Baukrise 2026

Kai Ingmar Link,

RICS: Baukonjunktur weltweit schwach – Deutschland im positiven Bereich

Die globale Bauwirtschaft verliert leicht an Dynamik. Deutschland zeigt sich im RICS Construction Monitor weiterhin robust – besonders im Infrastrukturbereich.

Weltweit stagniert die Bauaktivität; Deutschland ist aber noch stabil. © Pelemedia (Symbolbild, erstellt mit KI)

Globale Bauwirtschaft verliert an Dynamik – Infrastruktur bleibt Stabilitätsanker

Die weltweite Baukonjunktur hat zum Jahresende 2025 an Tempo verloren. Zwar bleibt die Stimmung in der Branche insgesamt positiv, doch die Unterschiede zwischen den Regionen nehmen weiter zu. Während Infrastrukturinvestitionen vielerorts weiterhin Wachstum sichern, geraten Wohnungsbau und Gewerbeimmobilien zunehmend unter Druck. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des „RICS Global Construction Monitor Q4 2025“.

Besonders für die europäische Bauwirtschaft zeichnet sich ein differenziertes Bild ab: Deutschland hält den positiven Trend bislang aufrecht, Frankreich rutscht deutlich ab, und in Asien verschärft sich die Schwäche erneut. Für Bauunternehmen, Projektentwickler und Investoren wird damit die Frage zentral, welche Segmente in den kommenden Monaten tatsächlich Stabilität bieten können.

Weltweiter Construction Sentiment Index sinkt leicht

Der globale Construction Sentiment Index (CSI) lag im vierten Quartal 2025 bei +7 Punkten, nach +12 im Vorquartal. Trotz der Abschwächung bleibt der Wert im positiven Bereich und signalisiert weiterhin Wachstum der Bautätigkeit.

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Besonders stabil präsentiert sich weiterhin die Region Nahost und Afrika (MEA). Dort verharrte der CSI bei +29 und zeigt laut RICS weiterhin „solides Wachstum“. Auch Nord- und Südamerika konnten ihre Dynamik ausbauen und erreichten einen Wert von +25 nach +20 im dritten Quartal.

Europa verlor hingegen leicht an Dynamik. Der CSI fiel von +18 auf +14, bleibt damit jedoch deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Die deutlichste Schwäche zeigt erneut die APAC-Region. Dort rutschte der Index von 0 auf -14 und signalisiert wieder eine schrumpfende Bautätigkeit.

Deutschland behauptet sich im europäischen Vergleich

Innerhalb Europas zählt Deutschland weiterhin zu den stabileren Märkten. Der deutsche Baustimmungsindex verbesserte sich leicht von +32 auf +34. Damit bleibt die Bundesrepublik hinter Spanien, das mit einem CSI von +60 die stärkste Dynamik in Europa verzeichnete, aber deutlich vor Frankreich.

Frankreich erlitt im vierten Quartal einen massiven Einbruch: Der CSI fiel von +11 auf -22 und markiert damit den schwächsten Wert Europas. Großbritannien bewegte sich mit +2 lediglich knapp im positiven Bereich.

Auch bei der aktuellen Arbeitsauslastung zeigt sich Deutschland robust. Der Nettosaldo lag bei +41 und signalisiert weiterhin eine stabile Bautätigkeit. Besonders auffällig: Sowohl der private Wohnungsbau als auch der Gewerbeimmobilienbau verbesserten sich zuletzt.

Im Wohnungsbau stieg der Nettosaldo von 0 % auf +54 %, im Gewerbeimmobilienbau von +30 % auf +35 %. Der Bereich Infrastruktur blieb mit +33 % unverändert stabil.

Infrastruktur entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumstreiber

Weltweit zeigt sich ein klares Muster: Infrastrukturprojekte entwickeln sich zunehmend zum zentralen Stabilitätsanker der Bauwirtschaft. Laut RICS liegen die aktuellen Infrastruktur-Arbeitsauslastungen in rund 70 % der erfassten Länder über denen des Wohnungs- und Gewerbebaus.

Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben in diesem Segment besonders robust. Global rechnen netto +35 % der Befragten mit steigender Arbeitsauslastung im Infrastrukturbereich.

Damit bestätigt sich ein Trend, der die Branche bereits seit mehreren Quartalen prägt. Während private Bauinvestitionen stärker auf Finanzierungskosten und Nachfrage reagieren, gelten Infrastrukturprogramme vieler Staaten weiterhin als konjunktureller Stabilisator.

Spanien, Deutschland und Saudi-Arabien zählen aktuell zu den Märkten mit dem ausgewogensten Ausblick über mehrere Bausegmente hinweg. Gleichzeitig bleiben China und Hongkong deutlich unter Druck. In China lag der Wert zur aktuellen Bautätigkeit bei -59, in Hongkong bei -38.

