Baugewerbe INTERNATIONAL
Benninghoven setzt mit Recycling-Technologie neue Maßstäbe in São Paulo
Mit der Inbetriebnahme der ersten Recycling-Anlage RPP 4000 HG auf der südlichen Halbkugel setzt Benninghoven gemeinsam mit dem brasilianischen Betreiber Usicity ein deutliches Signal für den Wandel in der Asphaltproduktion. Der Standort liegt rund 30 Kilometer vom Zentrum von São Paulo entfernt und gilt bereits jetzt als strategisches Leuchtturmprojekt für den südamerikanischen Straßenbau.
Die neue Asphaltmischanlage steht für einen Paradigmenwechsel in einem Markt, in dem Recycling-Asphalt bislang kaum genutzt wurde. Während in Europa hohe Recyclingquoten längst zum technischen Standard moderner Asphaltproduktion gehören, befindet sich Brasilien in diesem Bereich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Fräsgut wird vielerorts weiterhin entsorgt, anstatt als wertvoller Rohstoff erneut in den Produktionskreislauf zurückgeführt zu werden.
Mit der Recycling-Anlage RPP 4000 HG verfolgt der Betreiber das Ziel, diesen Ansatz grundlegend zu verändern. Die Anlage ermöglicht die wirtschaftliche Wiederverwendung von Ausbauasphalt und verbindet Ressourcenschonung mit hoher Mischgutqualität. Damit rückt ein Thema in den Fokus, das weltweit an Bedeutung gewinnt: nachhaltiger Straßenbau unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Asphaltproduktion für eine wachsende Metropole
Der Ballungsraum von São Paulo zählt mit mehr als 20 Millionen Einwohnern zu den größten urbanen Zentren weltweit. Das Verkehrsnetz umfasst tausende Kilometer innerstädtischer Straßen und Autobahnen, die dauerhaft instand gehalten und modernisiert werden müssen. Der Bedarf an leistungsfähigem Asphaltmischgut ist entsprechend hoch.
Vor diesem Hintergrund plant der Betreiber, künftig bis zu eine Million Tonnen Asphalt pro Jahr zu produzieren. Dieses Produktionsvolumen übersteigt die Kapazitäten vieler europäischer Asphaltmischanlagen deutlich und verdeutlicht die Dimension des Projekts.
Die Entscheidung für eine moderne Chargenanlage ist dabei kein Zufall. Chargenanlagen ermöglichen eine präzise Dosierung aller Bestandteile und erlauben flexible Rezepturanpassungen für unterschiedliche Anforderungen im Straßenbau. Gerade bei anspruchsvollen Infrastrukturprojekten, etwa auf Autobahnen, Flughäfen oder stark belasteten Stadtstraßen, ist diese Flexibilität entscheidend für Qualität, Haltbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Hohe Recyclingquoten bei konstant hoher Mischgutqualität
Die Benninghoven Asphaltmischanlage wurde speziell für hohe Recyclinganteile entwickelt. Die eingesetzte Heißgaserzeuger-Technologie ermöglicht Recyclingzugaben von bis zu 100 Prozent. Gleichzeitig erreicht die Anlage Mischleistungen von bis zu 400 Tonnen pro Stunde und Tagesproduktionen zwischen 4.000 und 5.000 Tonnen.
Im praktischen Betrieb zeigt sich, dass hohe Recyclingquoten und hochwertige Asphaltmischungen kein Widerspruch sind. Entscheidend ist die präzise Steuerung der Prozesse. Die RPP 4000 HG erlaubt individuell abgestimmte Rezepturen und sorgt für homogene Mischgüter mit konstanten Eigenschaften. Regelmäßige Laborkontrollen sichern dabei Qualitätsmerkmale wie Haltbarkeit, Fahrkomfort und Verkehrssicherheit.
Für den brasilianischen Markt besitzt diese Entwicklung erhebliche Bedeutung. Die Anlage demonstriert erstmals im industriellen Maßstab, dass Ausbauasphalt wirtschaftlich und technisch hochwertig wiederverwendet werden kann. Damit entsteht ein konkretes Praxisbeispiel für ressourcenschonenden Straßenbau unter realen Marktbedingungen.
Zukunftsfähige Asphaltmischanlage mit Fokus auf Emissionsreduktion
Neben dem Recyclinggedanken spielt die Reduzierung von Emissionen eine zentrale Rolle. Die RPP 4000 HG wurde auf langfristige Umweltanforderungen ausgelegt und erfüllt bereits heute Standards, die auf zukünftige regulatorische Entwicklungen ausgerichtet sind.
Die Kombination aus Zweistoffbrenner und flexibler Energieversorgung ermöglicht einen wirtschaftlichen Dauerbetrieb. Perspektivisch kann die Anlage zudem auf Wasserstoffbetrieb umgestellt werden. Benninghoven hat dafür eine Brennergeneration entwickelt, die vollständig mit grünem Wasserstoff betrieben werden kann. Diese Technologie eignet sich sowohl für Neuanlagen als auch als Retrofit-Lösung für bestehende Asphaltmischanlagen.
Gerade im internationalen Infrastruktursektor gewinnt diese Flexibilität zunehmend an Bedeutung. Betreiber stehen weltweit unter Druck, CO₂-Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig wirtschaftlich zu produzieren. Moderne Asphaltmischanlagen entwickeln sich dadurch immer stärker zu energieeffizienten Produktionssystemen mit langfristiger Investitionssicherheit.
Zusammenarbeit als Schlüssel für den erfolgreichen Anlagenbetrieb
Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts in São Paulo basierte nicht allein auf der technischen Ausstattung der Anlage. Ebenso entscheidend war die intensive Zusammenarbeit zwischen Usicity, Ciber und Benninghoven während der gesamten Projektphase.
Bereits vor der Inbetriebnahme wurden die Mitarbeitenden umfassend geschult. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Steuerung BLS4 und der integrierte Rezeptgenerator, die für eine präzise Anlagensteuerung und stabile Produktionsprozesse sorgen. Gerade bei komplexen Recyclingprozessen spielt die Qualifikation des Bedienpersonals eine zentrale Rolle für Effizienz und Mischgutqualität.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie technologische Innovation, praxisorientierte Schulung und internationale Zusammenarbeit zusammenwirken können, um neue Standards im Straßenbau zu etablieren.
Signalwirkung für den südamerikanischen Straßenbau
Die neue Recycling-Anlage RPP 4000 HG entwickelt sich bereits kurz nach der Inbetriebnahme zu einem Referenzprojekt für die gesamte Region. Der Betreiber sieht sich in seiner Entscheidung bestätigt, auf moderne Recycling-Technologie von Benninghoven zu setzen und damit den Technologiewandel in der brasilianischen Asphaltproduktion aktiv voranzutreiben.













