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Artikel und Hintergründe zum Thema

Wohnungsbau unter Druck:

Kai Ingmar Link,

Bündnis fordert klare Regeln für günstigeres Bauen in Bayern

Die Baukrise verschärft den Mangel an Wohnraum. Verbände fordern von Politik und Wirtschaft klare Regeln, damit der Wohnungsbau wieder bezahlbarer wird.

Die Initiatoren des Bündnisses hoffen auf positive Impulse für denWohnungsbau. © StMB/Winszczyk

Wohnungsbau in der Baukrise: Branche fordert politische Klarheit

Der Wohnungsbau steht in Bayern vor einer strukturellen Herausforderung. Nach Einschätzung der Branche müssten jährlich rund 70.000 neue Wohnungen entstehen, um den Bedarf zu decken. Tatsächlich liegt die Bautätigkeit seit Jahren deutlich darunter. Die Folgen der Baukrise sind spürbar: steigende Baukosten, zurückhaltende Investitionen und ein wachsender Druck auf den Wohnungsmarkt. Besonders Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen finden immer schwerer bezahlbaren Wohnraum.

Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Ein breites Bündnis aus Verbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft, Rohstoff- und Baustoffverbänden, dem Deutschen Mieterbund sowie der Ingenieurekammer BAU hat deshalb gemeinsame Vorschläge für eine Belebung des Wohnungsbaus vorgelegt.

„Impulse für den Wohnungsbau Bayern“

Unter dem Titel „Impulse für den Wohnungsbau Bayern“ erarbeitete das Bündnis ein Positionspapier, das am 10. März an den Bayerischen Bauminister Christian Bernreiter übergeben wurde. Ziel der Initiative ist es, die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau so zu verändern, dass Projekte schneller realisiert und gleichzeitig kostengünstiger umgesetzt werden können.

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Dr. Bernhard Kling, Geschäftsführer des Bayerischen Industrieverbandes Baustoffe, Steine und Erden e. V. (BIV) und Organisator des Bündnisses in Bayern, beschreibt den Kern des Anliegens so: „Ziel ist es, schneller zu bauen, Kosten zu senken und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“

Gebäudetyp E als Ansatz für effizienteres Bauen

Ein zentraler Vorschlag des Bündnisses ist die stärkere Nutzung des sogenannten Gebäudetyps E. Dieser Ansatz soll einfacheres und kostengünstigeres Bauen ermöglichen. Im Fokus stehen effizientere Planungsprozesse, angepasste Komfortstandards sowie eine realistisch dimensionierte Gebäudetechnik.

Praxisbeispiele zeigen nach Einschätzung der beteiligten Verbände, dass solche Bauweisen ohne Abstriche bei Sicherheit und Gesundheit umgesetzt werden können. Gerade in der aktuellen Baukrise sehen viele Unternehmen darin eine Möglichkeit, Projekte wirtschaftlicher zu realisieren und gleichzeitig mehr Wohnraum zu schaffen.

Politik soll rechtliche Grundlage schaffen

Damit diese Bauweisen im Markt breite Anwendung finden können, fordert das Bündnis eine klare gesetzliche Grundlage. Die von der Bundesregierung vorgelegten Eckpunkte zum Gebäudetyp E müssten deshalb zügig umgesetzt werden. Nur wenn kostengünstigere Standards rechtssicher vereinbart werden können, entsteht aus Sicht der Branche Planungssicherheit für Investoren, Projektentwickler und Bauunternehmen.

Für die Wirtschaft wäre dies ein wichtiger Schritt, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. Denn viele Projekte scheitern derzeit nicht nur an Finanzierung und Baukosten, sondern auch an komplexen regulatorischen Anforderungen.

Förderung gezielt auf bezahlbaren Wohnraum ausrichten

Neben rechtlichen Anpassungen sehen die Verbände auch bei der staatlichen Förderung Handlungsbedarf. Förderprogramme sollten stärker an kostengünstige Baukonzepte gekoppelt werden und gleichzeitig sicherstellen, dass neu geschaffener Wohnraum tatsächlich im bezahlbaren Segment bleibt.

Damit sollen Mitnahmeeffekte reduziert und Investitionen gezielt dorthin gelenkt werden, wo sie den größten gesellschaftlichen Nutzen entfalten. Aus Sicht der Initiatoren ist klar: Nur wenn Politik, Wirtschaft und Baupraxis gemeinsam handeln, kann der Wohnungsbau wieder deutlich an Fahrt aufnehmen.

Die aktuelle Baukrise zeigt damit nicht nur die Grenzen des bisherigen Systems auf. Sie eröffnet auch die Chance, Planungsprozesse zu vereinfachen und den Wohnungsbau langfristig effizienter zu gestalten. Für Bauunternehmen, Projektentwickler und Entscheider der Branche wird entscheidend sein, wie schnell die politischen Rahmenbedingungen nun angepasst werden.

