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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachhaltige Baustoffe

Kai Ingmar Link,

Rohrdorfer startet Versuchsanlage für CO₂-reduzierte Zementproduktion mit getemperten Tonen

Die Zementproduktion gehört weltweit zu den größten industriellen Emittenten von CO₂. Umso bedeutender ist der Schritt, den Rohrdorfer Anfang Juli im oberbayerischen Werk Rohrdorf vollzogen hat:

Vorderansicht der Anlage. Links im Bild das Silo mit dem Rohmaterial. In der Mitte die Zyklone und die Brennkammer. Rechts der Drehrohrofen und die Leitung für die Klinkerkühlerabluft. © Rohrdorfer

Die neue Versuchsanlage für getemperte Tone ist erfolgreich in Betrieb gegangen. Sie gilt als zentraler Baustein des Dekarbonisierungsfahrplans des Unternehmens und soll zeigen, wie sich Zement künftig deutlich emissionsärmer herstellen lässt.

Durch die thermische Behandlung von Rohton entsteht sogenannter getemperter Ton, der Klinker teilweise ersetzen kann. Klinker ist bislang der wichtigste Bestandteil von Zement – und zugleich der größte Emissionstreiber. Mit den neuen Verfahren will Rohrdorfer die Grundlage schaffen, CO₂-intensive Produktionsschritte durch innovative Baustoffe zu ersetzen.

Hightech-Anlage mit Vorbildcharakter

24 Meter hoch ragt die neue Versuchsanlage in die Höhe. Im Siloturm im Vordergrund befindet sich das Rohmaterial, im Silo links hinten das Fertiggut. © Rohrdorfer

Die Versuchsanlage entstand im Rahmen eines Pilotprojekts, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie der Europäischen Union gefördert wird. Insgesamt fließen bis zu 8,65 Millionen Euro in die Entwicklung, die bis Ende 2026 läuft.

Die Anlage vom Wärmetauscher-Turm aus betrachtet. Links im Bild: Der Drehrohrofen, dessen Abwärme für den Betrieb der Anlage genutzt wird. © Rohrdorfer

Ein besonderes Merkmal des Projekts ist sein energie- und emissionsarmes Konzept: Die Anlage nutzt die Abwärme aus der bestehenden Klinkerproduktion und wurde deshalb direkt neben dem Drehrohrofen errichtet. Ein eigens konstruierter Flash-Kalzinator temperiert die Tone mit minimalem Einsatz von Primärenergie. Gleichzeitig werden die Abgase über die vorhandene Abgasreinigung geleitet – zusätzliche Emissionen entstehen nicht.

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Anspruchsvolle Verfahrenstechnik im Test

Das Net Zero Emission-Team von Rohrdorfer untersucht nun bis Ende 2026 die optimale Zusammensetzung der Rohtone und verfeinert die Prozesse. Dabei geht es nicht nur um die richtige thermische Behandlung, sondern auch um die ideale Mahlfeinheit und den Einsatz geeigneter Zuschlagstoffe.

Rückansicht der Anlage. Im Vordergrund der Abluftfilter. © Rohrdorfer

Mit der systematischen Erforschung der Technologie der getemperten Tone im Produktionsprozess des Rohrdorfer Werks leisten wir Pionierarbeit in der Zementindustrie“, betont Markus Judendorfer vom Net Zero Emission-Team. „Eine besondere Herausforderung ist, das Produkt zu optimieren und zeitgleich die Energieeffizienz der Anlage weiter zu verbessern. Unsere ersten Ergebnisse der Anfangsphase sind sehr zufriedenstellend.“

Perspektive: Zementproduktion ohne fossilen Fußabdruck

Beispiel eines Rohtones für die Anwendung in der Versuchsanlage. © Rohrdorfer

Die Dimension des Projekts geht weit über die Versuchsanlage hinaus. Schon heute plant Rohrdorfer, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse eine Großanlage zu errichten, die signifikant CO₂ einspart.

„Das Potenzial zur CO₂-Einsparung beläuft sich auf insgesamt 60 Prozent. Davon kann fast die Hälfte dank getemperter Tone vermieden werden. Die neue Versuchsanlage ist deshalb ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur CO₂-neutralen Zementproduktion, die wir für 2038 anvisieren“, erklärt Dr. Christopher Ehrenberg, technischer Leiter der Rohrdorfer Zementsparte.

Getemperter und gemahlener Ton für den Ersatz von Klinkern im Zement. © Rohrdorfer

Damit wird deutlich: Getemperte Tone sind mehr als ein neuer Baustoff. Sie sind ein Schlüssel zur Transformation einer ganzen Branche, die in Zukunft Zement produzieren will, ohne den Klimazielen im Weg zu stehen.

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