Sanierung

Max Kandler,

Spesa saniert Stützmauern der Alten Synagoge Hohenlimburg

Die Sanierung historischer Bauwerke stellt das Baugewerbe regelmäßig vor besondere Herausforderungen. Wenn denkmalgeschützte Bausubstanz, schwierige geotechnische Randbedingungen und eingeschränkte Platzverhältnisse zusammentreffen, sind spezialisierte Lösungen gefragt. Genau dieses Spannungsfeld prägt aktuell die Arbeiten an der Alten Synagoge Hohenlimburg in Hagen. Im Auftrag der Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR übernimmt die Spesa Spezialbau und Sanierung GmbH die umfassende Erneuerung zweier geschädigter Stützmauern und schafft damit die Grundlage für eine langfristige Sicherung des historischen Standorts.

Die als Notsicherung eingesetzten Big Bags zwischen Mauer und Synagoge verhindern ein Fortschreiten des Schadens. © Bauer Gruppe

Historisches Bauwerk mit geotechnischem Handlungsbedarf

Die 1870 errichtete Alte Synagoge Hohenlimburg zählt zu den wichtigen Erinnerungsorten jüdischer Geschichte im südöstlichen Ruhrgebiet. Aufgrund ihrer exponierten Lage auf einer schmalen Hangterrasse ist das denkmalgeschützte Gebäude auf eine dauerhaft funktionierende Sicherung der angrenzenden Böschungen angewiesen. Zwei Stützmauern übernehmen hierbei eine zentrale Aufgabe.

Im Rahmen einer Bauwerksprüfung wurden jedoch erhebliche Schäden festgestellt. Eine der Mauern weist eine deutliche Schiefstellung auf, ein Teilbereich ist bereits eingestürzt. Die Standsicherheit wurde dadurch erheblich beeinträchtigt. Als temporäre Sicherungsmaßnahme kamen Big Bags zum Einsatz, die das Fortschreiten der Schäden verhindern, gleichzeitig jedoch die Ausführung der Sanierungsarbeiten deutlich erschweren.

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Ein Materialgutachten bestätigte schließlich, dass eine wirtschaftliche und technisch nachhaltige Instandsetzung nicht mehr möglich ist. Die Lösung besteht daher in einem vollständigen Rückbau mit anschließendem Wiederaufbau unter Berücksichtigung der Anforderungen des Denkmalschutzes.

Denkmalschutz bestimmt den Umgang mit historischem Baumaterial

Für Bauunternehmen und Sanierungsspezialisten zeigt das Projekt exemplarisch, wie eng technische Erfordernisse und denkmalpflegerische Vorgaben miteinander verzahnt sein können. Die vorhandenen Natursteine werden während des Rückbaus sorgfältig gesichert, zwischengelagert und für die spätere Wiederverwendung aufbereitet. Ziel ist es, das historische Erscheinungsbild der Stützanlagen weitgehend zu erhalten.

Die Schäden an den Bauwerken sind nach den vorliegenden Erkenntnissen insbesondere auf Verwitterungsprozesse in den oberflächennahen Gesteinsschichten sowie auf Wurzeldruck zurückzuführen. Da die Mauern ursprünglich nicht als tragende Schwergewichtskonstruktionen ausgeführt wurden, sondern vor allem eine Verkleidungsfunktion für den dahinterliegenden Fels übernehmen, kann der Rückbau ohne Beeinträchtigung der grundsätzlichen Hangstabilität erfolgen.

Gerade im Bereich des Denkmalschutzes gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung. Historische Baustoffe werden erhalten und wiederverwendet, während moderne Sicherungstechniken die langfristige Gebrauchstauglichkeit gewährleisten.

Hangsicherung als tragendes Element des Sanierungskonzepts

Den technischen Schwerpunkt der Maßnahme bildet die Hangsicherung. Erst nach der vollständigen Sicherung des Untergrundes kann der Wiederaufbau der historischen Natursteinmauern erfolgen.

Hierzu wird nach dem Rückbau eine Spritzbetonschale hergestellt, die den Hang dauerhaft stabilisiert. Die Ausführung erfolgt mithilfe von Bohr- und Baggerlafetten. Auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern werden etwa 75 Tonnen Spritzbeton eingebaut und durch insgesamt 110 Anker rückverankert.

Diese Konstruktion übernimmt künftig die eigentliche Sicherungsfunktion des Hanges. Die anschließend wiederhergestellten Natursteinmauern dienen dagegen in erster Linie der denkmalgerechten Gestaltung und fügen sich optisch in das historische Umfeld der Alten Synagoge Hohenlimburg ein.

Für den Wiederaufbau wird überwiegend das vorhandene Natursteinmaterial eingesetzt. Fehlende Steine werden durch vergleichbare und ortsübliche Natursteine ergänzt. Auf die Wiederverwendung vorhandener Ziegelsteine wird verzichtet, um eine einheitliche Ausführung des Mauerwerks sicherzustellen.

Zwischen der neuen Spritzbetonschale und der Natursteinfassade erfolgt die lagenweise Verfüllung mit Einkornbeton. Dieses Verfahren ermöglicht eine kontrollierte Einbringung des Materials und reduziert gleichzeitig unerwünschte Frischbetondrücke auf die historische Verblendung.

Präzisionsarbeit unter beengten Bedingungen

Neben den technischen Anforderungen prägen vor allem die eingeschränkten Platzverhältnisse den Projektablauf. Die als Notsicherung eingesetzten Big Bags müssen während der Arbeiten teilweise erhalten bleiben, um die bestehende Standsicherheit nicht zu gefährden. Dadurch stehen den ausführenden Teams nur begrenzte Arbeitsflächen zur Verfügung.

Für die Spesa Spezialbau und Sanierung GmbH bedeutet dies eine präzise Abstimmung sämtlicher Arbeitsschritte – von der Baustellenlogistik über den Rückbau bis hin zur Hangsicherung und dem denkmalgerechten Wiederaufbau. Das Projekt verdeutlicht, wie wichtig eine enge Verzahnung von Spezialtiefbau, Sanierungskompetenz und Denkmalschutz bei anspruchsvollen Bestandsmaßnahmen ist.

Nachhaltige Sicherung eines kulturhistorisch bedeutenden Standorts

Mit der Sanierung der Stützmauern an der Alten Synagoge Hohenlimburg entsteht eine Lösung, die historische Substanz bewahrt und gleichzeitig moderne Anforderungen an die Standsicherheit erfüllt. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie sich Denkmalschutz und Hangsicherung miteinander verbinden lassen, ohne den Charakter eines geschichtsträchtigen Bauwerks zu verändern.

Für das Baugewerbe liefert die Maßnahme wertvolle Erkenntnisse im Umgang mit komplexen Hanglagen, denkmalgeschütztem Mauerwerk und begrenzten Arbeitsräumen. Gleichzeitig unterstreicht sie die Bedeutung spezialisierter Sanierungsverfahren für den langfristigen Erhalt historischer Bauwerke. Die Arbeiten der Spesa Spezialbau und Sanierung GmbH sollen voraussichtlich bis Juli 2026 abgeschlossen werden und schaffen die Grundlage für eine dauerhaft sichere Nutzung des bedeutenden Kulturdenkmals.

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