Veranstaltung
Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung 2026
Die Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung 2026 in Wiesbaden hat eindrucksvoll gezeigt, wie stark sich der Baustoff Beton im Spannungsfeld von Klimazielen, technischer Innovation und gestalterischer Qualität weiterentwickelt. Rund 80 Fachbesucher aus Planung, Ausführung und Industrie erhielten Einblicke in aktuelle Forschungsansätze, praxisnahe Anwendungen und konkrete Bauprojekte, die den modernen Umgang mit Zement, Beton und Betonwerkstein neu definieren.
Im Mittelpunkt stand dabei stets die Frage, wie sich der Baustoff Beton unter den Anforderungen der Dekarbonisierung weiter optimieren lässt, ohne seine gestalterische und konstruktive Leistungsfähigkeit zu verlieren. Gerade für Entscheider im Baugewerbe wurde deutlich, dass Innovation zunehmend aus der Verbindung von Forschung, Produktion und Baupraxis entsteht.
Strategische Entwicklung bei Dyckerhoff Weiss und der Blick auf CO₂-arme Zemente
Zu Beginn der Veranstaltung gab die Unternehmensführung von Dyckerhoff GmbH einen strategischen Überblick über die Weiterentwicklung der Sorten- und Produktstrategie im Bereich Weisszement. Im Fokus steht dabei die konsequente Ausrichtung auf CO₂-reduzierte Lösungen sowie die Beteiligung an Forschungsinitiativen zur Dekarbonisierung der Zementindustrie.
Besonders hervorzuheben ist die Einbindung in Projekte zur CO₂-Abscheidung, die als langfristige Schlüsseltechnologie für die Transformation der Baustoffindustrie gelten. Für die Branche bedeutet dies eine klare Richtung: Der klassische Baustoff Beton wird zunehmend durch technologische Innovationen in Richtung Klimaneutralität weiterentwickelt, ohne seine zentrale Rolle im Bauwesen zu verlieren.
Sichtbetonqualität und Baupraxis: Präzision als Erfolgsfaktor
Ein zentrales Thema der Tagung war die Qualität von Sichtbetonflächen im Hoch- und Ingenieurbau. Im Fokus stand insbesondere der Anspruch an gleichmäßige Oberflächen im Bereich Architekturbeton, bei dem bereits kleinste Abweichungen in Verarbeitung, Transport oder Nachbehandlung sichtbare Auswirkungen haben.
Die Diskussion machte deutlich, dass Betonwerkstein zwar optimale Voraussetzungen für reproduzierbare Qualität bietet, die tatsächliche Ausführung jedoch stark von handwerklicher Präzision und abgestimmter Kommunikation zwischen Planung und Ausführung abhängt. Entscheidend sind dabei Faktoren wie Materialhandling, Schalungsqualität und Nachbehandlung, die gemeinsam über das optische Endergebnis entscheiden.
Für Bauunternehmen ergibt sich daraus ein klares Bild: Die Qualität von Sichtbeton ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines durchgängig abgestimmten Bauprozesses.
Nachhaltiger Betonbau mit RC-Beton und Urban Mining
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Einsatz von Recyclingmaterialien im Betonbau. Im Kontext steigender Anforderungen an Ressourceneffizienz gewinnt der Einsatz von RC-Beton zunehmend an Bedeutung.
Am Beispiel eines innovativen Bauprojekts im kommunalen Umfeld wurde gezeigt, wie Rückbaumaterialien sortenrein aufbereitet und direkt wieder in den Baustoffkreislauf integriert werden können. Dieses Urban-Mining-Prinzip ermöglicht es, Gebäude nahezu als Rohstofflager zu betrachten und Materialien im Sinne einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft erneut zu nutzen.
Damit wird RC-Beton zu einem zentralen Baustein nachhaltiger Baukonzepte, insbesondere bei Infrastruktur- und Verwaltungsbauten, bei denen Lebenszyklusbetrachtungen zunehmend in den Fokus rücken.
