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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe INTERNATIONAL

Mark De Wolf / Kai Ingmar Link,

Autodesk und Norconsult verkörpern digitalen Ansatz für Infrastruktur

Erfahren Sie, wie dieser Gewinner des Autodesk Design & Make Awards digitale Prozesse nutzte, um Norwegens Sotra-Brücke zu realisieren – und wie Architektur-, Ingenieur- und Bauunternehmen (AECO) mithilfe von Datenanalysen, Cloud-Technologien und innovativem Design Herausforderungen meistern können.

In Norwegen überspannt die weltweit erste vollständig digitale Hängebrücke 900 Meter und verbindet die Insel Sotra mit Bergen. © Autodesk

Digitale Reife im Bauwesen

Architektur-, Ingenieur-, Bau- und Betriebsunternehmen (AECO) waren in den letzten Jahren mit massiven Herausforderungen konfrontiert: Klimawandel, Pandemie, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Schwankungen. Die erfolgreichsten Unternehmen haben diese Bewährungsprobe bestanden – dank Technologie, gepaart mit Expertise und Kreativität. In einer Branche, in der sich mehr als 64 % der Unternehmen bereits als digital fortgeschritten einstufen, haben Cloud-Plattformen in Kombination mit Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit geholfen, bemerkenswerte Erfolge zu erzielen.

Ein herausragendes Projekt, das diesen datengetriebenen Ansatz beispielhaft nutzt, ist die neue Hängebrücke von Sotra in Norwegen. Sie gewann 2024 den Autodesk Design & Make Award für die innovativste Nutzung der Autodesk Platform Services. Planung, Konstruktion und Projektmanagement der Brücke, die derzeit im Bau ist, wurden von Norconsult Norway vollständig digital umgesetzt – ganz ohne klassische Zeichnungen. Mit einer cloudbasierten Design- und Bauplattform gelang es, enorme Datenmengen für 3D-Modellierung, Berichterstattung, Kostenkontrolle und Facility Management zu erfassen und zu verknüpfen. APIs ermöglichten es, maßgeschneiderte End-to-End-Workflows zu entwickeln, digitale Entwürfe zu analysieren und zu optimieren.

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Digitale Entwürfe für physische Bauwerke

Die neue Sotra-Brücke ist ein zentrales Element des norwegischen Projekts National Road 555 Sotrasambandet, einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit einem Budget von 19,8 Milliarden NOK (1,8 Mrd. USD). Es ist derzeit das größte Infrastrukturprojekt Europas gemessen am Vertragswert.

Wenn sie im Sommer 2027 für den Verkehr freigegeben wird, wird die 900 Meter lange Hängebrücke mit ihren 145 Meter hohen Türmen das Fjordpanorama dominieren und die Insel Sotra mit dem 9,4 Kilometer langen Zubringer von Bergen verbinden.

Das Projekt wird vom Konsortium Sotra Link realisiert. Norconsult verantwortet die Planung, während die Bauausführung von Webuild, FCC Construcción und SK Ecoplant übernommen wird.

Ein zentrales Ziel war es, zu zeigen, dass digitale Prozesse Risiken reduzieren und Auftraggebern mehr Transparenz bieten können. „Unsere Kunden wollen eine Brücke erhalten, die nach Best Practices gebaut und im bestmöglichen Zustand übergeben wird“, erklärt Vegard Gavel-Solberg, Gruppenleiter für Brückenprojekte bei Norconsult. „Digitale Modelle helfen erheblich, Fehler in der Bauphase zu reduzieren, weil sie das Verständnis der Aufgaben bei jedem Auftragnehmer verbessern und den Blick fürs große Ganze schärfen.“

Die klimatischen Bedingungen in Norwegen machen die Planung zusätzlich komplex. „Norwegen ist ein Land mit viel Schnee, Regen und schwieriger Topografie“, so Gavel-Solberg. „Das hat Konsequenzen für die Art und Weise, wie wir Brücken entwerfen müssen, um während ihrer Lebensdauer auch die wirtschaftliche Gesamtbilanz zu optimieren.“

Kostenkontrolle durch Daten

Ein in Autodesk Navisworks erstelltes Modell zeigt einen Schnitt durch das neue Sotra-Brückenbauwerk. Bild: Norconsult. © Autodesk

Norconsult nutzte die Autodesk Construction Cloud (ACC), die Kommunikation, Projektmanagement und Kostenkontrolle bündelt. Um reibungslos über das gesamte Konsortium hinweg zu arbeiten, wurde das Projekt nahezu vollständig papierlos abgewickelt. Der Anteil klassischer Zeichnungen konnte im Vergleich zu früheren Brückenprojekten um 99,5 % reduziert werden.

