Modernes Verfahren
igus baut Lehmhäuser aus dem 3D-Drucker
Großformatige 3D-Drucker eröffnen neue Möglichkeiten, Gebäude direkt vor Ort aus natürlichen Materialien zu errichten. Entscheidend für den zuverlässigen Betrieb sind wartungsarme und schmutzresistente Lagerlösungen.
Natürliche Materialien, lokale Ressourcen und automatisierte Bauprozesse: Der großformatige 3D-Druck rückt in den Fokus der Bauwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist der 3D-Drucker Crane WASP, den der italienische Hersteller WASP entwickelt hat. Die Anlage kann Häuserwände direkt auf der Baustelle aus einer Mischung aus Erde und Wasser drucken. Das Ziel ist, kostengünstigen und nachhaltigen Wohnraum zu schaffen – insbesondere in Regionen mit begrenzter Infrastruktur.
Als Demonstrationsprojekt entstand in der italienischen Stadt Massa Lombarda das Gebäude Tecla House. Es gilt als eines der ersten vollständig 3D-gedruckten Häuser aus lokalem Lehm. Der Druckprozess basiert auf einem Extrusionsverfahren: Ein Druckkopf trägt das Material Schicht für Schicht auf und formt so die Wände des Gebäudes.
Der modulare Aufbau des Systems erlaubt unterschiedliche Konfigurationen. Eine einzelne Druckeinheit deckt eine Druckfläche von rund 8,2 m Durchmesser bei einer maximalen Bauhöhe von etwa 3,2 m ab. Herzstück der Mechanik ist ein vertikaler Hubmast mit schwenkbarem Ausleger. Auf diesem verfährt der Extruder horizontal und positioniert das Material präzise entlang der geplanten Geometrie. Beim Bau des Tecla-Hauses dauerte dieser Prozess rund 200 Stunden.
Der Betrieb unter Baustellenbedingungen stellt hohe Anforderungen an die Mechanik. Stark belastet sind die Lagerstellen, über die sich der Druckkopf entlang des Auslegers bewegt. Sie sind dauerhaft Staub, Schmutz und Feuchtigkeit ausgesetzt. Bei klassischen Metalllagern kann dies problematisch sein: Dringen Partikel in den Schmierfilm ein, erhöht sich der Verschleiß, was langfristig zu steigender Reibung oder zu Lagerausfällen führen kann.
Keine externe Schmierung notwendig
Die Entwickler suchten daher nach einer Lösung, die ohne Schmierfett auskommt und unempfindlich gegenüber Verschmutzungen ist. Zum Einsatz kommen Gleitfolien vom Typ Drylin R JUM-01-50 des Kölner Herstellers Igus. Sie bestehen aus dem Kunststoff Iglidur J und dienen als Führungselemente für den Schlitten des Druckkopfs, der auf Aluminiumstreben des Auslegers verfährt. Der Werkstoff enthält integrierte Festschmierstoffe, die während der Bewegung kontinuierlich freigesetzt werden. Dadurch arbeiten die Gleitlager dauerhaft im Trockenlauf und benötigen keine externe Schmierung. Wartungsarbeiten entfallen, und die Gefahr, dass Staub den Schmierfilm zerstört, besteht nicht.
Das Material bietet weitere Vorteile: Kunststoffgleitlager sind leichter als vergleichbare Metalllösungen. Laut Angaben der Entwickler kann das Gewicht um bis zu 80 % reduziert werden. Die geringere bewegte Masse wirkt sich positiv auf Dynamik und Reaktionsgeschwindigkeit des Druckkopfes aus. Gleichzeitig sind die Gleitfolien so ausgelegt, dass sie radiale sowie axiale Kräfte aufnehmen können. Sie sind unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und tolerieren Temperaturschwankungen.












