Baustelle

Jenseits der Stille

Mitten im Zentrum von Kempten wurden hochwertige Wohnungen aus Porenbeton gebaut. Der schwäbische Bauunternehmer setzte auf eine monolithische Außenwandkonstruktion. Er erfüllte alle Anforderungen der Wärmeschutzverordnung sowie Ansprüche an den erhöhten Schallschutz und blieb dabei auch wirtschaftlich.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Druckerei und Buchbinderei entstand in parkähnlicher Umgebung mitten im Herzen von Kempten ein Ensemble von 52 Eigentumswohnungen in unterschiedlicher Größe. Entsprechend der Lage das barocke Kornhaus sowie die Pfarrkirche St. Lorenz und die ehemalige fürstäbtliche Residenz sind in unmittelbarer Nähe wurden an Konzeption, Architektur und Ausführung höchste Maßstäbe angelegt. Mit einem monolithischen Außenmauerwerk aus Porenbeton kam dabei ein Baustoff zum Einsatz, der ohne weitere Wärmedämm-Maßnahmen den Anforderungen der Wärmeschutzverordnung entspricht. Entsprechende Messungen der Hochschule für Technik Stuttgart/University of Applied Sciences haben außerdem gezeigt, dass Porenbeton den erhöhten Schallschutzanforderungen gerecht wird.

Grundstücke in zentraler Innenstadtlage sind rar. Das gilt unabhängig von ihrer Größe für Städte mit pittoreskem Stadtbild ebenso wie für die modernen Metropolen. Und so entpuppte es sich für die schwäbische Bauunternehmung Josef Hebel als besonderer Glücksfall, dass plötzlich das Gelände der ortsansässigen Buchdruckerei und Buchbinderei Kösel zur Verfügung stand. 400 Jahre war das 1586 durch den damaligen Fürstabt gegründete Traditionsunternehmen an dieser Stelle tätig gewesen. Jetzt war es aus Platzgründen gezwungen, einen neuen Standort vor den Toren der Allgäu-Metropole zu beziehen.

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"Es gibt", so Richard Weidinger, der als Geschäftsführer der Josef Hebel GmbH das Projekt betreute, "in Kempten nicht viele Grundstücke, die eine zentrale Lage in parkähnlicher Umgebung bieten. Wir haben das Filet-Grundstück gekauft und dazu passend ein Objekt für gehobene Ansprüche entwickelt." Vergleichbare Bauträger-Projekte hat das Memminger Familienunternehmen bereits zuvor in Memmingen, Isny und Fürstenfeldbruck realisiert.

Vor allem der hohe alte Baumbestand und der im südlichen Grundstücksbereich unmittelbar angrenzende Park einer Gründerzeit-Villa machen den besonderen Reiz des Grundstücks aus. Durch geschickte Planung ist es den Landschaftsarchitekten, die mit der Gestaltung des Areals beauftragt waren, gelungen, den Park sowie eine Kapelle aus dem späten 19. Jahrhundert in die Anlagenkonzeption zu integrieren.

Fünf L-förmig angeordnete, viergeschossige Gebäude schließen das Grundstück nach Norden und Osten hin ab. Zwei weitere dreigeschossige und durch ein verglastes Treppenhaus miteinander verbundene Gebäude sind im Park angeordnet. Das 5600 m² große Gelände erlaubt einen großzügigen Abstand der Gebäude voneinander: An der engsten Stelle beträgt die Entfernung zwischen den Häusern immer noch 20 m.

Zweigeschossige, zurückgesetzte Zwischenbauten und großflächig verglaste Erker gliedern den lang gestreckten Bau, der durch einen etwa 3 m breiten Vorgartenbereich von der Straße abgetrennt ist, und nehmen ihm seine Wuchtigkeit. Optisch ergibt sich so das Bild von individuellen Einzelgebäuden, was zusätzlich durch eine entsprechende Farbgebung der Fassade unterstützt wird. Ganz im Gegensatz zur eher verschlossen wirkenden Fassade an der Straßenfront steht die Parkseite: Mit großen bodentiefen Fenstern holt sie das Grün der Anlage ins Haus hinein und sorgt für lichtdurchflutete helle Räume.

