Mercedes-Benz eActros 600 im Einsatz
Spedition Nanno Janssen setzt zukünftig nur noch auf Elektro-Lkw
Die Spedition Nanno Janssen aus Leer in Niedersachsen hat eine klare Entscheidung getroffen: In Zukunft setzt das Unternehmen vollständig auf Elektromobilität – Diesel-Lkw sollen nicht mehr angeschafft werden. Eine Ausnahme bilden lediglich Transporte von Gefahrgut der Klasse 1 (Pyrotechnik), für die der Einsatz von Elektro-Lkw aktuell weitgehend nicht zulässig ist. Bereits heute sind 27 der 75 firmeneigenen Lkw elektrisch unterwegs. Bis Ende 2025 sollen es 50 Elektrofahrzeuge sein – ein signifikanter Schritt in der Umstellung auf alternative Antriebe.
Im Juni übernahm das Familienunternehmen die ersten fünf von insgesamt zehn bestellten Mercedes-Benz eActros 600 am Werk in Wörth am Rhein. Wenige Tage später wurde in Leer ein unternehmenseigener Ladepark mit einer Netzleistung von vier Megawatt und 20 Ladepunkten eröffnet – ein zentraler Baustein für den Hochlauf der Elektromobilität bei der Spedition Nanno Janssen.
„Nicht halbherzig, sondern richtig“
„Wir haben gesagt: Wir machen es nicht halbherzig, sondern richtig und nehmen gleich unsere gesamte Flotte in den Blick“, erklärt Nanno Janssen, Assistent der Geschäftsführung. Der Einstieg des heute 26-Jährigen ins Familienunternehmen markierte den Beginn einer strategischen Neuausrichtung mit Fokus auf elektrische Antriebe. „Aufgrund der attraktiven Fördermöglichkeiten durch das damalige KsNI-Programm haben wir uns entschieden, 20 Elektro-Lkw auf einmal zu beantragen. Danach kamen weitere hinzu. Es war die richtige Entscheidung, diese Investitionen zu tätigen.“
Die Fahrzeuge sind im regulären Fernverkehr im Einsatz und ersetzen dort Diesel-Lkw im täglichen Betrieb. Eine Besonderheit: Die Fahrer holten die neuen eActros 600 persönlich am Werk Wörth ab – begleitet von technischen Schulungen durch Mercedes-Benz Trucks.
Schulungen schaffen Vertrauen
„Es ist sehr beeindruckend, wie die Spedition Nanno Janssen bei der Antriebswende vorangeht und dadurch eine Vorbildfunktion für andere einnimmt“, sagt Thomas Schmitt, Teamleitung E-Mobilität bei Mercedes-Benz Trucks Deutschland. Die Fahrerschulungen seien ein entscheidender Faktor für den erfolgreichen Einsatz. „Gerade am Anfang gibt es viele Fragen. Entsprechend wichtig ist es, viel über die neue Technologie und ebenso über das Laden zu vermitteln.“
Die Schulungen vermitteln Grundlagen zur Funktionsweise der Fahrzeuge sowie zur Ladeinfrastruktur. „Den Mehrwert sehen die Fahrer klar in der hohen Effizienz des innovativen Antriebs- und Fahrzeugkonzepts“, so Schmitt weiter.
eActros 600 als Benchmark im Fernverkehr
Die Mercedes-Benz eActros 600 sind seit wenigen Tagen in der Flotte der Spedition im Einsatz. Bereits jetzt zeigt sich Nanno Janssen, der Sohn des Geschäftsführers, überzeugt: „Das Fahrzeug ist der neue Benchmark im Elektro-Truck-Bereich und hervorragend auch für die Anforderungen im Fernverkehr geeignet.“ Ausschlaggebend sei die Kombination aus hoher Energieeffizienz, Reichweite und einem aerodynamisch optimierten Design (ProCabin).
Der eActros 600 verfügt über drei Batteriepakete mit je 207 kWh, was eine installierte Gesamtkapazität von 621 kWh ergibt. Der Hersteller nennt eine praxisnahe Reichweite von 500 Kilometern – abhängig von Streckenprofil und Fahrweise seien auch deutlich höhere Reichweiten möglich.
Überführung als Stresstest und Social-Media-Event
Die erste Fahrt der neuen Lkw erfolgte ohne Auflieger. „Wir hatten einen Verbrauch von lediglich 60 kWh auf 100 Kilometern und das Display zeigte 1.000 Kilometer Restreichweite an“, berichtet Janssen. Ein Ladestopp am Ladepark Seed & Greet in Hilden war nicht notwendig, wurde aber als geplanter Programmpunkt dennoch eingelegt.
Tobias Wagner, Berufskraftfahrer bei der Spedition und als „Elektrotrucker“ auf Youtube aktiv, hatte den Zwischenstopp in den sozialen Netzwerken angekündigt. Der Ladepark, betrieben vom Anbieter Fastned, hielt dem angekündigten Stresstest stand. Zahlreiche Interessierte nutzten die Gelegenheit, um mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen und sich über Ladezeiten und Technik zu informieren.
Elektrischer Fernverkehr im Regelbetrieb
Auch künftig werden die Fahrzeuge im bundesweiten Fernverkehr eingesetzt – häufig mit Zwischenladungen an öffentlichen Schnellladesäulen. „Wir geben unseren Fahrern mehrere Apps an die Hand, um selbst nach einer Ladesäule mit einem günstigen Tarif zu suchen“, erklärt Nanno Janssen. Über Nacht werde idealerweise vollständig geladen, unterwegs in den gesetzlich vorgeschriebenen Pausen.
Die Fahrer zeigen sich laut Unternehmen schnell begeistert. Wagner bestätigt: „Ich genieße jede Sekunde in dem neuen Lkw.“ Nach spätestens zwei Wochen wolle niemand mehr zurück auf einen Diesel-Lkw. Gründe seien Komfort, bessere Beschleunigung, geringere Geräuschentwicklung und saubere Ladeprozesse.
Auch betriebswirtschaftlich zeige sich das Konzept tragfähig. Zwar seien die Investitionen höher, aber die variablen Kosten deutlich niedriger. „So komme man über die Gesamtlebensdauer auf etwa gleiche Kilometerkosten“, rechnet der Spediteur vor.
Ladepark mit 4 Megawatt Netzleistung
Am Stammsitz in Leer wurde im Juni ein neuer Ladepark mit 20 Ladepunkten eröffnet. Bereits zuvor waren einzelne Ladeeinrichtungen in Betrieb, nun jedoch ergänzt durch einen Transformator mit vier Megawatt Leistung, einen 1,3-Megawatt-Batteriespeicher sowie eine 800-kWp-Solaranlage. Geladen wird mit bis zu 300 kW pro Fahrzeug. Auch für eine zukünftig weiter wachsende Elektroflotte sei der Ladepark ausreichend dimensioniert, so das Unternehmen.












