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Artikel und Hintergründe zum Thema

mikado-Interview

Jessica Stütz,

„Erfolg ist nur mit einem guten Team möglich“

1986 als kleines Holzhandelsunternehmen gegründet, entwickelte sich Steico zum großen Hersteller mit heute über 2000 Mitarbeitern. Bei den Holzfaser-Dämmstoffen ist es Marktführer, stellt zudem konstruktive Holzprodukte her, die sein Sortiment zu einem richtungsweisenden Bausystem ergänzen. Unternehmensgründer Udo Schramek zieht sich Ende Juni 2024 als CEO zurück.

© Steico

mikado: Herr Schramek, welche Eigenschaften muss ein Unternehmer besitzen, um dermaßen erfolgreich zu sein?

Udo Schramek: So ein Erfolg ist nur mit einem guten Team möglich. Und damit das funktioniert, muss ein Unternehmer zunächst einmal verlässlich sein. Er muss eine klare Linie vorgeben, um für Orientierung und Vertrauen zu sorgen. Er braucht aber natürlich auch Mut, um in wichtigen Situationen Entscheidungen zu treffen. Mut, aber keinen Übermut. Sind die Entscheidungen getroffen, dann müssen viele Dinge einfach gemacht werden. Das erfordert wiederum viel Fleiß und Beharrlichkeit. 

Was waren Ihre schwierigsten Entscheidungen?

Schwierig war bereits 1986 die Entscheidung zur Selbstständigkeit, denn die erforderte viel Risikobereitschaft und Kapital. Schwierig war dann 1998 auch der Sprung vom kleinen Holzhandelsunternehmen zum großen Hersteller: Mit 7 Mitarbeitern erwarben wir das Werk in Czarnków mit 750 Mitarbeitern – das war eine ganz schöne Herausforderung. Eine weitere war dann der Börsengang. Und aktuell: das Loslassen. 

Was war Ihre beste Entscheidung?

Die eben genannten Entscheidungen erwiesen sich ja alle als richtig und deshalb waren das auch alles gute Entscheidungen. Wenn ich unter denen eine hervorheben soll, dann den Börsengang. Denn weit schwieriger als das Treffen weitreichender Entscheidungen erwies sich die Zusammenarbeit mit den Banken. Die zeigten immer wieder wenig Risikobereitschaft, waren wankelmütig und wenig verlässlich – was mir viele schlaflose Nächte bereitete. Deshalb der Börsengang. Damit hat sich Steico von den Banken unabhängiger und damit handlungsfähiger gemacht.

Wie kommt es, dass Sie als Dämmstoffhersteller auch konstruktive Holzprodukte herstellen?

Das liegt vor allem am 2005 erworbenen Werk in Czarna Woda. Das produzierte bereits Hartfaserplatten – und wir überlegten, was wir mit denen Sinnvolles anstellen können. Daraus entstand die Idee, Stegträger zu produzieren und die Hartfaserplatten als Steg zu verwenden. Die Gurte waren anfangs aus Vollholz, später dann aus eingekauftem Furnierschichtholz. Da sich aber unser Furnierschichtholz-Lieferant immer wieder als unzuverlässig erwies, begannen wir schließlich selbst damit, es herzustellen.

Wie schätzen Sie die Marktchancen des Holzbaus und der Holzfaser-Dämmstoffe ein?

Wenn die Bundesregierung ihren Beschluss, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll, ernst nimmt, dann bedeutet das in der Baubranche eine Vervielfachung des Bauens mit Holz und des Dämmens mit Holzfaser. Das muss die Politik aber anscheinend erst noch richtig erkennen, akzeptieren – und dann als Konsequenz ermöglichen. Bislang ist das ja ein furchtbarer Eiertanz: Man will es und will es gleichzeitig nicht. Vor allem beim Brandschutz muss mehr Realismus Einzug halten. Die Vorschriften müssen auf ein vernünftiges Maß reduziert werden. Man trägt seine Hose auch nicht mit Gürtel und Hosenträgern gleichzeitig. Eins von beiden genügt. 

Kingspan hat nun bei Steico die Aktienmehrheit. Warum haben Sie dieses Unternehmen ausgewählt?

Kingspan ist erstens schon aufgrund seiner Größe in der Lage, die Investitionen zu tätigen, die für ein weiteres Wachstum von Steico notwendig sind. Zweitens ist Kingspan auch gewillt, solche Investitionen zu tätigen. Und drittens stimmt die dort herrschende Mentalität: CEO Gene Murtagh und sein Team sind keine vorsichtigen Bürokraten, sondern wachstumsorientiert, offen für Neues und entscheidungsfreudig. Sie fällen Entscheidungen schnell und klar. Das gefällt mir. Und das wird für eine weiterhin positive Entwicklung von Steico wichtig sein. Denn wie eben schon erwähnt: Für Klimaneutralität bis 2045 muss vielfach mehr mit Holz gebaut und mit Holzfaser gedämmt werden. Um das zu ermöglichen, müssen die Hersteller ihre Produktionskapazitäten deutlich erhöhen und dafür in neue Produktionsanlagen investieren. 

Was machen Sie jetzt nach Ihrem Ausscheiden?

Ganz weg bin ich ja nicht, sondern immer noch Mitglied des Steico Verwaltungsrats. Aber ja – ich widme mich jetzt anderen Dingen: Zum einen der Familie. Zum anderen habe ich ein Wohnungsbauunternehmen gegründet und möchte dazu beitragen, dass sich in den nächsten Jahren die Holzbauquote in München erhöht.

Herr Schramek, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.
 

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