Auch die Ausstattung der Wohnungen mit Größen zwischen 60 und 150 m² entspricht dem gehobenen Anspruch: Mit 2,63 m sind die Räume höher, als es normalerweise bei Neubauten der Fall ist, im Bad sorgt eine Fußbodenheizung für angenehme Wärme, alle Fenster sind mit Jalousien oder Rollläden ausgestattet, die einzelnen Etagen sind mit dem Aufzug erreichbar.

Zukunftsweisend wurde das gesamte Objekt schwellenfrei geplant. Alle Stockwerke sind vom Gehweg bzw. von der Tiefgarage aus ohne Stufen zu erreichen, die Wohnungen wurden barrierefrei konzipiert. Als derzeit einziges Gebäude in Kempten wird das Objekt durch kontrollierte Wohnraumbe- und -entlüftung kombiniert mit einer Wärmerückgewinnungsanlage mit Frischluft versorgt.

Um zusätzlich zur technischen Ausstattung des Objektes auch durch die Bauweise einen hohen Wohnkomfort sicherzustellen, wurde im Vorfeld der Planungen viel Wert auf die Wahl des richtigen Baustoffes gelegt. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten der mineralischen Baustoffe Kalksandstein und Porenbeton. Dabei wurde Kalksandstein für die tragenden und nicht tragenden Innenwände (175 mm KS-12-1.2 bzw. 115 mm KS-12-1.2) sowie für die Wohnungstrennwände (d = 240 [KS-12-2.0]) verarbeitet, der Massiv-Baustoff Ytong kam für das Außenmauerwerk zum Einsatz.

Damit wurde für die Gebäudehülle ein Baustoff eingesetzt, der umweltfreundlich aus natürlichen Rohstoffen hergestellt wird und der aufgrund seiner feinporigen Struktur mit einem Lambda-Wert von 0,08 w/mK den besten Dämmwert für Massivbaustoffe bietet. Schon eine Wanddicke von 36,5 cm (Festigkeitsklasse PPW4-0,50) reichte als Wärmeschutz nach der Energiesparverordnung aus, ohne dass eine zusätzliche kostenaufwendige Wärmedämmung der Außenwände notwendig wurde. Die typische Porenstruktur von Ytong bietet gleichzeitig ein ausgewogenes Verhältnis von Wärmedämmung und Wärmespeicherung und gewährleistet so ein ständig gleichbleibendes ausgeglichenes Raumklima, das den Bewohnern das so wichtige Gefühl von Behaglichkeit vermittelt.

"Das ganze Objekt", so Richard Weidinger, "ist bauphysikalisch interessant geplant." Es habe sich bewährt, den Außenbau monolithisch und ohne Wärmedämmverbundsystem auf der Außenfassade zu errichten. Entscheidend seien die guten Dämmeigenschaften des Porenbetons: "Wenn man in die Wohnungen hineingeht, herrscht dort immer ein angenehmes Klima. Auch im Sommer, wenn es heiß ist." Und wenn es kalt sei, sei die Ausstattung mit relativ kleinen Heizkörpern völlig ausreichend für eine angenehme Temperierung. "Angesichts der kleinen Heizkörper fragt jeder zunächst: ‚Passt das überhaupt?‘ Aber", so Weidinger, "es funktioniert. Im Sommer kommt die Wärme nicht rein und im Winter nicht raus."

