Bau-Lkw
Variantenvielfalt für das Baugewerbe: die Arocs-Baureihe von Mercedes
Die Universalwaffe von Mercedes-Benz für das Bau- und Baunebengewerbe heißt Arocs und glänzt mit einer sehr breiten Typenvielfalt. Ob Kipper, Transportbetonmischer oder Baustofftransporter: Der Arocs-Baukasten deckt alle Spielarten auf und abseits der Straße ab – vom Mischerchassis über Baustofftransporter bis hin zum schweren 8 x 8 im Offroadeinsatz.

Nicht nur auf der Straße, sondern auch im gemischten Baueinsatz glänzt der Mercedes-Stern in Deutschland besonders hell. In beiden Bereichen sind die Schwaben dank spezialisierter Modelle, die viele Komponenten aus dem gemeinsamen Konzernbaukasten nutzen, klare Marktführer.
Die Baubranche spielt für Mercedes-Benz eine wichtige Rolle: Rund 40 Prozent aller ausgelieferten Mercedes-Trucks rollen für die Bauwirtschaft. Davon arbeitet ein Drittel direkt auf den Baustellen. Ein weiteres Drittel liefert Material und Baustoffe dorthin und 15 Prozent sind mit Fertigbeton unterwegs. Die restlichen Fahrzeuge kommen im Baunebengewerbe, für Schwertransporte und bei kommunalen Fuhrparks zum Einsatz. Aus diesem breiten Einsatzspektrum heraus verfügt Mercedes über ein fast lückenloses Raster an Arocs-Varianten: verschiedene Chassis, Motoren, Gewichtsvarianten oder die Menge an einsatzorientierten Fahrerhausvariationen, die sonst kein Mitbewerber bieten kann. Auch antriebsseitig zieht der Arocs alle Register: Vom 4 x 2 über 4 x 4, 6 x 2, den klassischen 6 x 4 bis zum Vierachser als 8 x 2, 8 x 4 oder 8 x 8 reicht das Spektrum. Auch sehr spezielle Typen wie 8 x 6- oder 8 x 2-Fahrzeuge mit zwei Lenkachsen kann Mercedes beim Arocs realisieren.

Typenvielfalt im Detail: Loader oder Grounder
Über die reine Chassis- und Motorenkonfiguration hinaus kann der Arocs-Kunde bei Mercedes zwischen zwei Grundbaumustern wählen. Den nutzlastsensiblen Teil der Einsätze auf öffentlichen Straßen übernimmt der Arocs Loader. Ein klassisches Einsatzgebiet wäre dabei der Betonmischer oder Schüttguttransporter, die auf maximale Zuladung angewiesen sind und nicht direkt ins Gelände bewegt werden müssen. Ihr Rückgrat ist ein breiter und verwindungssteifer Rahmen mit Rohrquerträgern. Als Vorderachse kommt statt einer gekröpften eine gerade Vorderachse zum Einsatz, die den Böschungswinkel und die Bodenfreiheit verbessern soll. An der oder den Hinterachsen federn und führen Vierbalg-Antriebsachsen, die für jeweils 13 Tonnen und bis zu 80 Tonnen Zuggesamtgewicht taugen. Diese Achstechnik bietet Verbrauchs- und Gewichtsvorteile.

Wahlweise kann der Arocs-Loader-Kunde anstelle der Hypoidachsen auch robuste Außenplanetenachsen an Parabelfedern ordern. Diese Konfiguration kann sich auch beim Wiederverkauf ins Ausland bezahlt machen, bei dem traditionell robustere und wartungsleichte Technik hoch im Kurs steht. Eine andere Variation vom Thema Loader ist die neue, vom Actros-Bruder abgeleitete Straßenkipper-Sattelzugmaschine, der mit gerader Vorderachse sechs Zentimeter mehr Bodenfreiheit und bis zu 150 Kilo mehr Nutzlast zu bieten hat.
Grounder für den rustikalen Bau-Einsatz

Für den echten Offroad-Einsatz steht im Arocs-Programm der Grounder seinen Mann. Mit höherem und kräftiger dimensionierten Rahmen (9 mm) und gleichzeitig schmälerer Rahmenspur (744 statt 834 beim Loader) arbeitet er sich stoisch durch jede Baustelle. Dabei kommt es auf eine Baggerschaufel mehr oder weniger Ladung nicht an. Der Grounder-Rahmen ist verwindungsfreudig, statt Rohr- werden hier Plattenquerträger verbaut. Bei der Federung setzt Mercedes auf robuste Mehrblatt-Parabelfederpakete mit harter Federkennlinie – entweder als 7,5-Tonnen-Vorderachsen oder wahlweise 9-Tonnen-Aggregate für schwere Einsätze. Bei den Hinterachsen stehen AP-Achsen mit massiven Parabelfederpaketen und verstärkten Stabilisatoren für bis zu 16 Tonnen Achslast zur Wahl. Auch den Grounder-Allradler gibt es wahlweise auch mit Luftfederung.

