Beeindruckendes Bauwerk
Symbiose aus Natur, Tradition und Moderne
Mit dem mehrfach prämierten Neubau des Wasserkraftwerks Töging am Inn haben Robert Maier Architekten die natürliche Ästhetik und alte Bausubstanz innovativ weiterentwickelt.
Wasserkraft ist eine erneuerbare Energiequelle, deren Potenzial die Menschen schon vor Jahrtausenden für sich entdeckten. Im Raum Töging nutzte man ab 1921 die Strömungsenergie des Flusses Inn für eine Stromerzeugung im großen Stil. Doch auch technische Anforderungen unterliegen dem Wandel der Zeit. So konnte knapp 100 Jahre später das inzwischen denkmalgeschützte Areal nicht mehr an die neuen Kraftwerksanlagenteile angepasst werden – der Startschuss für einen Neubau neben dem Bestand, ausgeführt von dem erfahrenen Team von Robert Maier Architekten.
Bauen mit Wertschätzung, Kreativität und Weitblick
Das mittlerweile realisierte, beeindruckende Bauvorhaben wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2024 mit dem BDA Architekturpreis „Über Oberbayern“, der baukulturelle Traditionen und architektonische Besonderheiten herausstellt. Beides spiegelt sich heute in dem Objekt wider.
Zuvor sahen sich die Planer allerdings einigen Herausforderungen gegenüber, angefangen bei der fortlaufenden Optimierung der Baukosten bis hin zu einer verträglichen, aber dennoch kreativen gestalterischen Umsetzung: „Wir wollten kein neues Kraftwerk platzieren, das den historischen Bestand – auch optisch – verdrängt. Deshalb nimmt sich unser Konzept subtil zurück und verschwindet größtenteils im Hang, sodass nur die wichtigsten Bauteile sichtbar sind“, erläutert Robert Maier.
Damit sich die großräumige Technik eines Wasserkraftwerks inklusive dessen gewaltige Rohrleitungsführungen bestmöglich in die Umgebung einfügen, wurde der Neubau weitestgehend unterirdisch in das Gelände eingefügt. Die oberirdischen Gebäudeteile reduzieren sich auf einen Oberwasser- und Unterwasserbereich, die jeweils als einzelne Elemente aus dem Hang
herausragen. Unter einer massiven Betonscheibe ist ein schwarzer, zurückversetzter Einschnitt erkennbar, in dem sich der Anlieferungs- und Zufahrtskomplex sowie die Funktionsräume befinden.
Ein markantes Detail ist auch die dreidimensionale Betonstruktur in Wellenform, welche die Nähe zum Element Wasser hervorhebt. Im darunterliegenden Abschnitt wird durch die gelochten, vertikal angeordneten Mäanderbleche ein visueller Anschluss an die vertikalen Stahllamellen – die Rechenanlagen – bei den Einlaufbereichen des Kraftwerks geschaffen. „Die beiden sichtbaren Gebäudeteile korrespondieren in ihrer architektonischen Ausformung und sind über den begrünten Hang miteinander verbunden, was die bewusste Integration der Natur erneut betont“, ergänzt Maier.
Effektive Leistungen, eindrucksvolle Zahlen
Nach gerade einmal vier Jahren Bauzeit liefert die Anlage der Verbund Innkraftwerke GmbH heute den Strom für rund 200.000 Haushalte. Dafür erzeugen drei Kaplan-Turbinen insgesamt 700 Gigawattstunden Strom pro Jahr – 140 Gigawattstunden mehr als die alte Anlage. Die Gesamtkosten für das bei Weitem größte deutsche Wasserkraftwerksprojekt belaufen sich auf 250 Millionen Euro. Zudem trägt das im September 2022 durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder eröffnete Bauwerk mit alleine 14 Prozent zum Ausbauziel der Staatsregierung von einer zusätzlichen Terawattstunde pro Jahr bei der Wasserkraft bei. „Nachhaltige Architektur basiert auf dem verantwortungsvollen Handeln aller Beteiligten.
Schon vor einem Jahrhundert ist mit dem ersten Töginger Wasserkraftwerk etwas Spannendes entstanden, das wir durch innovative Ideen und den Blick für das große Ganze, auch in Sachen Umwelt- und Klimaschutz, respektvoll weiterentwickelt haben“, resümiert Maier.
Über Robert Maier Architekten
Robert Maier Architekten ist ein mehrfach preisgekröntes Architekturbüro mit Sitz im oberbayerischen Neuötting, das sich auf nachhaltige und innovative Bauprojekte spezialisiert hat. Mit einem Team aus erfahrenen Architekten und Designern strebt das renommierte Büro danach, Gebäude und Räume zu schaffen, die sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend sind und dabei stets den Menschen und die gebaute Umwelt mit deren Traditionen im Blick behalten.