Mit Ytong kam ein Baustoff zum Einsatz, der optimale Voraussetzungen für eine energiesparende Bauweise bot. Häuser, die vollständig mit Porenbeton gebaut wurden, weisen so gut wie keine Wärmebrücken, das sind Zonen mit herabgesetzter Dämmwirkung, auf. Die Einzelkomponenten des Bausystems sind genau aufeinander abgestimmt und können daher absolut luft- und winddicht zusammengefügt werden. Da sämtliche Anschlüsse und Konstruktionen problemlos aus Ytong-Porenbeton erstellt werden konnten, schwand die Gefahr konstruktiver und energetischer Schwachstellen, die leicht auftritt, wenn Bauteilanschlüsse aus verschiedenen Baustoffen ausgeführt werden. Wärmeverluste infolge von Wärmebrücken können so vermieden werden. Gleichzeitig bietet die vollständig luftdicht geschlossene Ytong-Konstruktion gerade auch in Kombination mit kontrollierter Wohnraumbe- und -entlüftung Schutz für Allergiker. Schadstoffe, die bei undichten Gebäudehüllen ins Hausinnere gelangen, bleiben außen vor.

Die Verarbeitung von Porenbeton reduzierte die Baukosten gleich in mehrfacher Hinsicht. So konnte durch die wärmedämmenden Eigenschaften des Baustoffs auf die Einbringung zusätzlicher Dämmung verzichtet und dadurch der Bauablauf beschleunigt werden. Damit mussten spätere Folgekosten, wie sie bei der Pflege und Instandhaltung von Wärmedämmverbundsystemen anfallen, nicht mit einkalkuliert werden.

Hinzu kamen die günstigen Verarbeitungseigenschaften von Porenbeton. Die eingesetzten großformatigen Planblöcke ließen sich schnell verlegen. Der Zuschnitt von Pass-Stücken, die wegen der gebogenen Fassade benötigt wurden, war problemlos. Durch die Verwendung von Planblock-Mörtel, der lediglich in der Lagerfuge in einer 1 bis 3 mm dicken Schicht aufgetragen werden musste auf eine Stoßfugenvermörtelung konnte durch das Doppel-Nut- und Federsystem verzichtet werden , wurde nur wenig Feuchtigkeit in den gesamten Bau eingebracht. Somit mussten lange Trocknungsphasen nicht in den Bauablauf mit einkalkuliert werden. Vielmehr konnten sofort nach Fertigstellung des Rohbaus die Innenausbauarbeiten in Angriff genommen werden.

Entsprechend der hochwertigen Ausstattung der Wohnungen war auch ein erhöhter Schallschutz gefordert. Um dies zu überprüfen, wurden eigens Schallschutz-Messungen durch die Hochschule für Technik Stuttgart/University of Applied Sciences durchgeführt. Es zeigte sich, dass im Massivbau eine Außenwand aus Porenbeton ein ausreichend hohes Schall-Längsdämm-Maß erreicht. Es wurden Werte für das Schall-Längsdämm-Maß von R’v,w ? 64 dB ermittelt. Bei Decken lag das Schalldämm-Maß in allen betrachteten Etagen bei R’w ? 57 dB und war damit mindestens 2 dB über dem Vorschlag für einen erhöhten Schallschutz nach Beiblatt 2 zu DIN 4109. Hinsichtlich des Norm-Trittschallpegels wurden durchgängig L’n,w ? 44 dB erreicht (Norm ? 46 dB). Im Ergebnis waren mit diesen Ergebnissen die erhöhten Schallschutzforderungen erfüllt.

Bei individueller Architektenplanung und gehobener Ausstattung in bevorzugter Wohnlage mit Quadratmeterpreisen zwischen ca. 2200 bis 2700 Euro zeigt der Kösel Wohnpark, dass auch in zentraler Innenstadtlage Wohnqualitäten erreichbar sind, die eine eindeutige Alternative zum Einfamilienhaus am Stadtrand sind. Mit Ytong-Porenbeton konnten dabei hinsichtlich der Wärmedämmung und des Raumklimas sowie des Schallschutzes alle Anforderungen an den hochwertigen Wohnraum erfüllt werden. (mm)

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