Vielfalt ist auch beim Antrieb der Arocs-Allradtrucks geboten. Gleich drei Variationen zum Thema Allradantrieb stehen im Angebot. Der permanente Allradantrieb empfiehlt sich dort, wo der Lkw auf schwerem Geläuf dauerhaft stark gefordert wird und sich das bedarfsabhängige Zuschalten von Vorderradantrieb nicht bewährt. Als Mittellösung für gelegentlichen Allradbedarf bietet sich die klassisch manuell zuschaltbaren Vorderachsen an.
Ölantrieb statt Mechanik
Als Speziallösung vor allem für den Sattelzug gibt es auch bei Mercedes eine bei Bedarf hydraulisch angetriebene Vorderachse als Traktionshilfe. Sie heißt im Mercedes-Sprech kurz HAD (= Hydraulic Auxiliary Drive). Ihre Besonderheit ist der Pumpenantrieb direkt am Motorschwungrad, wodurch der zuschaltbare Vorderachsantrieb auch ohne vorherige Radbewegungen der Hinterachse sofort aktiviert wird. Jedes Vorderrad wird dabei mit bis 450 bar Hydraulikdruck in ein Turbinengehäuse angetrieben und zieht den Sattelzug wie von unsichtbarer Hand aus dem Dreck. Vorteil des HAD-Antriebs: Gegenüber konventionellen Allradantrieben spart man bis zu 400 Kilogramm Gewicht, der HAD-Antrieb wird deshalb gern für die 4 x 2-Sattelzugmaschine mitbestellt. Weil man sich so kaum noch festfährt – der Absatz von 4 x 4-Sattelfahrzeugen nimmt auch bei Mercedes immer mehr ab. Ganz billig ist die „hydraulische“ Vorderachse allerdings nicht, sie rangiert beim Aufpreis klar vor der mechanisch angetriebenen zuschaltbaren Vorderachse.
Variantenvielfalt vom HAD bis zum Low-Roof-Chassis

In puncto Typenangebot kann es kein Mitbewerber mit der Arocs-Vielfalt aufnehmen. Die Bandbreite reicht von 2,3 Meter breiten und kurzen Tageskabinen bis zu mittellangen oder sogar extralangen Fahrerhäusern mit beträchtlichem Langstreckenkomfort und Übernachtungsmöglichkeit. Auch bei diesen Varianten bleiben die bautypischen Gene erhalten. Die unterste Einstiegsstufe beispielsweise wird dreiteilig aus Kunststoff gefertigt und geht nicht gleich beim ersten Bodenkontakt zu Bruch. Auch der massive Kühler- und Ölwannenschutz unter der Fahrzeugfront gehört auf die Habenseite aller Arocs-Varianten. Der pflegeleichte Innenraum ist mit Kleiderstange und Haken konfektioniert, hinter den Sitzen gibt es verschließbare Ablagefächer. Der Bau-Fahrer bekommt, was er im Alltag braucht: Den Komfortsitz für den strapazierten Rücken, eine Klimaanlage zum Wohlfühlen, Druckluftpistole zur Innenraumreinigung oder den Bluetooth-Anschluss fürs Handy.
Was bei den Kunden fallweise kritisiert wurde, war der hohe Aufstieg ins Fahrerhaus, was vor allem Betonmischer-Fahrer mit häufigem Ein- und Ausstieg monierten. Dazu hat Mercedes mit einer einstiegsfreundlicheren Kabine nachgelegt. Das 2,3 Meter breite Classic-Space-Low-Roof-Haus sitzt 17 Zentimeter tiefer auf den Rahmen. Unter die tiefergelegte Kabine passt allerdings nur der kompaktere 10,7-l-Sechszylinder. Damit zielen diese Kabinenvarianten vor allem auf Transportmischer, Absetz- und Abrollkipper und Schüttguttransporter – eben dort, wo der Fahrer oft ein- und aussteigen muss und Höchstleistung nicht immer gefragt ist.
Leistungsplus im Motorenangebot

