Brandschutz

Jessica Stütz,

Holzmodulbau - Studentenapartments gestapelt

In Rostock-Lichtenhagen entstand ein neuer Hochschulcampus für Studierende, die hier auf die Arbeit bei der Bundeszollverwaltung vorbereitet werden. 600 von ihnen können hier seit März studieren und wohnen. Der autofreie, begrünte Campus wird später auch den Bürgern der Nachbarschaft offenstehen. Ein besonderes Merkmal des Projektes ist der nachhaltige Bauansatz: Rund 1100 Holzmodule aus der Fertigung der Kaufmann Bausysteme GmbH wurden hier verarbeitet. Das Unternehmen entwickelte gemeinsam mit der Deutschen Rockwool ein Abschottungssystem für haustechnische Leitungen im Holzbau.

Steinwolle innen, Steinwolle außen: Die auf den Dächern der drei Hochschulgebäude verlegte Flachdachdämmung von Rockwool soll den Wärme- und Brandschutz verbessern © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG, Gladbeck

Lediglich für die Unter- und Erdgeschosse sowie die Treppenräume des zentralen Hochschulgebäudes und der beiden Wohngebäude wurde Stahlbeton verarbeitet. Die Obergeschosse entstanden in Holzmodulbauweise. Geplant wurde der Campus vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton, das bereits über Erfahrungen im Holzbau verfügte. Mit seiner Bruttogeschossfläche von rund 50 000 m2 galt das Projekt bei Baubeginn als das größte in Holzmodulbauweise in Europa. Statik und Ausführungsplanung ebenso wie sämtliche Bauleistungen wurden und werden von den Generalübernehmern, der Kaufmann Bausysteme GmbH aus Österreich und der Primus developments GmbH aus Hamburg, erbracht.

Modulfertigung vor Ort

641 der insgesamt rund 1100 Holzmodule wurden im Rostocker Stadtteil Hinrichsdorf, ganz in der Nähe der Baustelle, gefertigt. Die Kaufmann Bausysteme GmbH hatte hierzu eine Produktionsstraße in einer leerstehenden Industriehalle eingerichtet. So konnten zahlreiche Handwerksunternehmen aus der Region an der Montage und dem Ausbau der Wohnmodule mitwirken. Bis zu 80 Mitarbeiter aus den Reihen der Kaufmann Bausysteme waren von Oktober 2024 bis März 2025 vor Ort. Gestapelt wurden die hier gefertigten Module zu zwei siebengeschossigen Wohngebäuden mit Aufenthaltsbereichen und Studentenapartments für bis zu 620 Bewohner.

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Zertifiziertes Holz

Wände, Böden und Decken der Module bestehen aus Brettsperrholzplatten. Zu deren Herstellung wurde ausschließlich Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung verwendet. Allein die verbauten Bodenplatten würden eine Fläche von 21 000 m2 bedecken. „Dieses Projekt ist das bisher größte in der Firmengeschichte“, erklärt Geschäftsführer Christian Kaufmann, „und wir sind stolz, mit der baustellennahen Produktion einen besonders sicheren und nachhaltigen Prozess erfolgreich umgesetzt zu haben.“ Zeitgleich wurde auf der Fertigungsstraße an 36 Modulen gearbeitet. Bis zu zehn pro Tag verließen – verteilt auf fünf Transporte – das Werk in Richtung der etwa 13 km entfernten Baustelle. Die eintreffenden Module wurden dort jeweils sofort eingehoben, die haustechnischen Leitungen gekoppelt.

Abschottung in CLT-Decken

Wie häufig im Modulbau wurden für die haustechnischen Installationen in den beiden Wohngebäuden keine klassischen Installationsschächte vorgesehen. Sämtliche Steig- und Fallstränge wurden auf der späteren den Fluren zugewandten Seite der Module geführt, mit F 30 Schachtwänden in Trockenbauweise abgeschlossen und vom Flur getrennt. Eine Brandausbreitung über die Stränge wird durch die Kombination von Rohrdämmung und Abschottungen aus Steinwolle für die geforderte Feuerwiderstandsklasse verhindert.

Auch die Steig- und Fallstränge wurden im Werk vormontiert. Alle Deckendurchdringungen sind gemäß Außendurchmesser der „Conlit 150 U“ Brandschutzschale vorgebohrt, erste Teilstücke der Rohrleitungen bereits montiert. Es folgt der Einbau der Abschottung und Rohrdämmung © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG, Gladbeck

Zum Einsatz kam ein System, dass die Kaufmann Bausysteme GmbH gemeinsam mit der Deutschen Rockwool für die Abschottung von Leitungssystemen in Wänden und Decken entwickelt hat. Hendrik Reichelt, Entwicklungsingenieur der Kaufmann Bausysteme, fasst zusammen: „Wir arbeiten mit der ‚Conlit 150 U‘ Brandschutzschale, die wir in passgenau gefrästen Bohrungen in CLT-Deckenelemente einbauen.“ Für den Hochschulcampus in Rostock wurden 120 mm dicke Platten verarbeitet. Damit wird Brandschutz F 90 erreicht.

Das Allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis (abP) für das „Conlit“ Abschottungssystem sowie weiterführende Brandprüfungen umfassen CLT-Decken in einer Dicke von 60 mm für die Anforderung F 30 sowie in Dicken von 100 bzw. 120 mm für die Anforderungen F 60 bzw. F 90. Die haustechnischen Leitungen werden in der Modulproduktion so eingebaut und vorgerüstet, dass sie nach dem Zusammenfügen der Module auf der Baustelle mehr oder weniger im „Plug-and-play“-Verfahren verbunden werden konnten.

Endmontage leicht gemacht

Die genauen Schachtbohrpläne, gemäß derer die CLT-Holzelemente bereits in Österreich vorbereitet wurden, erstellte Kaufmann Bausysteme auf der Basis des abP so, dass die Verlegung mit möglichst geringem Abstand zwischen den Leitungen erfolgen konnte. In Rostock wurden die Leitungen, ihre Dämmung („ROCKWOOL 800“) und die „Conlit 150 U“ Brandschutzschale als Abschottung eingebaut. Die Leitungen später von Modul zu Modul vor Ort miteinander zu verbinden und die Dämmung weiterzuführen, falle leicht, berichtet Projektleiter Sandro Bischof: „Die Installateure konnten bis zu 16 Module pro Tag anschließen und der Trockenbauer danach sofort die Verkleidung der platzsparend installierten Leitungen einbauen.“

Rohrschalen aus Steinwolle

Die weiterführende Dämmung auf z. B. Edelstahlrohren, die durch die Module für den Rostocker Hochschulcampus verlaufen, wird mit der „ROCKWOOL 800“ ausgeführt. Diese Dämmschale wird ebenso wie die Brandschutzschale „Conlit 150 U“ einfach über warmgehende Leitungen gestülpt und verschlossen. Für kaltgehende Leitungen bietet Rockwool das „Teclit“ Dämmsystem mit alukaschierten Rohrschalen an.

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