Das Positionspapier im Wortlaut:

FÜR DIE MENSCHEN:

Einfacheres Bauen rechtssicher machen – Förderung an Bezahlbarkeit knüpfen

SITUATION IM WOHNUNGSBAU IST DRAMATISCH

Menschen brauchen Wohnraum. Die Bevölkerung im Freistaat Bayern wächst, noch stärker nimmt die Zahl der Haushalte zu. Die Gebäudefertigstellungen liegen seit vielen Jahren deutlich unterhalb eines Bedarfs von jährlich 70.000 Wohneinheiten. Bauen ist zu teuer. Investoren bauen nicht, weil die erzielbaren Mieten die Baukosten nicht decken. Für Familien mit dem Wunsch nach einem Eigenheim lässt sich das erforderliche Kapital nicht aufbringen. Besonders stark von dieser Misere betroffen sind untere und mittlere Einkommen, da auch das Angebot an Sozial wohnungen kontinuierlich gesunken ist. Die öffentliche Hand kann die Lücke im Angebot alleine nicht schließen. Dazu fehlen ihr die finanziellen Mittel und die erforderlichen Kapazitäten. Aber die Politik kann Weichen stellen, um auch private Bauherren und Investoren zu mobilisieren, wieder mehr Wohnraum zu schaffen.
Die Aktion Impulse für den Wohnungsbau Bayern, der die untenstehenden Verbände der Bau-und Immo bilien wirtschaft, der Planer und Verbraucher, der Deutsche Mieterbund sowie die Industriegewerkschaft BAU angehören, schlägt dazu folgende Maßnahmen vor:

BEZAHLBAR BAUEN – TECHNISCH MÖGLICH MIT DEM GEBÄUDETYP E

Gebaute Beispiele beweisen, dass einfacheres Bauen oder Umbauen ohne Abstriche bei Sicherheit und Gesundheit möglich ist. Durch intelligente Tragwerksplanung lässt sich Material in erheblichem Umfang einsparen. Auch die Umwidmung von gewerblich genutzten Flächen in Wohnraum kann der Gebäudetyp E erleichtern. Beispielsweise muss sich der Schallschutz an Gesundheit und nicht am Komfort ausrichten. Die Auslegung der technischen Gebäudeausrüstung, wie Heizung und Lüftung, an wenige Tage im Jahr dauernde Extremwettersituationen, führt zu überteuerten Anlagen. Abstriche an Komfort und Überdimensionierungen können das Bauen deutlich verbilligen.

GEBÄUDETYP E – RECHTSSICHER MACHEN

„Die anerkannten Regeln der Technik“ dürfen nicht weiter Maßstab des Bauens sein, denn sie führen dazu, dass die Maximalstandards als geschuldete Leistung angesehen werden. Bei Abweichungen drohen Klagen mit der Begründung von Mängeln. Die Vermeidung erheblicher Gewährleistungsrisiken muss rechtlich auf Bundesebene

IMPULSE FÜR DEN WOHNUNGSBAU

abgesichert werden. Hierzu sind die von der Bundesregierung vorgelegten Eckpunkte zeitnah gesetzlich umzusetzen. Die Absenkung baukostensteigernder Standards, wie sie in Pilotprojekten zum Gebäudetyp E bereits umgesetzt werden, muss dadurch einfach und rechtssicher möglich gemacht werden. Auch Verträge mit Verbrauchern (Mietern) müssen in den Anwendungsbereich eines Gebäudetyp E – Gesetzes einbezogen werden, wenn sich die Vertragsparteien einig sind. Dadurch wird die Vertragsautonomie der Vertragsparteien gestärkt. Durch die Senkung der Standards ist eine Stabilisierung der Mieten anzustreben.

KOSTENGÜNSTIGEN WOHNRAUM GEZIELT FÖRDERN

Die Nachfrage nach kostengünstigem Wohnraum ist mittlerweile eine soziale Frage mit gefährlichem Potential für den demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaft. Da in der Breite nur das gebaut wird, was vermietbar oder von Normalverdienern erworben werden kann, wird derzeit nicht oder nur am Bedarf vorbei gebaut. Die gezielte Förderung kostengünstiger Baukonzepte (Gebäudetyp E) kurbelt das Angebot im Segment des kostengünstigen Bauens an. Das schafft zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum und hat damit eine doppelte kostendämpfende Wirkung. Es ist zu gewährleisten, dass die Förderung dann auch an bezahlbare Mieten geknüpft wird, Mitnahmeeffekte sind zu verhindern. Zuschüsse oder verbesserte Abschreibungsbedingungen müssen auf die Einhaltung von Mindestanforderungen beschränkt und nicht zur Abfederung von energetischen oder haustechnischen Maximalstandards eingesetzt werden. Es ist überdies anzustreben, dass eine solche Förderung kostengünstiger Baukonzepte mit den allgemeinen Förderbedingungen, etwa in der EOF, kombiniert werden kann. So profitieren insbesondere untere und mittlere Einkommensschichten noch einmal verstärkt von dieser Förderung.

INFORMATIONSANGEBOTE FÜR KOMMUNEN – AUCH AUF LÄNDEREBENE

Der Bau-Turbo (Novelle des Baugesetzbuches) ermöglicht den Kommunen, Wohnungsbau und die erforderliche Infrastruktur auch ohne vorherigen Bebauungsplan, in Abweichung eines vorhandenen Bebauungsplanes oder in Abweichung von der vorhandenen Bebauung zuzulassen. Das „Umsetzungslabor für den Bau-Turbo“ auf Bundesebene unterstützt die Kommunen bei Fragen zum Gesetz und den Austausch der Kommunen untereinander. Auf Bundesebene kann dabei nur rudimentär auf die regionalen Besonderheiten, landesspezifische Förderungen oder Anforderungen eingegangen werden. Daher sollte dieses Umsetzungslabor durch eine landesspezifische Informations- und Austauschplattform ergänzt werden, mit dem Ziel: Schneller bauen, Flächen smart nutzen und mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Neue Wege aus der Baukrise

Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.

Chancen für die Bauwirtschaft

Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.

Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen

Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.

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