Die neueste Motorengeneration wird seit der IAA 2016 auch im Arocs-Programm verbaut. Den beiden großen Reihensechszylinder der Baureihen 470 und 471 wurde eine Verbrauchsdiät verordnet. Mit einer geringeren Abgas-Rückführrate, dafür aber höhere Adblue-Einspritzmengen soll der Dieselverbrauch ebenso wie das Abgasverhalten optimiert werden. Bei maximal auf 2.700 bar erhöhtem Einspritzdruck und höherer Verdichtung soll der Wirkungsgrad im gesamten Motorkennfeld, sprich dem ganzen Einsatzbereich, verbessert werden. Neu und ziemlich attraktiv ist die Topvariante des kompakten OM-470-Sechszylinders. Er holt aus seinen 10,7 Liter Hubraum in der Spitzenversion jetzt bis zu 456 PS bei stämmigen 2200 Newtonmeter Drehmomentbestwert.
Seine Stärke spielt er aus, wenn es um hohe Nutzlasten und um hohe Leerfahrten- und Teilladungsanteile geht. Er verfügt über alle Merkmale seines großen Bruders OM 471: Robuste Bauweise, stabile Stahlkolben, zwei obenliegende Nockenwellen mit Zahnradantrieb, einen asymmetrischen Abgasturbolader und das Hochdruck-Einspritzsystem per Common-Rail.
Als anfahrstarker Muskelprotz offenbart sich der 12,8 Liter große OM 471, den es jetzt auch mit 530 PS gibt. Mit maximal 2.600 Newtonmeter Drehmoment, die schon knapp über dem Leerlaufniveau bereitstehen, ist er ein Fall für anspruchsvolle Einsätze und schwere Ladungen. Auch das Motorenflaggschiff OM 473 aus der Arocs-Baureihe – mit 15,6 Liter hubraumstärkster Fahrzeugmotor bei Mercedes – wird jetzt mit neuer Hochdruck-Einspritzung befeuert. Die Leistungs- und Drehmomentwerte bleiben identisch, aber der Hersteller verspricht eine Kraftstoffeinsparung von bis zu drei Prozent. Motorisch kann man im Arocs auch deutlich kleinere Brötchen backen. Für den Soloeinsatz und einfache Transportaufgaben steht der 7,7 Liter kleine OM 936 im Antriebsprogramm. Der hochmoderne Reihensechszylinder bietet Motorleistungen von 238 bis hin zu 354 PS, was bei vielen Bauzuliefereinsätzen völlig ausreichen dürfte.
Automatisch schalten auch offroad attraktiv

Der Trend zu automatisierten Schaltungen hat sich mittlerweile auch im Bau- und Bauzuliefergewerbe durchsetzen können. Die Mercedes-Berater empfehlen ihr Powershift-Getriebe heute praktisch für jede Anwendung. Das smart schaltende Getriebe wird mit acht, zwölf und 16 Gängen angeboten und lässt sich natürlich mit dem hydraulischen HAD-Achsantrieb kombinieren. Der Berater empfiehlt die zwölfstufige Variante, die dank der breiten Drehmomentverläufe der Motoren in fast allen Einsatzgebieten völlig ausreicht. Nur wenn es um Schwerlastbetrieb geht, oder um überschwere Kipper im dauerhaften schweren Offroadeinsatz ist das sechszehnstufige Mercedes-Getriebe als Alternative sinnstiftend. Dazu empfiehlt sich die sehr fein arbeitende Turbo-Retarder-Kupplung (TRK), die das Anfahren völlig verschleißfrei gestaltet. Damit lässt sich bei niedrigsten Geschwindigkeiten vorwärts wie rückwärts rangieren, aber auch kräftig anfahren. Die TRK verträgt volle 3.000 Newtonmeter und kombiniert die Funktion der hydrodynamischen Anfahrkupplung mit der eines Primärretarders.
Auch im Arocs rundum sicher
Sicherheit ist kein Privileg der Straßen-Lkw. Wahlweise können zwei- und dreiachsige Arocs-Trucks mit Straßenzulassung mit dem Notbremsassistenten ABA4 (Active Brake Assist Generation 4) ausgerüstet werden. Das momentan modernste Notbremssystem für Baufahrzeuge erkennt zusätzlich zu bewegten und stehenden Fahrzeugen auch Personen im Verkehr. So lassen sich Unfälle mit Passanten gerade in Ortschaften reduzieren. Auch der neue Abbiegeassistent aus den Straßenfahrzeugen kann für Arocs-Baufahrzeuge geordert werden. Er verbessert die Sicherheit bei unübersichtlichen Abbiegemanövern nach rechts, er warnt optisch, wenn sich Radfahrer, Fußgänger, auch Fahrzeuge in der kritischen Zone befinden.

