Baumaschinen

Max Kandler,

Wenn Seilbagger an ihre Grenzen gehen: Liebherr-Technik im Mega-Trockendock von Genua

Der Bau des neuen Mega-Trockendocks im italienischen Genua gehört zu den technisch anspruchsvollsten Infrastrukturprojekten im europäischen Hafenbau. Wo künftig große Kreuzfahrtschiffe gewartet und instand gesetzt werden, entstehen derzeit massive Schlitzwandkonstruktionen unter schwierigen geologischen Bedingungen. Für die ausführenden Spezialtiefbauarbeiten setzt das Unternehmen R.C.M. Costruzioni srl auf leistungsstarke Seilbagger von Liebherr – und auf Technik, die selbst unter extremen Belastungen präzise arbeiten muss.

Die Liebherr-Fräse LSC 8-20 überzeugt in Genua mit ihrem hohen Drehmoment. © Liebherr

Spezialtiefbau unter Extrembedingungen im Hafen von Genua

Im direkten Hafenbereich von Genua treffen schwere maritime Infrastruktur, bestehende Betonfundamente und stark bewehrte Untergründe aufeinander. Genau diese Kombination macht den Bau der Schlitzwände für das Mega-Trockendock zu einer technischen Herausforderung. Je nach statischer Funktion variieren die Wandstärken und Tiefen der einzelnen Abschnitte erheblich. Gleichzeitig müssen die Geräte massive Mengen an verbautem Stahl sowie harte Bodenschichten zuverlässig durchdringen.

Für Bauunternehmen im Spezialtiefbau zeigt das Projekt exemplarisch, wie entscheidend die Wahl der richtigen Maschinenkonfiguration für Termin- und Prozesssicherheit geworden ist. Besonders bei komplexen Hafen- und Infrastrukturmaßnahmen steigen die Anforderungen an Drehmoment, Vertikalität und Systemstabilität kontinuierlich.

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Liebherr setzt auf hohe Fräskraft und modulare Systemtechnik

Zum Einsatz kommen auf der Baustelle drei Seilbagger von Liebherr. Ein HS 8100.1 arbeitet mit dem hydraulischen Greifer HSG 5-18 L, während zwei HS 8130.1 mit mechanischen Greifern sowie der Schlitzwandfräse LSC 8-20 ausgestattet sind. Gerade die Kombination aus Fräse und Seilbaggertechnik ermöglicht eine flexible Anpassung an wechselnde Bodenverhältnisse und unterschiedliche Bauabschnitte.

Die Liebherr-Fräse LSC 8-20 wurde erstmals auf der Baustelle in Genua eingesetzt, nachdem sie zuvor auf der Bauma vorgestellt worden war. Ihre Aufgabe besteht darin, stark bewehrte Bereiche kontrolliert und effizient zu bearbeiten. Entscheidend ist dabei das hohe Drehmoment der Fräsräder, das speziell bei eisenhaltigen Fundamentresten und widerstandsfähigen Bodenschichten eine zentrale Rolle spielt.

Im Spezialtiefbau entscheidet nicht allein die reine Maschinenleistung über den Projekterfolg. Ebenso wichtig sind gleichmäßige Fräsprozesse, kontrollierte Lastaufnahme und eine hohe Systemstabilität während des gesamten Aushubs. Genau hier zeigt sich die Bedeutung moderner Frästechnologie im schweren Hafenbau.

Präzision und Vertikalität als Schlüssel zum Projekterfolg

Liebherr bietet für Schlitzwandarbeiten ein Gesamtpaket aus Seilbagger, Greifer und Fräse. © Liebherr

Mit der Schlitzwandfräse arbeitet das Team bis in Tiefen von rund zehn Metern. Die weiteren Schlitzwandarbeiten erfolgen mit den Greifersystemen der Seilbagger bis in etwa 34 Meter Tiefe hinein. Ziel ist es, die Schlitzwände sicher in tragfähige Tonschichten einzubinden und dauerhaft zu stabilisieren.

Sowohl die Fräse als auch die hydraulischen Greifersysteme von Liebherr verfügen über einen modularen Aufbau. Dadurch lassen sich die Geräte an unterschiedliche Baustellenanforderungen anpassen – ein wesentlicher Vorteil bei komplexen Infrastrukturprojekten wie dem Mega-Trockendock in Genua.

Hinzu kommen konstruktive Merkmale wie ein robuster Grundkörper, ein niedriger Schwerpunkt und ein hohes Eigengewicht. Diese Eigenschaften verbessern die Vertikalität der Schlitzwände erheblich und reduzieren Abweichungen im Bauprozess. Gerade im Hafen- und Wasserbau sind präzise geführte Schlitzwände entscheidend für die spätere Tragfähigkeit und Dichtigkeit der Gesamtanlage.

Einheitliche Bedienkonzepte steigern die Produktivität

Ein weiterer praxisrelevanter Aspekt auf Großbaustellen ist die Maschinenbedienung. Alle eingesetzten Liebherr-Seilbagger verfügen über ein einheitliches Kabinen- und Steuerungskonzept. Bedienhebel, Anzeigen und Steuerlogik bleiben über die verschiedenen Maschinen hinweg identisch. Für Bauunternehmen bedeutet das kürzere Einarbeitungszeiten, flexiblere Personaleinsätze und effizientere Arbeitsabläufe im laufenden Betrieb.

Gerade bei langfristigen Infrastrukturprojekten mit engem Zeitplan gewinnen solche Faktoren zunehmend an Bedeutung. Neben Maschinenleistung und Zuverlässigkeit rücken Bedienkomfort, Servicequalität und technische Beratung stärker in den Fokus strategischer Investitionsentscheidungen.

Das Mega-Trockendock als Beispiel moderner Infrastrukturprojekte

Das Bauprojekt in Genua verdeutlicht, wie eng Spezialtiefbau, Maschinenhersteller und Bauunternehmen heute zusammenarbeiten müssen, um komplexe Infrastrukturmaßnahmen erfolgreich umzusetzen. Moderne Seilbagger, leistungsfähige Frästechnologie und präzise Planung bilden dabei die Grundlage für wirtschaftliche und terminsichere Bauprozesse.

R.C.M. Costruzioni srl begann 2023 mit den Arbeiten am Mega-Trockendock. Die Fertigstellung des Projekts ist für 2026 vorgesehen. Für die Bauwirtschaft liefert die Baustelle bereits heute wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich schwere Spezialtiefbauarbeiten unter extremen Bedingungen effizient und technisch kontrolliert realisieren lassen.

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