Kunstwerke aus Holz
Im Dialog mit dem Lebewesen Baum
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, Fakes, Plastikfluten und oberflächlicher werdenden Verbindungen zur Natur, hat die Arbeit von Bernhard Schmid etwas beruhigend Erdverbundenes und Authentisches. In diesem Sommer und Herbst sind seine Kunstwerke aus Holz in mehreren Ausstellungen zu sehen.
„BaumRaum“ Architektur aus dem Baum, Mammutbaum aus der Wilhelmassat von König Wilhelm von 1964
© Archiv Bernhard SchmidDie Kindheit des Künstlers Bernhard Schmid wurde geprägt von dem Verhaftet-Sein in der Natur auf dem bäuerlichen Hof des Onkels in Schwabmünchen. Hier sind seine Wurzeln – auf den Streuobstwiesen unter den Apfelbäumen. Bereits in dieser frühen Kindheit entstand die tief empfundene Verbundenheit mit Bäumen, aber auch die Demut gegenüber dem Baum als einem individuellen Lebewesen und nicht als dem „Material Holz“.
Eine besondere Begabung, ein besonderes Gefühl für den Baum wurde Schmid in die Wiege gelegt, weshalb ihn mancher etwas scherzhaft „Baumflüsterer“ nennt. Dies macht nun auch die Einzigartigkeit seiner Skulpturen aus, da in ihnen nicht – wie bei dem Schaffen mit Werkstoffen wie Ton, Metall oder Holz – eine bestimmte Aussage oder Intention modelliert wird. So bleibt der Künstler auch mit seinen Baumskulpturen „unter“ den Bäumen, wenn er ihnen keine Form aufzwängt, sondern in einer Art innerem Dialog und Nachspüren dem gewachsenen Wesen nachgeht und dieses in seiner Gestalt herausarbeitet und „zu Wort“ kommen lässt. Die über die Jahre perfektionierte Technik der Oberflächenbearbeitung mit natürlichen Stoffen bietet ein ungewöhnliches haptisches Erleben an.
Bereits als Kind und Jugendlicher war Schmid begeistert von Intarsien- und Schnitzarbeiten und so verwundert es nicht, dass der erste Schritt ins Berufsleben eine Schreinerlehre war. Ein eigenes Innenausbaustudio für Küchen und Möbel und Montagen als Zwischenstation konnten ihn nicht von seiner Verbundenheit zur Kunst und den Bäumen abbringen. Und so zog es ihn nach und nach in die künstlerische Selbstständigkeit, zunächst auch in Form von Bildern in Spachteltechnik auf Holzmaser, kleineren Skulpturen aus Rinde und Tafelbildern aus Holz. Doch der ganze Baum als individuelles Lebewesen und ein Gegenüber ließ ihn nie los und so entwickelte sich immer mehr die Arbeit mit heimischen und besonderen „Baumpersönlichkeiten“. Jeden Baum mit dem Schmid arbeitet, seine Herkunft und Geschichte, kennt er persönlich und so bleibt die Skulptur nicht „anonym“, sondern wird lebendig.
In seiner Heimat im Landkreis Günzburg wurde Bernhard Schmid im Jahr 2005 bekannt durch die Gestaltung des Landkreislogos „Die Familie“ als Holzskulptur. Im selben Jahr bearbeitete er eine stadtbekannte 100jährige Buchenknolle. Dieser Baum mit seiner riesigen Knollenverwachsung hatte im Umfeld eine gewisse Berühmtheit – die Skulptur „Innere Werte“, die daraus entstand, verdeutlicht die Verbundenheit vieler Menschen mit dem exponierten Baum. Ein Höhepunkt seines Schaffens war die Arbeit mit dem „Jakob Fischer Ur-Baum“. Die nachweisliche Existenz eines Ur-Baums einer alten und überaus beliebten Obstsorte ist etwas ganz Besonderes.
Bernhard Schmid mit „Prachtkerl, 2023“, einem 110 Jahre alten Boskop-Apfelbaum
© Archiv Bernhard Schmid„Berührt sein und sich berühren lassen“, das ist das Kunstverständnis von Bernhard Schmid. Wenngleich die Werke in ihrer Ästhetik sehr dekorativ anmuten, so geht es im Wesentlichen doch um die Emotionen, die in ihnen konzentriert oder durch sie gelöst werden. Neben seinen Impulstexten, die er den meisten seiner Werke beifügt, entwickelte er vor kurzem mit Pädagogen auch ein Konzept zur Kunst- und Naturvermittlung für Kinder, Junggebliebene und Erwachsene. Die Begleitbroschüre „berührt sein“ und das pädagogische Konzept „Merlin und sein Freund der Apfelbaum“ entstanden. Sie begleiten seine teilweise auch themenbezogenen Ausstellungen, unter anderem in Museen, Kurhäusern, Parks, Kirchen, auf Messen und im eigenen Atelier in Rettenbach bei Günzburg. Dort begrüßt er auch gerne seine Interessierte oder bietet Gruppenführungen an.
Aktuelle Ausstellungen
Seit dem 4.08.24 16.00 Uhr: „Kind Raum Baum“ Ausstellungseröffnung
www.freilichtmuseum-beuren.de
Ausstellungsdauer bis 27.10.2024
Bis zum 16.0924.: „Ereignis Wandel Baum“ Bauernhaus-Museum Wolfegg
www.bauernhaus-museum.de
Am 17.09.24: „Jakob Fischer - Baum Frucht Mensch“ Bauernhaus-Museum Wolfegg
www.bauernhaus-museum.de
Am 6.10.24: Apfeltag mit Führung
Am 13.10.24: Jakob Fischer´s Geburtstag Führung 11.00 + 13.00 Uhr
Ausstellungsende am 3.11.2024
Dauerausstellung: Kloster Holzen Hotel, Klosterstraße 1, 86695 Allmannshofen
www.kloster-holzen.de
27.11. - 1.12.2024 Heim und Handwerk - Kunstausstellung , Messe München
www.heim-handwerk.de