Fahrbericht Mercedes-Benz Arocs 3243 8 x 4
Für Straße und Bau Mit seiner neuen Low-Roof-Kabine duckt sich der Arocs tiefer auf den Rahmen, darunter sorgt der mit 428 PS maßvoll starke OM 470-Sechszylinder für Vortrieb.Dieser Arocs trägt das neue tiefer aufgesetzte Fahrerhaus, das jetzt den Einstieg für den Fahrer vor allem bei häufigem Stop-and-Go erleichtert. Unter der tiefergelegten Kabine soll der nur 10,7 Liter große Reihensechszylinder für Dynamik sorgen und gleichzeitig Gewicht sparen. Die Typenbezeichnung 3243 signalisiert: Hier ist ein nutzlastoptimierter Straßenkipper unterwegs. Flexibel zeigt sich der Kipper schon mit seinem Aufbau ab Werk, einem Dreiseitenkipper plus Bordmatik links. Damit lädt er schnell ab und kann dabei die Ladung verziehen. Alternativ lassen sich mit diesem Arocs genauso gut palettierte Baustoffe transportieren oder Betonteile und Baumaschinen zur Baustelle bringen.Der um rund 20 Zentimeter niedrigere Einstieg macht sich vor allem im Nahverkehr bezahlt. Allerdings ragt der Motortunnel im Low Roof mit 320 Millimeter etwas höher auf, aber wer klettert heute noch regelmäßig hinüber zur rechten Kabinenseite? Dafür bietet das mittellange M-Fahrerhaus üppige 30 Zentimeter mehr Raumlänge, die mit einem von außen und innen zugänglichen Stauraum sehr effektiv genutzt wird. Hinter den Sitzen gibt es Platz für Werkzeug, Stiefel oder Bauhelm. Links wie üblich neben dem Fahrersitz wird das hydraulische Kipperventil montiert. Eine gekonnt platzierte Aussparung in der Türverkleidung schafft hier Raum für die Bedienung. Auch hinter dem Lenkrad ist der flache Vierachser ein Mercedes neuester Bauart: Mit guter Übersicht und einfach zu bedienen.
Auch für schwere Lasten tauglich Verglichen mit seinen schweren Vierachser-Kollegen macht sich der Low-Roof-8 x 4 etwas kleiner, überragt aber immer noch seine dreiachsigen Brudermodelle. Vierachser bauen hinten etwas höher und bekommen an den geraden Vorderachsen einen Achsbock montiert. Hier federn jeweils drei kräftige Parabelblätter, die dem 8 x 4 Überlastreserven mit auf den Weg geben. Die beiden Hypoidachsen werden mit stabilen Parabelfedern auch für schwere Lasten tauglich gemacht. Die optionale Luftfederung würde noch rund eine Vierteltonne Nutzlast bringen, damit würde der Arocs aber auch seine Überlastfähigkeit einschränken, was sich vor allem im Wiederverkauf wertmindernd auswirkt.
Spielend leicht mit Servotwin Der voll ausgeladene Vierachs-Kipper liegt mit Conti-Hybrid-Bereifung satt auf der Straße und federt manierlich. Was das Fahrwerk durchlässt, steckt die Vierpunkt-Komfortfederung des Fahrerhauses weg. Auch in dieser Arocs-Variante ist das automatisierte Powershift-Getriebe der Serienstandard. Manuelle Schaltungen gibt es nur auf Kundenwunsch. Darüber hinaus werden die Arocs-Vierachser serienmäßig mit einer fein arbeitenden elektrohydraulischen Servotwin-Lenkung ausstaffiert, mit der sich der Vierachser spielend leicht dirigieren lässt. Spätestens in der engen Baustelleneinfahrt schätzt man die Hilfestellung der Lenkung, wenn sich der beladene Kipper ohne Kraftaufwand rangieren lässt.
Mit fast 430 PS und 2.100 Newtonmetern Drehmoment ist der Vierachser standesgemäß motorisiert. Sein OM-470-Sechszylinder tritt zwar kräftig an, legt sich aber nicht so fulminant ins Zeug wie seine größeren Kollegen. Mit 1320 Umdrehungen dreht der Sechszylinder bei 80 km/h im großen Gang. Wenn der Nahverkehr überwiegt, dürfte der Vierachser gern etwas kürzer übersetzt sein. Dann hätte der 8 x 4 mehr Kraft beim Anfahren zu Verfügung und könnte auf der Landstraße im großen Gang dahin rollen – auf der Autobahn sind diese Fahrzeuge eher selten unterwegs.
Fazit So viel steht fest: der Arocs 3243 hat das Zeug zum Nutzlastriesen. Beste Voraussetzungen dazu bekommt er mit dem leichten Loader-Rahmen und einer leichten Maschine. Beim Fahrwerk lässt er ein paar hundert Kilo liegen. Das gilt auch für den Stahlaufbau, wo man da und dort und mit Alubordwänden Gewicht sparen könnte.
Fahrbericht Mercedes-Benz Arocs 4151 8 x 8
Schwer im Offroad-Geschäft
Dieser hochgeländegängige Vierachser kennt kaum Grenzen. Mit permanent Allradantrieb an allen vier Achsengetrieben und der passenden Geländeuntersetzung kommt der Arocs 4151 immer ins Ziel.
Bei so viel Antriebsleistung verteilt auf alle Achsen spielen im Gelände die richtigen Reifen eine entscheidende Rolle. Denn wenn der Kraftschluss zum Boden verloren geht, steht auch der stärkste Allradler im Gelände schneller, als der Fahrer es glauben mag. Mit der richtigen Offroad-Bereifung und entsprechendem Gripp schiebt sich der schwere Vierachser stetig aber mit nur geringer Geschwindigkeit die wild verworfene Steilstrecke hinauf. Hier setzt eher der Mut des Fahrers als die Technik die Grenzen.

