Sanierungsmaßnahmen prägen Geschäftszahlen
BayWa legt Zahlen für das 3. Quartal 2024 vor
Die BayWa AG hat die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2024 vorgelegt, die stark von den laufenden Sanierungsmaßnahmen und der wirtschaftlichen Lage geprägt sind. Das Unternehmen erzielte in diesem Zeitraum einen Umsatz von 16,0 Mrd. Euro, der damit unter dem Vorjahreswert von 18,2 Mrd. Euro lag.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ohne Berücksichtigung der im Halbjahresbericht erläuterten Wertminderungen nach IAS 36 betrug minus 77,6 Millionen Euro (Vorjahr: 214,6 Millionen Euro). Inklusive der außerplanmäßigen Abschreibungen liegt das Konzern-EBIT zum Ende des dritten Quartals bei minus 299,8 Mio. Euro.
Entwicklung in den Geschäftssegmenten
Segment Agrar
Das Segment Agrar erzielte bis Ende September einen Umsatz von 3,6 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,9 Mrd. Euro). Das operative Ergebnis ging auf 16,4 Mio. Euro (Vorjahr: 46,5 Mio. Euro) zurück. Unter Berücksichtigung der Wertberichtigungen nach IAS 36 ergibt sich ein EBIT von 5,6 Mio. Euro. Die Geschäftsentwicklung wurde durch verschiedene negative Einflüsse beeinträchtigt, darunter ungünstige Witterungsbedingungen während der Anbausaison und eine unterdurchschnittliche Getreideernte in Deutschland. Hinzu kam eine temporäre Zurückhaltung der Geschäftspartner bei der Getreidelieferung, die die finanzielle Situation der BayWa in den Erntemonaten zusätzlich belastete.
Segment Bau
Die anhaltende Krise im Wohnungsbau belastet das Segment Bau weiterhin stark. Hier erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 1,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,5 Mrd. Euro) ein operatives EBIT von minus 8,2 Mio. Euro (Vorjahr: 5,8 Mio. Euro). Unter Berücksichtigung der Wertminderungen nach IAS 36 beträgt das EBIT minus 9,5 Mio. Euro. Die Herausforderungen in der Baubranche dürften auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Sanierung der BayWa spielen.
Segment Energie
Der Einbruch im Heizungsmarkt führte auch im Segment Energie zu spürbaren Belastungen. Der Umsatz sank leicht auf 1,9 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,0 Mrd. Euro), das EBIT ging deutlich auf 4,3 Mio. Euro (Vorjahr: 13,5 Mio. Euro) zurück. Unter Berücksichtigung der außerplanmäßigen Abschreibungen ergibt sich ein EBIT von minus 0,2 Mio. Euro. Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiegesetz und die daraus resultierende Investitionszurückhaltung bei neuen Heizsystemen wie Wärmepumpen und Pelletheizungen trugen wesentlich zum Ergebnisrückgang bei. Auch der Absatz von Wärmeenergieträgern wie Holzpellets und Heizöl war gedämpft, da sich viele Verbraucher aufgrund des milden Winters 2023/24 gut bevorratet hatten und auf weiter sinkende Preise warteten. Lediglich der Handel mit Kraft- und Schmierstoffen verzeichnete ein leichtes Absatzplus.
Segment Technik
Positive Ergebnisse verzeichnete das Segment Technik: Der Umsatz stieg auf 1,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,7 Mrd. Euro), das operative EBIT erhöhte sich auf 68,0 Mio. Euro (Vorjahr: 52,6 Mio. Euro). Unter Berücksichtigung der Wertminderungen nach IAS 36 betrug das EBIT 66,5 Mio. Euro. Ein wesentlicher Faktor für diese positive Entwicklung war der hohe Auftragsbestand zum Jahresende 2023, der überwiegend im ersten Halbjahr 2024 umgesetzt wurde. Zusätzlich unterstützten Investitionsanreize aus dem Wachstumschancengesetz der Bundesregierung das Wachstum.
Entwicklung der Tochtergesellschaften und Beteiligungen
Cefetra-Gruppe (Internationaler Agrarhandel)
Die Cefetra-Gruppe erzielte bei einem Umsatz von 3,6 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,9 Mrd. Euro) ein operatives Ergebnis von 33,4 Mio. Euro (Vorjahr: 50,6 Mio. Euro). Nach Wertminderungen gemäß IAS 36 betrug das EBIT 19,6 Mio. Euro. Das stabile Ergebnis ist auf den zuverlässigen Handel mit Standardprodukten wie Getreide und Ölsaaten zurückzuführen.
Global Produce
Das Segment Global Produce zeigte im Berichtszeitraum eine deutliche Erholung und profitierte von stabilen Apfelpreisen in beiden Hemisphären. Der Umsatz stieg auf 781,1 Millionen Euro (Vorjahr: 749,7 Millionen Euro), das EBIT erreichte 1,1 Millionen Euro (Vorjahr: minus 4,7 Millionen Euro).
Segment Regenerative Energien
Im Segment Regenerative Energien verzeichnete die BayWa deutliche Rückgänge. Der Umsatz sank auf 2,9 Mrd. Euro (Vorjahr: 4,3 Mrd. Euro), das EBIT auf minus 164,8 Mio. Euro (Vorjahr: 105,8 Mio. Euro). Inklusive außerplanmäßiger Abschreibungen lag das EBIT bei minus 336,3 Mio. Euro. Der Preisverfall bei Solarmodulen führte zu hohen Vorratsabwertungen und Preisnachlässen im Abverkauf. Trotz einer Absatzsteigerung im Projektgeschäft mit einem Gesamtvolumen von 600 Megawatt an Projekten und Projektrechten blieb der Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Restrukturierungskosten für die BayWa r.e. AG, in der das Geschäftsfeld Erneuerbare Energien gebündelt ist, belasteten das Ergebnis zusätzlich.
Sanierungsmaßnahmen und zukünftige Perspektiven
Die aktuellen Geschäftszahlen verdeutlichen die Herausforderungen für die BayWa und die Notwendigkeit von Restrukturierungsmaßnahmen. Die finanziellen Belastungen in den Segmenten Agrar, Bau, Energie und Erneuerbare Energien erfordern eine strategische Neuausrichtung, um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens langfristig zu sichern. Ein Sanierungsgutachten, das von der Unternehmensberatung Roland Berger erstellt wurde, sieht vor, dass das Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen saniert und mittelfristig seine operative Wettbewerbs- und Renditefähigkeit wieder herstellen kann. Dazu sind zahlreiche operative Einsparmaßnahmen und Veräußerungen von einzelnen Geschäftsbereichen über einen mehrjährigen Zeitraum notwendig.
Die BayWa hat bereits erste Schritte unternommen, um ihre Finanzlage zu stabilisieren. Ein Überbrückungskredit von 272 Millionen Euro sichert die Liquidität des Konzerns bis Ende September, mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis Ende Dezember. Zudem wurde ein weiteres Finanzierungspaket in Höhe von 500 Millionen Euro gesichert, um die Sanierungsbemühungen zu unterstützen.
Die vorliegenden Geschäftszahlen der BayWa AG für das dritte Quartal 2024 spiegeln die angespannte finanzielle Situation des Konzerns wider. Die Sanierungsmaßnahmen sind entscheidend, um die Insolvenz abzuwenden und die langfristige wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens zu sichern. Die Herausforderungen in den verschiedenen Geschäftssegmenten erfordern eine umfassende Restrukturierung und eine klare strategische Neuausrichtung.