UHPC im Extrembereich: Ingenieurleistung für die Sagrada Familia
Ein technologisches Highlight der Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung 2026 war der Einsatz von UHPC im internationalen Großprojekt der Sagrada Familia in Barcelona. Das neue Kreuzelement für den Turm von Antoni Gaudí stellt hohe Anforderungen an Statik, Fertigung und Logistik.
Die Konstruktion basiert auf einer komplexen Stahlstruktur, die mit einer UHPC-Hülle ausgegossen wurde. Der eingesetzte Hochleistungsbeton, entwickelt auf Basis moderner Zementtechnologie, ermöglicht extreme Festigkeiten bei gleichzeitig filigraner Bauweise. Mit Abmessungen im Großformat und einem hohen Eigengewicht stellte bereits die Fertigung der Segmente eine ingenieurtechnische Herausforderung dar.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich Beton als Baustoff im Hochleistungssegment weiterentwickelt und selbst extreme architektonische Anforderungen erfüllt.
Forschungsperspektiven: Bindemittel der Zukunft und CO₂-Reduktion
Aus Sicht der Forschung wurden aktuelle Entwicklungen im Bereich alternativer Bindemittel vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen Strategien zur Reduzierung des Klinkeranteils sowie die Entwicklung neuer Zementformulierungen mit geringerer CO₂-Intensität.
Ergänzend werden sekundäre Maßnahmen betrachtet, darunter Materialeffizienz im Bauwerk, Recyclingstrategien sowie die langfristige Speicherung von CO₂ im erhärteten Beton. Diese Ansätze zeigen, dass die Weiterentwicklung des Baustoffs Beton nicht nur auf Produktebene stattfindet, sondern das gesamte System Bau betrifft.
Betonwerkstein in der Praxis: Ausführung, Wasserführung und Schadensvermeidung
Neben den technologischen Innovationen wurde auch die praktische Anwendung von Betonwerkstein im Außenbereich intensiv behandelt. Besonders im Fokus standen Terrassen- und Treppenkonstruktionen, bei denen Wasserführung und konstruktiver Schutz entscheidend für die Dauerhaftigkeit sind.
Die Diskussion zeigte, dass viele Schäden im Betonbau nicht auf das Material selbst, sondern auf Planungs- und Ausführungsdetails zurückzuführen sind. Eine konsequente Abstimmung zwischen Planung, Ausführung und Produktauswahl bleibt daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Baugewerbe.
Beton als Kulturgut: Die Dywidag-Kuppel als Lernobjekt
Ein besonderer Abschluss der Tagung war die Betrachtung der historischen Dywidag-Kuppel vor dem Informationszentrum in Wiesbaden. Die sanierte Stahlbetonschale steht exemplarisch für die Ingenieurbaukunst des 20. Jahrhunderts und verdeutlicht die lange Entwicklungslinie moderner Betonbauweisen.
Die Verbindung aus historischer Bauweise, moderner Sanierung und heutiger Nutzung zeigt eindrucksvoll, wie Betonbauwerke als technisches und kulturelles Erbe erhalten und gleichzeitig funktional weiterentwickelt werden können.
Fazit: Beton bleibt Schlüsselbaustoff im Wandel
Die Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung 2026 macht deutlich, dass sich der Baustoff Beton in einer tiefgreifenden Transformation befindet. Zwischen Dekarbonisierung, Recycling, Hochleistungsanwendungen und handwerklicher Präzision entsteht ein neues Verständnis von Beton als flexibler, nachhaltiger und technologisch hochentwickelter Baustoff.
Für das Baugewerbe bedeutet dies: Zukunftsfähige Projekte entstehen dort, wo Forschung, Produktion und Baupraxis frühzeitig miteinander verzahnt werden – ein Ansatz, der auch für Fachmedien wie buildingnet.de und das Baugewerbe Magazin zunehmend an Bedeutung gewinnt.










