Aktion BauZukunft
Stärkeres Engagement für den Wohnungsbau gefordert
Dr. Thomas Kranzler, Geschäftsführer der Syspro-Gruppe Betonbauteile im Interview zu den Forderungen der Betonfertigteilbranche an die Politik.
Auch in 2024 blieb in Deutschland die Nachfrage nach Bauleistungen hinter dem Investitionsbedarf zurück. Nach einem realen Umsatzrückgang von 4 % für 2024 rechnen Experten auch für 2025 mit einem Rückgang von ca. 2,5 %. Insbesondere hiervon betroffen ist der Wohnungsbau. Von den jährlich angestrebten 400.000 Wohneinheiten war Deutschland in 2024 mit ca. 255.000 Fertigstellungen weit entfernt.
Redaktion: Herr Dr. Kranzler, die Betonfertigteilindustrie hat eine große Bedeutung für den Ausbau dringend benötigter Infrastruktur und Wohnräume. Welche Forderungen stellen Sie an eine nachhaltige Baupolitik?
Dr. Thomas Kranzler: Auch für 2025 sind die Geschäftserwartungen unserer Mitglieder verhalten. Wir hoffen zwar, dass die Talsohle der Nachfrage im Wohnungsbau erreicht ist, dennoch rechnen wir für dieses Jahr mit weiteren realen Umsatzrückgängen von ca. 7 Prozent. Daher ist die neue Regierung gefordert, möglichst kurzfristig wirkende Beschlüsse zu fassen, die die drängenden Probleme lösen. Was wir brauchen, sind Bauanreize, zielgerichtete Investitionen für eine Steigerung der Nachfrage, gepaart mit einschneidenden Reformen der Bauordnungen, insbesondere um künftig Einsparpotenziale beim modularen Bauen nutzen zu können. Hilfreich wäre sicher die Einführung eines Freibetrags bei der Grunderwerbsteuer für Familien mit Kindern und die Erweiterung der Förderung für barrierefreies Wohnen. Zudem wünschen sich unsere Mitglieder eine steuerliche Förderung. Vor dem Hintergrund der krassen Wohnungsnot sollte es doch das Ziel sein, eine Wohnungsbaupolitik zu installieren, die sowohl langfristig wirkt als auch Sofortmaßnahmen im Portfolio bereithält.
Redaktion: Als Ursache für die lahmende Baukonjunktur werden häufig zu hohe bürokratische Hürden genannt. Was müsste sich hier ändern?
Kranzler: Ein wesentlicher Appell an die Politik ist die Forderung nach einer Verschlankung von Regelwerken, einer Harmonisierung von Standards und einer Vereinfachung von Genehmigungs- und Vergabeverfahren. Digitale Plattformen für Bauanträge und Genehmigungsverfahren könnten hierbei helfen, Prozesse zu beschleunigen und die Transparenz zu erhöhen. Auch die Einführung verbindlicher Fristen für die Bearbeitung von Bauanträgen durch Behörden, wäre zielführend.
Redaktion: Neben der Konjunktur ist der Fachkräftemangel das größte Problem der Branche. Wie könnte die Politik hier ansetzen?
Kranzler: Wir müssen die jungen Menschen begeistern und die Attraktivität von Bauberufen steigern. Hierzu zählt die Förderung moderner Ausbildungsstätten und praxisnaher Ausbildungsmethoden. Ebenso finanzielle Unterstützung für Unternehmen, die Ausbildungsplätze anbieten. Hierzu gehört aber auch die Schaffung von Weiterbildungsangeboten für bestehende Arbeitskräfte, um sie für neue Bauanforderungen zu qualifizieren. Letztendlich muss es auch das Ziel sein, mit geeigneten Umschulungsinitiativen Arbeitskräfte aus anderen Branchen, für das Bauwesen zu gewinnen. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre der Abbau bürokratischer Hürden für die Zuwanderung von Fachkräften und eine Beschleunigung und Vereinfachung der Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Auch flexible Arbeitszeitmodelle und steuerliche Vorteile bei Überstunden würden wir begrüßen.
Redaktion: Herr Dr. Kranzler, die Betonfertigteilbranche spielt eine zentrale Rolle bei der Erreichung von Klimazielen und nachhaltiger Entwicklung. Welche Forderungen haben Sie an die Politik in Punkto Nachhaltigkeitsvorgaben?
Kranzler: Unsere Mitglieder sind sich ihrer Verantwortung bewusst und arbeiten mit Hochdruck daran, die Bilanz der CO2-Emissionen ihrer Betonfertigteile und deren Produktion zu reduzieren. Noch sind jedoch viele der neu entwickelten Baustoffe aus CO2-reduziertem Beton oder Recyclingbeton wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig – aber der Durchbruch zur bezahlbaren, klimafreundlichen Zauberformel wird kommen. Helfen würde es, wenn baurechtliche Hemmnisse (normative und bauaufsichtliche), für den Einsatz von klimafreundlicheren Baustoffen zügig abgebaut werden. Wir fordern daher stabile, langfristige Vorgaben, um Investitionen in klimafreundliche Technologien und nachhaltige Baumaterialien kalkulierbar zu machen. Einheitliche Standards und Normen auf nationaler und europäischer Ebene würden helfen, Bürokratie zu reduzieren und Innovationen zu fördern. Auch Förderprogramme, die finanzielle Anreize für klimafreundliche Bauweisen wären zielführend, ebenso steuerliche Vorteile oder Zuschüsse für den Einsatz nachhaltiger Baumaterialien und die Erreichung hoher Energieeffizienzstandards.
Unsere Branche ist bereit, ihren Beitrag zur Modernisierung von Infrastruktur und Wohnungsbau zu leisten, doch es braucht jetzt klare politische Weichenstellungen, um den dringend notwendigen Investitionsschub auszulösen.
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