Denn der 8 x 8-Arocs kann fast alles. Mit einer zu einem Drittel gefüllten Kippmulde ist das Straßenlimit 32 Tonnen erreicht. Offroad darf es freilich deutlich mehr sein, ohne dass der starke Arocs die Waffen streckt. Vor dem Trip ins harte Gelände wird erst der Offroad-Modus des Getriebes, dann die Geländeuntersetzung aktiviert. Und mit eingelegter Längssperre lässt sich schon fast alles befahren. Vor extremen Verwerfungen empfiehlt sich der manuelle Schaltmodus, um den Gang über die gesamte Anstiegsdauer zu halten. Erst dann, wenn sich die Räder über hohe Steine wälzen und die Verschränkungsfähigkeit der Achsen nicht mehr reicht, verwindet sich der Arocs.
Mehr Gänge fürs Gelände Der antrittsstarke Sechszylinder steht schon beim Anfahren gut im Futter. Mit 510 PS Nennleistung bringt er bereits bei 900 Touren stattliche 2.500 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle. Das flinke Powershift-Getriebe legt sich im Offroad-Modus beim Schalten noch schneller ins Zeug. Im harten Offroadeinsatz empfiehlt sich das 16stufige Getriebe, mit dem bei gleicher Spreizung noch feinere Gangsprünge möglich werden. Beim versetzten Fahren über Felsen und knietiefe Löcher müssen die Quersperren an den Hinterachsen weiterhelfen, sonst drehen die wenig belasteten Räder durch. Hier hat der Achslastausgleich an den Vorderachsen gut zu tun, damit keine Achse überfordert wird. Trotz aller Härte draußen unter den Stollenreifen lässt sich der gelbe Alleskönner mit leichter Hand lenken. Das ausufernde Wasserloch durchquert der hochbeinige 8 x 8 fast spielerisch, nur mit dem robusten Stahlstoßfänger taucht er kurz in das schlammige Nass.
Fazit Auf der Straße ist mit diesem hochgeländegängigen Arocs freilich weniger Staat zu machen. Der Arocs 8 x 8 ist zu schwer und zu teuer für die kleinen Lasten, die er legal auf der Straße befördern darf. Dieser 8 x 8 trumpft auf in der Grube oder beim schweren Straßenbau, wo schwere Lasten über anspruchsvolle Strecken befördert werden sollen. Für den extrem harten Einsatz steht überdies die fein arbeitende Turbo-Retarder-Kupplung im Zusatzangebot, die das Anfahren auf schwierigem Geläuf noch leichter macht.
Oliver Willms








