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Artikel und Hintergründe zum Thema

Energiewende

Kai Ingmar Link,

Grünstrom aus Abwärme: Rohrdorfer Zementwerk als Vorreiter

Mit dem Jahresbeginn 2024 hat das Zementwerk Rohrdorf ein wichtiges Kapitel in seiner Geschichte aufgeschlagen – und ein deutliches Zeichen in Richtung nachhaltiger Stromerzeugung gesetzt.

Innenansicht des Abwärmekraftwerks. © Rohrdorfer

Seit Januar produziert das firmeneigene Abwärmekraftwerk offiziell zertifizierten Grünstrom. Was technisch bereits seit Jahren ein Erfolgsmodell war, ist nun auch rechtlich anerkannt: Das Umweltbundesamt bestätigte im Februar 2025 über das Herkunftsnachweisregister, dass mehr als ein Drittel der erzeugten 18,3 Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbarer Energie stammt.

Die damit dokumentierte Grünstrommenge – rund sechs Millionen Kilowattstunden – reicht rechnerisch aus, um etwa 1.700 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Für die Region, aber auch für die gesamte Baustoffbranche, ist dies ein Signal von hoher Strahlkraft.

Technologie mit Wirkung: Strom aus Zementabwärme

Bereits seit 2011 ist das Rohrdorfer Abwärmekraftwerk fester Bestandteil der Produktionskette im Zementwerk. Damals wurde die Anlage mit dem Energy Efficiency Award der Deutschen Energieagentur ausgezeichnet. Was sie besonders macht, ist das technisch anspruchsvolle Verfahren: Abgaswärme, die in der Zementherstellung sonst ungenutzt entweicht, wird über Wärmetauscher in Wasserdampf umgewandelt, der eine Turbine und anschließend einen Generator antreibt. So wird wertvolle Energie zurückgewonnen – effizient, emissionsarm und ohne zusätzliche fossile Brennstoffe.

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Diese Form der Abwärme-Verstromung liefert bis zu einem Drittel des gesamten Strombedarfs der Rohrdorfer Zementproduktion. Mit steigenden Anteilen an biogenen Brennstoffen wie Altpapier, Pappe, Baumwollresten oder Altreifen hat sich die CO₂-Bilanz über die Jahre kontinuierlich verbessert. Doch erst die Zertifizierung durch unabhängige Umweltgutachter und der damit verbundene Eintrag ins Herkunftsnachweisregister machen diesen Fortschritt offiziell sichtbar.

CO₂-Bilanz als Wettbewerbsvorteil

Das Abwärmekraftwerk im Zementwerk Rohrdorf produziert seit Januar 2024 zertifizierten Grünstrom. © Rohrdorfer

Für Dr. Christopher Ehrenberg, technischer Leiter der Rohrdorfer Zementsparte, ist die Anerkennung mehr als ein bürokratischer Erfolg. „Die nun offiziell anerkannte, umweltfreundliche Stromproduktion unseres Abwärmekraftwerks ist eine sehr gute Nachricht für Rohrdorfer. Da Zement in unserem Transportbeton sowie unseren Fertigteilen und Betonwaren enthalten ist, verbessert sich automatisch auch der CO₂-Fußabdruck dieser Rohrdorfer-Produkte. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern mittlerweile auch ein Wettbewerbsvorteil, da der Markt für CO₂-reduzierte Baustoffe spürbar wächst.“

In einer Branche, die sich zunehmend an den Maßgaben der Nachhaltigkeit orientiert, wird die Zertifizierung des Grünstroms zu einem wirtschaftlichen Argument. Unternehmen, die Baustoffe einkaufen, achten verstärkt auf Umweltkennzahlen und fordern nachvollziehbare Daten. Rohrdorfer schafft hier Klarheit – nicht nur durch technische Innovation, sondern auch durch Transparenz und externe Kontrolle.

Perspektive 2030: Zementproduktion mit Verantwortung

Das Rohrdorfer Abwärmekraftwerk ist damit mehr als nur ein technisches Glied in der Produktionskette. Es ist Symbol und Werkzeug für die Transformation eines energieintensiven Industriezweigs. Die Zertifizierung ist das Ergebnis eines neunmonatigen Prüfprozesses – und gleichzeitig Startpunkt für weitere Schritte. Bis 2030 will das Unternehmen den Anteil biogener Brennstoffe und damit die Grünstromproduktion systematisch steigern.

Innenansicht Abwärmekraftwerk. © Rohrdorfer

Damit leistet Rohrdorfer einen Beitrag, der über das eigene Werk hinausreicht. Denn in der Diskussion um den ökologischen Fußabdruck von Zement und Baustoffen wird deutlich: Nur wer in die eigene Infrastruktur investiert und Kreisläufe intelligent nutzt, kann langfristig Teil der Lösung sein.

Mit dem zertifizierten Grünstrom aus dem Abwärmekraftwerk zeigt Rohrdorfer, wie sich Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz in Einklang bringen lassen – und setzt damit Maßstäbe für eine nachhaltige Zukunft der Baustoffindustrie.

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