Aktion BauZukunft:
„Wir müssen das Potential aller Baustoffe nutzen“
Wie können wir die Bauaufgaben der Zukunft meistern? Wie den Folgen des Klimawandels begegnen und Menschenschutz in Städten und Quartieren sicherstellen?
Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse wird es immer wichtiger, Gebäude so zu errichten, dass sie widerstandsfähig gegen Hitze, Sturm oder Starkregen sind. Durch den Einsatz mineralischer Baustoffe und weitere Maßnahmen der Klimaanpassung nimmt die Bauwirtschaft hierbei eine zentrale Rolle ein. Doch wie kann die Branche ihren Weg zur Klimaneutralität beschreiten?
„Nicht bauen ist keine Option“, betont Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V. und Vorstandsvorsitzender von solid UNIT Baden-Württemberg e.V. „Angesichts des Klimawandels müssen wir jedoch dringend die Frage stellen, mit welchen Materialien wir bauen wollen. Die Bauwirtschaft muss hier eine Vorreiterrolle einnehmen – und das tut sie bereits.“
Die Lösung liegt in einer materialsparenden, effizienten Planung und Bauweise. Dies schont nicht nur Umwelt und Ressourcen, sondern trägt auch zur Kostensenkung bei Bauprojekten bei. Zudem ist es entscheidend, alle Baustoffe optimal entsprechend ihrer Eignung einzusetzen und somit ein sorgfältig ausgewähltes Zusammenspiel aller verfügbaren Baustoffe zu ermöglichen.
„Ein ‚Weiter so wie bisher‘ darf es nicht geben. Und es wird auch längst nicht mehr so gebaut, wie noch vor einigen Jahren. Der Baustoff Beton birgt enormes Innovationspotenzial“, erklärt Thomas Möller. Bereits heute hat der Durchschnittszement 20 % weniger Emissionen zur Folge. Zusätzlich kommen klinkerreduzierte Zemente zum Einsatz, die weitere 30 % CO2-Reduktion ermöglichen. Auch durch die Verwendung ressourcenschonender Materialien wie Recyclingbeton, lässt sich der CO2-Fußabdruck eines Gebäudes durch die Wiederverwendung bereits gewonnener Baustoffe reduzieren und gleichzeitig Primärrohstoffe einsparen.
Zudem spielt der Prozess der Recarbonatisierung eine zentrale Rolle bei der Reduktion von Treibhausgasen. Was kaum bekannt ist: Beton fungiert als natürlicher CO2-Speicher und kann über seinen Lebenszyklus bis zu 50 % seines CO2-Ausstoßes wieder aufnehmen. Durch spezielle Materialien, die Kohlenstoff langfristig binden, lässt sich dieser Prozess beschleunigen.
Beispielsweise können Betonzuschläge aus Biokohle dazu beitragen, Betonbauteile zu klimapositiven CO2-Senken zu machen. Für negative Emissionen sorgen auch Technologien der aktiven Begasung, bei dem Beton in einem Schnellverfahren carbonatisiert wird. Dabei wird CO2 aus Biogasanlagen abgeschieden, verflüssigt und permanent in Betongranulat gespeichert. Dieses begaste Granulat kann in der Produktion von Recyclingbeton verwendet werden. Eine Tonne recycelter Beton speichert so dauerhaft etwa 10 Kilogramm CO2.
„Um die gewaltigen Herausforderungen durch den Klimawandel zu bewältigen, müssen wir das Potential aller Bauweisen nutzen“, so Thomas Möller. „Zumal der Wald inzwischen vom CO2-Speicher zum Emittenten geworden ist. Nur durch Technologieoffenheit und Produktneutralität können wir die notwendigen Zukunftsinvestitionen am Bau klimafreundlich steuern.
Statt in die Debatte für oder gegen bestimmte Baustoffe zu verfallen, sollte die zentrale Zielsetzung darin bestehen, die höchstmögliche Nachhaltigkeit zu erreichen und den CO2-Ausstoß im Gebäudesektor deutlich zu senken.“
Neue Wege aus der Baukrise
Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.
Chancen für die Bauwirtschaft
Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.
Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen
Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.
Hinweis der Redaktion:
Wir möchten darauf hinweisen, dass die in Meinungsbeiträgen, Analysen und Kommentaren geäußerten Ansichten und Meinungen die individuellen Standpunkte der Autoren widerspiegeln. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion oder des Verlages wider. Wir fördern eine offene und vielfältige Diskussion und respektieren die Meinungsvielfalt unserer Leserinnen und Leser. Die Verantwortung für die Inhalte von Meinungsbeiträgen liegt bei den jeweiligen Autoren, und sie repräsentieren nicht zwangsläufig die offizielle Position des Magazins oder seines Herausgebers. Wir schätzen die Meinungsfreiheit und ermutigen zu einem respektvollen Austausch unterschiedlicher Standpunkte.