„Brücken sind geometrisch hochkomplexe Bauwerke“, sagt Gavel-Solberg. „Ein paar vereinfachte Schnitte auf Papier können das nicht abbilden. Mit 3D-Modellen sehen alle Beteiligten das gesamte Bild und verstehen, wie jede einzelne Komponente das Projekt beeinflusst.“

Mithilfe der Autodesk Platform Services APIs gelang es, Workflows zu verknüpfen, große Datenmengen zu prüfen und konsistent zu verarbeiten. „Wir haben die APIs genutzt, um Daten zu validieren, sicherzustellen, dass sie korrekt typisiert sind, und sie im richtigen Format bereitzustellen“, erklärt Thomas Ostgulen, BIM-Manager bei Norconsult.

Das Ergebnis: Die Zahl der benötigten Zeichnungen sank von 4.000 bei einem vergleichbaren Projekt auf nur 15 für die digitale Sotra-Brücke. Gleichzeitig wurden 60 Millionen Datenpunkte aus 211 Modellen mit über einer Million Objekten erfasst und gespeichert. Automatisierung reduzierte zudem den Aufwand bei Routineaufgaben wie Issue-Tracking oder Freigabeprozessen erheblich.

Norwegens Regierung setzt auf Daten

Während Architektur traditionell Vorreiter der Digitalisierung im Bauwesen war, schreiben die norwegischen Behörden inzwischen digitale Unterlagen verpflichtend vor. „Die Regierung verlangte, dass die Sotra-Brücke in allen Projektphasen über openBIM abgewickelt wird“, sagt Ostgulen.

„Verglichen mit klassischen Zeichnungen haben digitale Modelle unseren Kunden das enorme Einspar- und Effizienzpotenzial vor Augen geführt. Da 80 % der Lebenszykluskosten eines Bauwerks im Facility Management entstehen, ist die Bauphase nur die Spitze des Eisbergs.“

Zudem ist die Brücke auf eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren ausgelegt. „Wir müssen Lösungen entwickeln, die auch im kommenden Jahrhundert Bestand haben“, betont Ostgulen.

Nachhaltigkeit von Anfang an integriert

Das digitale Vorgehen half Norconsult auch, die hohen Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. In Norwegen gilt: Wenn ein Angebot nicht nachhaltig ist, muss es preislich rund ein Drittel günstiger sein, um überhaupt eine Chance zu haben.

Die neue Sotra-Brücke, ein Symbol für nachhaltiges Ingenieurwesen, verkörpert Norwegens Engagement für umweltbewusstes Bauen. © Norconsult.

Mit digitalen Werkzeugen wie Autodesk Revit konnten Architekten und Ingenieure Materialien besser auswählen, die Performance der Brücke simulieren und sicherstellen, dass sie extremen Wetterbedingungen standhält – bei geringeren CO₂-Emissionen.

„Ein Problem ist die lange Vorlaufzeit vieler Projekte“, erklärt Terje Fjellby, BIM-Berater bei Norconsult. „Einige Projekte wurden genehmigt, bevor das Pariser Abkommen existierte. Wir müssen heute Entscheidungen anpassen, die damals noch ohne Blick auf den Klimawandel getroffen wurden. Digitale Werkzeuge helfen uns, Daten neu zu bewerten und Projekte in frühen Phasen anzupassen – etwa bei Straßenführung, Geschwindigkeit oder Sichtlinien.“

Auch im Betrieb nach der Fertigstellung bieten digitale Lösungen Vorteile: Mithilfe integrierter Sensoren lässt sich ein Digital Twin betreiben, der Verkehr, Belastungen, Vibrationen, Wetter, Energieverbrauch und ökologische Auswirkungen in Echtzeit überwacht.

Fazit

Öffentliche Großprojekte bringen besondere Herausforderungen mit sich. Durch APIs und Cloud-Plattformen wird die Planung und Realisierung flexibler, Datenqualität lässt sich sichern und Prozesse werden effizienter.

„Es ist unmöglich, 60 Millionen Datenpunkte manuell zu prüfen“, resümiert Ostgulen. „Automatisierte Lösungen sind dafür absolut entscheidend.“

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