H2-Reallabor Burghausen

Damir Mioc,

Bei Rohrdorfer trifft Forschung auf Prozessindustrie

Im H2-Reallabor Burghausen arbeiten Industrie und Wissenschaft an der Frage, wie sich CO2-Emissionen aus der Zementproduktion stofflich nutzen lassen. Ein Schwerpunkt liegt auf der direkten elektrochemischen Umwandlung

Die Vertreter des Rohrdorfer Net Zero Emission-Teams mit dem Kunststoffrahmen, der ein Element der geplanten Elektrolysezelle ist und zeigt, wie groß die Zelle wird, die im Herbst in Betrieb gehen soll. Zweiter von links ist Projektleiter Alexander Beck. © Rohrdorfer

zu grünem Ethylen – einem zentralen Grundstoff der chemischen Industrie. Beim dritten Jahrestreffen des H2-Reallabor Burghausen – ChemDelta Bavaria Jahrestreffen 2026 am 4. März 2026 präsentierten die rund 35 Projektpartner aus Industrie und Wissenschaft den aktuellen Stand ihrer Arbeiten. Das Verbundprojekt verfolgt das Ziel, die Transformation der chemischen Industrie hin zu einer wasserstoffbasierten und CO2-effizienten Produktion voranzutreiben.

Im Mittelpunkt steht dabei das Arbeitspaket 6, "CO2-Direktelektrolyse zu grünem Ethylen", geleitet vom Rohrdorfer-Team Net Zero Emission. Dort wird untersucht, wie sich Kohlendioxid aus Zementabgasen als Rohstoff nutzen lässt. Ziel des Projekts ist die Herstellung von Ethylen aus bislang unvermeidbaren CO2-Emissionen – direkt am industriellen Ursprung.

Ethylen selbst ist einer der zentralen Grundstoffe der chemischen Industrie. Es dient als Ausgangsprodukt für Polymere, Kerosin, Harze, Silikone und zahlreiche weitere Anwendungen. Der Ansatz im Projekt: COnicht als Emission zu betrachten, sondern als nutzbaren Kohlenstoffträger in einem elektrochemischen Prozess.

Anzeige

Erfolgreicher Abschluss in Bestzeit

Fraunhofer Umsicht unterstützt die Entwicklung der Technologie maßgeblich. Seit Projektstart im April 2023 wurden bereits zentrale technische Fortschritte erzielt. Die Betriebsdauer der Elektrolysezelle konnte von rund drei Stunden auf bis zu 100 Stunden verlängert werden. Gleichzeitig wurde die Zellfläche verzehnfacht – ein wichtiger Schritt in Richtung industrieller Skalierung.

Mit der finalen Ausbaustufe wird eine Produktion von bis zu etwa 1 Kilogramm Ethylen pro Tag angestrebt. Die Fertigung einer Prototyp-Elektrolysezelle ist bereits vorbereitet. Der nächste Schritt ist der Aufbau einer Demonstrationsanlage am Standort Rohrdorf, deren Start für Herbst 2026 geplant ist.

Projektlaufzeit von vier Jahren

"Mit diesem Projekt und dank der guten Zusammenarbeit mit den Projektpartnern wird es uns als einem der ersten Teams gelingen, die gesamte Prozesskette vom Zement-Rauchgas bis zum grünen Ethylen darzustellen", so Alexander Beck vom Rohrdorfer- Net-Zero-Emission-Team. Ethylen könne künftig als klimafreundliche Alternative in der chemischen Industrie eingesetzt werden – insbesondere im Kontext CO2-armer Produktionsketten.

Das Gesamtprojekt, an den Rohrdorfer beteiligt ist, läuft über vier Jahre und wird mit mehr als 40 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Für Arbeitspaket 6 stehen dabei rund 1,44 Millionen Euro zur Verfügung.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Hybridbau

Leipfinger-Bader: Seriell saniert mit System

Vorgefertigte Holzwände bringen mehr Tempo und Struktur in die Bestandssanierung. Bei einem ehemaligen Hotel in Bayern wurden sie bereits werkseitig mit Rollladenkästen und Lüftungstechnik ausgestattet – und auf der Baustelle als Einheit montiert.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren