Rahmen der Aktionswoche „Gerüste und Leitern“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) macht sie auf die Gefahren aufmerksam und informiert darüber, wie Unternehmen den sicheren Umgang mit Leitern in der Praxis gewährleisten können.
Unfälle mit Leitern verursachen hohe Folgekosten für Betriebe
Für Bauunternehmen sind Leiterunfälle weit mehr als ein Arbeitsschutzthema. Abstürze führen häufig zu schweren Verletzungen, langen Ausfallzeiten und organisatorischen Belastungen auf der Baustelle. Neben den persönlichen Folgen für die Betroffenen entstehen Unternehmen oftmals erhebliche Kosten durch Produktionsausfälle, Personalengpässe und Projektverzögerungen.
Die BG Bau weist darauf hin, dass bereits Abstürze aus einer Höhe von ein bis zwei Metern schwere Verletzungen verursachen können. Gerade deshalb sollte vor jedem Einsatz geprüft werden, ob alternative Arbeitsmittel eine geringere Gefährdung darstellen.
Arbeitsschutz beginnt bei der Auswahl des richtigen Arbeitsmittels
In der Praxis wird die Leiter häufig aus Gewohnheit eingesetzt. Aus Sicht des modernen Arbeitsschutzes steht jedoch zunächst die Frage im Mittelpunkt, ob die geplante Tätigkeit überhaupt von einer Leiter aus durchgeführt werden sollte.
Die maßgeblichen Regelwerke, darunter die DGUV Vorschrift 38 „Bauarbeiten“ sowie die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 2121 Teil 2, geben hierfür klare Vorgaben vor. Grundsätzlich gilt: Ist ein sichereres Arbeitsmittel verfügbar, sollte dieses bevorzugt werden. Je nach Einsatzbereich können beispielsweise Gerüste, Hubarbeitsbühnen, Arbeitsplattformen oder Podeste die sicherere Lösung darstellen.
Für Unternehmen bedeutet dies, die Gefährdungsbeurteilung konsequent in die Arbeitsvorbereitung einzubinden und die Wahl des Arbeitsmittels nicht allein von Zeit- oder Kostendruck abhängig zu machen.
Das 5-Punkte-Programm der BG Bau für mehr Sicherheit
Um Betriebe bei der sicheren Verwendung von Leitern zu unterstützen, hat die BG Bau ein praxisorientiertes 5-Punkte-Programm entwickelt. Im Mittelpunkt steht zunächst die Prüfung möglicher Alternativen zur Leiter. Ist deren Einsatz unvermeidbar, muss eine für Tätigkeit und Nutzer geeignete Leiter ausgewählt werden.
Ebenso wichtig ist die Verwendung passender und aufeinander abgestimmter Zubehörteile. Darüber hinaus müssen Beschäftigte regelmäßig unterwiesen werden. Die BG Bau empfiehlt mindestens eine jährliche Unterweisung, um Sicherheitsregeln zu festigen und typische Fehlerquellen zu vermeiden.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die regelmäßige Kontrolle der eingesetzten Leitern. Vor jedem Einsatz sollte geprüft werden, ob Beschädigungen oder Verschleiß vorliegen. Zusätzlich ist mindestens einmal jährlich eine dokumentierte Prüfung erforderlich.
Stufe statt Sprosse: Mehr Sicherheit im Arbeitsalltag
Ein wesentlicher Aspekt der Unfallprävention betrifft die Bauart der eingesetzten Leitern. Werden Leitern als Arbeitsplatz oder Verkehrsweg genutzt, empfiehlt die BG Bau den Einsatz von Stufen- oder Plattformleitern.
Im Vergleich zu klassischen Sprossenleitern ermöglichen sie einen deutlich stabileren und ergonomischeren Stand. Dadurch lassen sich Ermüdungserscheinungen reduzieren und das Risiko von Fehltritten verringern. Beschädigte oder verschlissene Leitern dürfen hingegen nicht weiterverwendet werden und sind konsequent aus dem Betrieb zu entfernen.
Fördermöglichkeiten für sichere Alternativen nutzen
Die Investition in sichere Arbeitsmittel kann sich für Bauunternehmen nicht nur aus Sicht des Arbeitsschutzes lohnen. Mitgliedsunternehmen der BG Bau können unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Unterstützung über Arbeitsschutzprämien erhalten.
Gefördert werden unter anderem Plattformleitern, Podestleitern, Ein-Personen-Gerüste, Arbeits- und Kleinpodeste sowie ergänzendes Leiterzubehör. Ziel der Förderung ist es, den Einsatz sichererer Arbeitsmittel auf Baustellen zu beschleunigen und dadurch die Zahl der Unfälle nachhaltig zu senken.
Absturzprävention bleibt eine zentrale Aufgabe im Baugewerbe
Die jährlich rund 7.000 Unfälle mit Leitern zeigen, dass Absturzrisiken auch bei Routinearbeiten nicht unterschätzt werden dürfen. Für Bauunternehmen wird es zunehmend wichtiger, Arbeitsschutz als festen Bestandteil der betrieblichen Organisation zu verankern und Beschäftigten sichere Arbeitsmittel bereitzustellen.
Die von der GDA initiierte Aktionswoche „Gerüste und Leitern“ unterstreicht dabei die Bedeutung eines präventiven Sicherheitsmanagements. Wer Alternativen prüft, Leitern fachgerecht einsetzt und regelmäßige Kontrollen durchführt, schafft nicht nur mehr Sicherheit auf der Baustelle, sondern reduziert zugleich Ausfallzeiten und wirtschaftliche Risiken für den Betrieb.