Wohnungsbau und Gewerbeimmobilien verlieren an Dynamik

Deutlich vorsichtiger fällt der Ausblick inzwischen im Wohnungs- und Gewerbebau aus. Global sank der Nettosaldo der Erwartungen für den privaten Wohnungsbau von +32 % auf +14 %.

In Europa blieb die Stimmung zwar positiv, verlor aber ebenfalls an Stärke. Deutschland gehört weiterhin zu den stabileren Märkten, doch auch hier gab der Nettosaldo im Wohnungsbau von +44 % auf +38 % nach.

Noch deutlicher zeigt sich die Abschwächung im Gewerbeimmobilienbau. Weltweit fielen die Erwartungen von +27 % auf +10 %. In Deutschland bleibt der Wert mit +41 % zwar positiv, liegt jedoch deutlich unter dem Vorquartal (+73 %).

Besonders schwach bleibt das Umfeld in Frankreich, Kanada und China, wo die Erwartungen im Gewerbeimmobilienbau weiterhin negativ ausfallen.

Für viele Bauunternehmen bedeutet das eine zunehmende Verschiebung der Marktchancen. Während Infrastrukturprojekte für Auslastung sorgen könnten, dürften klassische private Bauinvestitionen selektiver werden.

Finanzierungsdruck und Fachkräftemangel bleiben zentrale Belastungsfaktoren

Neben der Nachfrageentwicklung nennt die Branche weiterhin strukturelle Belastungen. Finanzielle Restriktionen bleiben weltweit das häufigste Hemmnis für die Bautätigkeit. 61 % der Befragten nannten diesen Faktor, leicht weniger als im Vorquartal.

Gleichzeitig gewinnt die unzureichende Nachfrage an Bedeutung. Jeder zweite Befragte sieht darin inzwischen ein wesentliches Problem.

In Europa rückt zudem der Fachkräftemangel erneut stärker in den Mittelpunkt. 55 % der Befragten nennen fehlende Fachkräfte als größte Herausforderung. Besonders ausgeprägt ist das Problem in den Niederlanden und Spanien.

Auch in Deutschland bleibt der Arbeitskräftemangel das meistgenannte Hemmnis. 53 % der Befragten sehen darin eine zentrale Belastung für die Bautätigkeit. Hinzu kommen finanzielle Restriktionen, die von 50 % genannt werden.

Materialkosten bleiben zwar relevant, liegen aber inzwischen deutlich unter den Belastungswerten der Jahre 2023 und 2024.

Europa bleibt im Wachstum – allerdings mit deutlich unterschiedlichem Tempo

Trotz der Abschwächung bleibt die Grundtendenz in Europa positiv. Die Erholung der Bautätigkeit setzt sich fort, allerdings mit stark unterschiedlichen regionalen Entwicklungen.

Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Senior Vice President (SVP) der RICS weltweit, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein:
„Die Ergebnisse in Europa zeigen, dass sich die Erholung der Bautätigkeit fortsetzt, wenngleich das Tempo je nach Region unterschiedlich ausfällt. Auf gesamteuropäischer Ebene ist der Construction Index leicht gesunken, aber Deutschland behält die Dynamik bei. Gegenüber dem dritten Quartal 2025 haben sich die Erwartungen in allen Sektoren abgeschwächt, bleiben aber positiv. Trendgeber ist weiterhin der Sektor Infrastruktur. Spanien und Deutschland zeigen weiterhin den ausgewogensten Ausblick über alle Sektoren.”

Die Bauwirtschaft sucht Stabilität im Infrastrukturmarkt

Der RICS Global Construction Monitor Q4 2025 zeigt eine Bauwirtschaft im Übergang. Die starke Dynamik früherer Quartale schwächt sich ab, gleichzeitig bleibt der Markt insgesamt auf Wachstumskurs.

Für Deutschland ergibt sich dabei ein vergleichsweise stabiles Bild. Trotz rückläufiger Erwartungen im Wohnungs- und Gewerbebau bleibt die Stimmung positiv. Infrastrukturprojekte entwickeln sich zunehmend zum entscheidenden Stabilitätsfaktor – sowohl für die Auslastung als auch für die strategische Planung vieler Unternehmen.

Für Entscheider der Bauwirtschaft wird 2026 damit vor allem eine Frage zentral bleiben: Welche Segmente bieten langfristige Planungssicherheit – und wie stark kann Infrastruktur die schwächeren privaten Märkte tatsächlich kompensieren?

Neue Wege aus der Baukrise

Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.

Chancen für die Bauwirtschaft

Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.

Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen

Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.

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