Statement: Gerd Renz
Urbaner Holzbau – Tempo, Präzision und Klimaschutz
Die serielle Vorfertigung in Werkstätten ermöglicht schnelle Bauzeiten, saubere Baustellen und minimale Eingriffe in bestehende Strukturen – ein klarer Vorteil in dicht bebauten Stadtquartieren.
Der Holzbau hat sich längst vom reinen Einfamilienhausbau weiterentwickelt. Er ist in der Stadt angekommen: in Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäuden, in Aufstockungen, Nachverdichtungen und zunehmend auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Diese Entwicklung eröffnet dem urbanen Raum enorme Chancen, besonders im Hinblick auf den Klimaschutz, eine nachhaltige Bauwende und die energetische Sanierung des Gebäudebestands. Dabei kommt es nicht nur auf visionäre Großprojekte an, sondern ebenso auf pragmatische Lösungen, die sich mit vorhandenen Kapazitäten umsetzen lassen. Und genau hier liegt die Stärke der vielen mittelständischen Zimmereibetriebe mit im Durchschnitt acht Mitarbeitenden.
Urbaner Holzbau steht für Tempo, Präzision und Klimaschutz. Die serielle Vorfertigung in Werkstätten ermöglicht schnelle Bauzeiten, saubere Baustellen und minimale Eingriffe in bestehende Strukturen – ein klarer Vorteil in dicht bebauten Stadtquartieren. Diese Eigenschaften machen Holzbau ideal für die serielle Sanierung von Bestandsgebäuden. Fassadenelemente, Vorgefertigte Wand und Dachelemente für Aufstockungen oder ganze Bauteile lassen sich präzise vorfertigen und zügig montieren – oft innerhalb weniger Tage. Der Betrieb auf der Baustelle läuft weiter, Anwohnerinnen und Anwohner werden kaum gestört, und die typischen logistischen Hürden in der Stadt – enge Zufahrten, begrenzte Lagerflächen – lassen sich deutlich besser bewältigen als bei konventionellen Bauweisen.
In der kommunalen Praxis ist das Potenzial des Holzbaus vielerorts noch nicht ausgeschöpft. Gerade kleinere Projekte – von der Kita über den Quartierstreff bis zur Sanierung eines Rathauses – eignen sich ideal für den flexiblen, nachhaltigen Holzrahmenbau. Wichtig ist: Auch kleinere Zimmereibetriebe verfügen über das Know-how, die Erfahrung und die nötige Infrastruktur, um solche Projekte hochwertig umzusetzen. Häufig fehlt es nicht an Kompetenz, sondern an Sichtbarkeit in Ausschreibungen, passenden Losgrößen oder am Wissen über die Vorteile dieser Bauweise.
Holzbau ist gerade durch seine Struktur besonders zukunftsfähig. Auch kleinere Betriebe arbeiten effizient, regional verwurzelt und mit kurzen Wegen. Sie reagieren schnell auf Anforderungen, planen flexibel und arbeiten präzise. Diese Betriebe sind es, die vor Ort die Bauwende mitgestalten – mit Engagement, handwerklicher Qualität und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen.
Selbst größere Projekte lassen sich realisieren – durch Arbeitsgemeinschaften. Wenn sich Holzbauunternehmen mit erfahrenen Tragwerksplanern und Architekturbüros zusammenschließen, entsteht eine leistungsstarke und eingespielte Projektstruktur. Dieses Zusammenspiel ermöglicht es, auch komplexe Bauaufgaben effizient, nachhaltig und qualitätsgesichert umzusetzen – auf hohem gestalterischem und technischem Niveau. Solche Kooperationen zeigen, was Holzbau leisten kann, und stärken das Vertrauen in diese Bauweise.
Öffentliche Bauplanung sollte diese Potenziale gezielter einbeziehen. Bauämter sind gefragt, Holzbau mitzudenken – nicht nur bei Leuchtturmprojekten, sondern auch im Alltag. Hochschulen können dazu beitragen, Fachwissen zu vermitteln und Planende früh für Holzbau zu sensibilisieren. Kommunen schließlich können durch passende Ausschreibungen, Losgrößen und Beratung gezielt kleinere Betriebe einbinden – und damit auch die regionale Wirtschaft stärken.
Urbaner Holzbau ist längst keine Zukunftsvision mehr – er ist gelebte Realität. Aber er braucht politische und planerische Unterstützung, um sein volles Potenzial zu entfalten. Dazu gehört ein Bewusstsein für die besonderen Anforderungen des Bauens in der Stadt ebenso wie für die besonderen Stärken des Holzrahmenbaus.
Es ist nun Zeit, diese Stärken zu nutzen – ökologisch, ökonomisch und sozial. Denn der klimafreundliche, zukunftsfähige Umbau unserer Städte gelingt nur gemeinsam – mit öffentlicher Hand, den Planenden und den vielen engagierten Holzbaubetrieben im Land.









